Mögliche Winterkorn-Nachfolger Das sind die Männer, die Winterkorn beerben könnten

VW-Chef Martin Winterkorn ist nach dem öffentlichen Misstrauensantrag von Aufsichtsratschef Piech angezählt - nun berät das VW-Präsidium über seinen möglichen Nachfolger

VW-Chef Martin Winterkorn ist nach dem öffentlichen Misstrauensantrag von Aufsichtsratschef Piech angezählt - nun berät das VW-Präsidium über seinen möglichen Nachfolger

Foto: DPA

Für Volkwagen-Konzernchef Martin Winterkorn geht es schon wieder um alles. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will ihn laut Medienberichten um jeden Preis loswerden, nachdem ein erster Anlauf gescheitert war.

Als mögliche Nachfolger stehen vor allem Skoda-Chef Winfried Vahland und Porsche-Boss Matthias Müller bereit. Den Berichten zufolge ist offen, wen von beiden Piëch derzeit favorisiert. VW und die Familienholding Porsche SE lehnten zunächst einen Kommentar ab. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär kündigte eine Stellungnahme an.

Die Zeit drängt, denn am 5. Mai hält der Konzern seine jährliche Hauptversammlung ab. Aus heutiger Sicht erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass Winterkorn und Piëch dabei wie in den vergangenen Jahren freundlich lächelnd auf der Bühne stehen und Winterkorn die von Piëch gesammelten Aktionärsfragen beantwortet.

Piëch hat jüngst im für ihn typischen knappen Duktus erklärt, was ein Nachfolger für Winterkorn mitbringen muss: Die Kandidaten seien bereits im Unternehmen, den Vorsitz im Vorstand und im Aufsichtsrat müssen Techniker übernehmen. "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen", erklärte er dem Spiegel - doch die Entscheidung soll erst kurz vor Piëchs Ausscheiden im Jahr 2017 fallen.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wer die Top-Kandidaten sind und wen sie offenbar ausgestochen haben.

Matthias Müller: Gewiefter Stratege bringt sich ins Spiel zurück

Porsche-Chef Müller bringt viele Voraussetzungen für die Winterkorn-Nachfolge mit - nur für einen Generationswechsel steht er nicht

Porsche-Chef Müller bringt viele Voraussetzungen für die Winterkorn-Nachfolge mit - nur für einen Generationswechsel steht er nicht

Foto: DPA

Schon lange gilt Porsche-Chef Matthias Müller als heißer Anwärter auf den VW-Topjob. Anfang des Jahres nahm er sich kurz selbst aus dem Rennen - um sich dann wieder zurück ins Spiel zu bringen. Bei Müller passt vieles zum Besetzungsschema: Der gelernte Werkzeugmacher und studierte Informatiker Müller leitete einst die VW-Produktplanung, mit Strategieplänen kennt er sich also aus. Müller tritt joval und besonnen auf, kann aber auch kräftig zupacken. Bei Porsche gelang es ihm in kurzer Zeit, den Sportwagenhersteller wieder auf Trab zu bringen und kräftig wachsen zu lassen.

Seine Durchsetzungskraft und sein strategisches Denken hat der 61-jährige also bereits bewiesen. Anfang des Jahres fand er jedoch sehr deutliche Worte, warum er kein potenzieller Nachfolger für Winterkorn sei. "Ich bin zu alt für den Job", sagte er im Januar. Vor gut einem Monat ruderte er zurück: Er schließe nichts aus und sei für nichts zu alt. Grundsätzlich brauche VW aber einen Generationenwechsel.

Müllers Hin und Her könnte sich noch als taktisch geschickt erweisen: Denn Piëch könnte ihn durchaus als idealen Co-Chef oder Übergangskandidaten sehen. Chancen haben jedoch auch andere VW-Manager, die nicht ganz so oft im Rampenlicht stehen wie der Porsche-Chef.

Winfried Vahland: Zielstrebiger Schattenarbeiter

Skoda-Chef Vahland ist in der deutschen Öffentlichkeit weniger bekannt. In Wolfsburg ist er jedoch bestens vernetzt und gilt als einer der heißesten Kandidaten

Skoda-Chef Vahland ist in der deutschen Öffentlichkeit weniger bekannt. In Wolfsburg ist er jedoch bestens vernetzt und gilt als einer der heißesten Kandidaten

Foto: obs/Skoda Auto Deutschland GmbH

Seit 2010 ist Winfried Vahland Chef der tschechischen VW-Tochter Skoda. In Deutschland ist er deshalb weniger bekannt, VW-intern hat er jedoch einen guten Ruf. Als VWs China-Chef legte er Mitte der 2000er-Jahre die Basis für die heutigen Verkaufserfolge. Dort spielte er die Autonomiekarte geschickt - und ließ seine Ingenieure aus bestehenden Komponenten und mit der Basis des alten Golf den VW-Bestseller Lavida zusammenbauen.

Optisch ist der Lavida zwar keine Augenweide, die Rendite stimmt dafür. Und Vahland bewies mit seinem Vorpreschen, dass er durchaus Schneid hat. In den vergangenen Jahren verwandelte sich Skoda unter seiner Führung von der Biedermann-Marke zum Ertragsbringer mit anmutigem Design - und hat zuletzt bei den weltweiten Verkaufszahlen zweistellig zugelegt.

Auch exakt das richtige Alter bringt der 57-jährige Wirtschaftsingenieur mit. Sein einziger Makel: Vahlands Selbstbewusstsein wurde ihm teils als Überheblichkeit ausgelegt. Doch in den vergangenen Jahren hat Vahland viel getan, um diesen Eindruck zu zerstreuen.

Herbert Diess: Alles hängt an der Kernmarken-Mission

Ex-BMW-Mann Diess führt ab Juli die Volkswagen-Kernmarke VW. Wenn er die Rendite erhöht, ohne den Betriebsrat zu verärgern, könnte er auch in höhere Sphären aufsteigen

Ex-BMW-Mann Diess führt ab Juli die Volkswagen-Kernmarke VW. Wenn er die Rendite erhöht, ohne den Betriebsrat zu verärgern, könnte er auch in höhere Sphären aufsteigen

Foto: DPA

Im Juli fängt der ehemalige BMW-Chefentwickler Herbert Diess bei VW an, in einem durchaus spannungsgeladenen Job: Diess wird Markenvorstand für VWund muss die Kernmarke auf mehr Rendite trimmen. Schafft er das, ohne den mächtigen VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh allzu sehr zu verärgern, steht dem 56-Jährigen prinzipiell der Weg an die Spitze offen.

Intakte Chancen hat Diess vor allem dann, wenn sich das Aufsichtsratspräsidium nun auf einen Interimskandidaten einigt. Denn dann hätte Diess Zeit, den zweitgrößten Autohersteller der Welt erst mal von innen kennenzulernen. Denn noch fehlt Diess eine Hausmacht in Wolfsburg - und die ist in dem Zwölf-Marken-Reich immens wichtig. Immerhin ist er studierter Maschinenbauer - das passt wiederum ins Schema.

Rupert Stadler: Kronprinz mit Studien-Makel

Audi-Chef Stadler ist erfolgreich, relativ jung, und kennt Piech gut. Doch er hat einen Makel: Er ist studierter Betriebswirt, VW bevorzugt traditionell Ingenieure an der Spitze

Audi-Chef Stadler ist erfolgreich, relativ jung, und kennt Piech gut. Doch er hat einen Makel: Er ist studierter Betriebswirt, VW bevorzugt traditionell Ingenieure an der Spitze

Foto: Getty Images

Seit 2007 führt der nun 51-jährige Rupert Stadler die Ingolstädter VW-Tochter Audi, und seine Marke ist schon seit langem eine der Gewinnmaschinen des Konzerns. Für Stadler spricht die Unternehmenshistorie. Auch Winterkorn und Piëch waren Audi-Chefs, bevor sie an die VW-Spitze wechselten. Zu VW-Patriarch Piëch hat Stadler ein Naheverhältnis - immerhin war er mal Piëch Büroleiter.

Ein paar Gründe sprechen jedoch gegen Stadler. Der gewichtigste: Er ist Betriebswirt, Piëch will aber unbedingt einen studierten Techniker an der Vorstandsspitze sehen. Zwar meldet Stadler Rekordzahl um Rekordzahl, doch Audis Technik-Vorsprung ging zuletzt verschütt. Technik-Chef Hackenberg versucht hier gerade gegenzusteuern.

Andreas Renschler: Knochenjob für den Neu-VWler

Renschler ist seit Februar Vorstand von VWs Nutzfahrzeugsparte. Er hat nur dann Chancen auf den Topjob, wenn er in Windeseile eine schlagkräftige Allianz aus den VW-Marken Scania und MAN formt

Renschler ist seit Februar Vorstand von VWs Nutzfahrzeugsparte. Er hat nur dann Chancen auf den Topjob, wenn er in Windeseile eine schlagkräftige Allianz aus den VW-Marken Scania und MAN formt

Foto: Uli Deck/ dpa

Der langjährige Daimler-Lkw-Chef Andreas Renschler ist seit Februar Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte. Dort soll er aus den VW-Marken MAN  und Scania  endlich eine schlagkräftige Lkw-Allianz formen.

Gelingt ihm das, hat er Chancen auf den VW-Chefsessel. Doch das wird wohl noch einige Monate oder Jahre dauern, deshalb hat er in der aktuellen Lage allenfalls Außenseiterchancen. Sollten sich die Aufsichtsrats-Spitze jedoch auf einen Interims-Chef für den Konzern einigen, steigen damit auch Renschlers Chancen.

Selbst dann gibt es jedoch Gründe, die einen Wechsel an die Konzernspitze nicht allzu wahrscheinlich erscheinen lassen. Gegen ihn spricht, dass er sich bei Daimler  nie gegen Dieter Zetsche durchsetzen konnte - VW schätzt aber Manager mit Durchsetzungskraft. Zudem fehlt dem 56-jährigen ein Netzwerk in Wolfsburg.

Jürgen Stackmann: Turnaround in Spanien

Stackmann führt seit Mitte 2013 das VW-Sorgenkind Seat. Bei den Spaniern gibt es erste Erfolge - wenn Stackmann so weiter macht, hat er immerhin Außenseiterchancen

Stackmann führt seit Mitte 2013 das VW-Sorgenkind Seat. Bei den Spaniern gibt es erste Erfolge - wenn Stackmann so weiter macht, hat er immerhin Außenseiterchancen

Foto: DPA

Seine Mission ist nicht gerade einfach: Seit 2013 führt der 53-jährige Marketingexperte Jürgen Stackmann die spanische VW-Tochter Seat. Seit Jahren schreibt Seat rote Zahlen, doch unter Stackmann mehren sich die Zeichen für eine Wende: Zuletzt stiegen die Verkaufszahlen deutlich, der neue Leon kommt gut an.

Setzt Stackmann den Turnaround fort, hat auch er Chancen auf höhere Weihen - ob es die allerhöchsten werden, ist eher unwahrscheinlich. Denn Stackmann ist studierter Betriebswirt ohne Produktionserfahrung, VW-Patriarch Piëch bevorzugt jedoch ausgebildete Techniker. Zudem ist Stackmann erst seit 2010 in VWs Diensten - seine Hausmacht ist deshalb noch nicht allzu groß.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.