Montag, 18. November 2019

Neustart für Automanufaktur Zwei Briten beleben Luxus-Autobauer Wiesmann wieder

Sportwagen in Kleinserie: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
DPA

Ein Vierteljahrhundert lang bauten die Brüder Wiesmann umschwärmte Sportwagen in einer eigenen Automanufaktur. Anfang 2014 legte das einstige Vorzeigeunternehmen eine spektakuläre Pleite hin - manager magazin berichtete. Nun haben britische Investoren die exklusive Sportwagenmarke gekauft und wollen ab 2016 wieder Autos in Dülmen bauen - wenn die Gläubigerversammlung ihren Plänen zustimmt.

Lange sah es so aus, als der kleine Sportwagenhersteller Wiesmann endgültig Geschichte. Doch nun versucht die Automanufaktur ein Comeback - mit Geld aus Großbritannien. Eine britische Investorengruppe hat die Kaufverträge für die Namens- und Markenrechte, die Produktionsanlagen und die Wiesmann-Immobilien unterzeichnet. Sie wollen laut Medienberichten bereits 2016 die Kleinstserien-Fertigung wiederaufnehmen - am bisherigen Wiesmann-Standort im nordrhein-westfälischen Dülmen.

Wiesmann stellte bis zur Insolvenz 2013 Roadster und Sportcoupés in Kleinserien her. Wer einen Roadster mit dem Gecko-Logo auf der Motorhaube kaufen wollte, musste Summen jenseits von 100. 000 Euro zahlen. Die starken Motoren stammten von BMW. Seit Gründung des Unternehmens 1988 hat Wiesmann knapp über 1600 Luxus-Wagen mit den nostalgischen Karosserien ausgeliefert.

Noch ist der Neustart der Sportwagen-Manufaktur nicht in trockenen Tüchern: Anfang Dezember müssen die Kaufverträge für das Unternehmen und die Markenrechte noch von der Gläubigerversammlung akzeptiert werden. Erst dann kann Wiesmann erstes Comeback starten. Anfang 2014 hatten die Gläubiger einen ersten Neustart-Versuch noch vereitelt - allerdings mit anderen Geldgebern im Hintergrund.

Einer der Investoren ist Tuning-Experte - und Sportwagen-Fanatiker

Die Geldgeber für den Neustart der Sportwagen-Manufaktur kommen aus London: Als Gesellschafter der am 21.10.2015 gegründeten Wiesmann International GmbH sind Roheen Berry und Anita Tatalovic eingetragen - beide mit Wohnsitz in London. Berry ist geschäftsführender Gesellschafter des Softwareunternehmens Contec Global, einem Spezialisten für sichere Dokumentenverwaltung. Er wuchs laut Eigenangaben in Indien, Großbritannien und Nigeria auf und ist Absolvent der Eliteuniversität Harvard.

Mit an Bord ist Berichten zufolge auch sein Bruder Sahir Berry, der in Indien ein auf Supersportwagen spezialisiertes Unternehmen mit dem deutschen Namen "Sportwagen Performance" betreibt. Sahir Berry hat sich in Indien einen Namen als Tuning-Experte in dem Land gemacht und wollte bereits 2012 Wiesmann-Fahrzeuge in Indien vertreiben. Anita Tatalovic ist ersten Recherchen von manager-magazin.de zufolge Bankerin.

Als Kaufpreis für Wiesmann soll laut einem Sprecher der Investoren ein Betrag zwischen fünf und sieben Millionen Euro vereinbart sein. Wenn alles nach Plan der beiden Berry-Brüder läuft, sollen bereits 2016 wieder Wiesmann-Sportwagen in Dülmen produziert werden.

"Marke Wiesmann war Liebe auf den ersten Blick"

Zunächst soll Wiesmann die Fertigung der zuletzt gebauten Modelle wieder aufnehmen, möglicherweise mit leichten Modifikationen. Mittelfristig soll Wiesmann aber auch Rechtslenker-Versionen seiner Sportwagen für den indischen Markt bauen, wo die neuen Investoren offenbar "erhebliches Potenzial" sehen.

Laut einem Bericht der "Dülmener Zeitung" stehen die beiden indischstämmigen Investoren bereits seit Jahren in engem Kontakt zu den Firmengründern Martin und Friedhelm Wiesmann. Begeisterung für das Unternehmen scheinen sie jedenfalls mitzubringen: "Die Marke Wiesmann war für mich und meinen Bruder Liebe auf den ersten Blick," erklärte Roheen Berry gegenüber der Regionalzeitung - und schwärmte noch von "einzigartigen, atemberaubenden Design", der modernen Technik und der deutschen Ingenieurskunst bei Wiesmann.

Jetzt müssen sie nur noch die Gläubiger davon überzeugen, dass sie es abseits der salbungsvollen Worte wirklich ernst meinen mit der Wiesmann-Wiederbelebung - und dafür auch die notwendigen Geldmittel mitbringen.

Verfluchtes Traumauto: Wie Wiesmann in die Pleite fuhr

mit Material von dpa

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