Milliardenschwere Offensive Chinas Smartphone-Riese Xiaomi will Elektroautos bauen

Mit seinen Smartphones ist Xiaomi in nur einem Jahrzehnt zum Apple-Rivalen aufgestiegen. Nun drängen die Chinesen wie das große Vorbild ins Autogeschäft. Für den Gründer ist es das letzte große Abenteuer.
Will neben Smartphones jetzt auch Elektroautos bauen: Xiaomi-Gründer Lei Jun bei der Präsentation des Mi 11 Pro in Peking

Will neben Smartphones jetzt auch Elektroautos bauen: Xiaomi-Gründer Lei Jun bei der Präsentation des Mi 11 Pro in Peking

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JASON LEE / REUTERS

Genau wie der amerikanische Rivale Apple drängt auch chinesische Tech-Konzern Xiaomi ins Autogeschäft. Das Unternehmen – im Westen vor allem für seine Smartphones bekannt – kündigte am Dienstag an, in den kommenden Jahren umgerechnet rund 8,5 Milliarden Euro in intelligente Elektrofahrzeuge zu investieren. Die neu geschaffene Autoeinheit wird dabei Chefsache: Xiaomi-Gründer und CEO Lei Jun (51) wird persönlich die Führung übernehmen.

Lei Jun ist einer der herausragenden Unternehmer in Chinas Tech-Welt. Sein Vermögen schätzt Forbes auf mehr als 23 Milliarden Dollar. In seiner Karriere brachte er mehrere Unternehmen an die Börse, einen von ihm gegründeten Online-Buchhändler verkaufte er schon 2004 an Amazon, agierte als Investor – und gründete 2010 das Mobilfunk- und Elektronikunternehmen Xiaomi, sein Meisterstück. Der Konzern, seit 2018 an der Börse notiert, ist aktuell rund 56 Milliarden Euro wert und in nur einem Jahrzehnt zu einem ernsten Wettbewerber für die Edelhersteller Apple und Samsung aufgestiegen. Der Aufbau des Elektroautogeschäfts, erklärte Jun auf einer per Livestream übertragenen Veranstaltung, werde nun das "letzte große unternehmerische Projekt" seines Lebens.

Der Schritt des Unternehmens in die Automobilbranche folgt ähnlichen Schritten anderer Tech-Giganten in China und Übersee. Google ist mit seiner Tochter Waymo einer der führenden Entwickler des autonomen Fahrens. Apple-Chef Tim Cook (60) hat zuletzt unter dem Projektnamen "Titan" die Pläne für ein eigenes Apple-Car verschärft.  Im Januar kündigte der chinesische Suchriese Baidu an, dass er über eine Partnerschaft mit dem einheimischen Autobauer und Daimler-Investor Geely ein Elektroauto entwickeln werde. Und auch der chinesische Smartphone-Riese Huawei befindet sich in Gesprächen mit staatlichen Herstellen.

"Chinas Unternehmen verfolgen, was das Silicon Valley macht", sagte der Berater Tu Le der "Financial Times".  Da sei durchaus Neid im Spiel. "Wenn Xiaomi als Apple-Rivale sieht, was die tun, sagen sie sich, da können wir auch Erfolg haben."

Xiaomi wird zunächst 10 Milliarden Yuan (1,3 Milliarden Euro) in die neue, selbstständige Einheit investieren. Für die nächsten zehn Jahre liegt das Gesamtinvestitionsziel bei umgerechnet rund 8,5 Milliarden Euro, wobei die Summe mithilfe externer Investoren auch kurzfristig deutlich höher ausfallen könnte. Xiaomi wolle aber die volle Kontrolle über die Tochterfirma behalten. "Wir haben tiefe Taschen für dieses Projekt", sagte Lei Jun.

Gerade der chinesische Markt für Elektroautos verspricht über die kommenden Jahre rasantes Wachstum. Während das Smartphone-Geschäft an Dynamik verlieren wird, dürfte der E-Auto-Absatz allein in diesem Jahr um rund 50 Prozent zunehmen. Xiaomi soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg bereits Softwareexperten angeheuert haben. Allerdings ist das Autogeschäft komplex. Apple etwa arbeitet seit Jahren am teuersten Projekt seiner Geschichte – ohne bislang ein Produkt zu haben.  Und im Vergleich zum weltweit wertvollsten Unternehmen hat Xiaomi auch deutlich weniger Kapital zur Verfügung – Ende 2020 hatte der Konzern umgerechnet gut 7 Milliarden Euro Cashreserven.

"Ich bin mir der Risiken des Autogeschäfts durchaus bewusst", sagte Lei Jun. "Und ich weiß, dass dieses Projekt mindestens drei bis fünf Jahre dauern und zig Milliarden Investitionen verlangt."

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Nachrichtenagentur Reuters von angeblichen Gesprächen Xiaomis mit dem chinesischen Autohersteller Great Wall Motor berichtet. Xiaomi lehnte damals Kommentare dazu ab und auch jetzt erwähnte Lei Jun keine Partnerschaften.

lhy/Reuters