Samstag, 30. Mai 2020

Luxusauto-Hersteller Wie Wiesmann in die Pleite fuhr

Sportwagen in Kleinserie: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
Wiesmann

4. Teil: Frustrierte Wiesmann-Zulieferer

Hansmann sagte zu. Weber wartete ab. Und wieder floss kein Geld an Racing Dynamics. Stattdessen erhielt er Mails, die die nahende Rettung versprachen. "Wir sind immer noch im Mittelzufluss unseres Investors bedungen", hieß es da schon mal oder - eine Aussage, die sich in hübscher Regelmäßigkeit so oder ähnlich durch die fast gesamte Wiesmann-Geschichte zieht: "Diese Mittel sind neuerdings für Ende dieser Woche zugesagt."

Als Weber sich schließlich intensiver in der Szene umhörte, erhielt er Schreckensnachrichten. In Dülmen ruhe die Produktion seit April weitgehend, hieß es da. Die Wiesmann-Bilanzen wiesen Millionenverluste aus. Etliche Zulieferer warteten auf ihr Geld und berichteten, immer wieder sei verspätet gezahlt worden. Immer wieder seien sie beruhigt worden, Investoren schössen in Kürze Kapital ein.

Am Ende jedoch sei es stets bei Notoperationen geblieben. Stefan Breuer, Haupteigentümer der Wiesmann GmbH hatte das Notwendigste getan, um Wiesmann liquide zu halten. Doch die Situation hatte sich nicht grundlegend verbessert.

Kein Geld, keine Zahlungen

Weber indes wollte nicht länger warten. Am 22. Juli beantragte er beim Amtsgericht in Aachen, Wiesmann müsse Insolvenz anmelden. Später sollte er erfahren, dass ein anderer, ähnlich frustrierter Zulieferer drei Tage zuvor beim Amtsgericht in Münster den gleichen Antrag gestellt hatte. Vier Wochen Frist blieben der Wiesmann-Truppe um Haferkamp und Hansmann jetzt noch, das Unternehmen zu retten. Zu zahlen, die Zahlungsfähigkeit nachzuweisen, neue Investoren oder Kreditgeber zu finden. Doch es blieb dabei: kein Geld, keine Zahlungen.

Am 14. August meldete schließlich meldete Wiesmann-Geschäftsführer Rolf Haferkamp beim Amtsgericht in Münster Insolvenz an - und kämpft heute höchstpersönlich mit den juristischen Folge der Geschichte: die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. Zusätzlich prüft die Behörde eine Anzeige wegen angeblichen Betrugs.

Haferkamp weist die Vorwürfe zurück. Beendet jedoch ist diese letzte Etappe der Wiesmann-Geschichte damit noch nicht. Nicht für Haferkamp. Und auch nicht für Weber und all die anderen Zulieferer, die auf ihr Geld warten.

Nur für einen Beteiligten hat die Geschichte einen vergleichsweise guten Ausgang genommen; und das ist ausgerechnet der größte: BMW Börsen-Chart zeigen . Die Münchener hatten in der letzten Phase nur gegen eine Bürgschaft geliefert. Fast eine Million Euro lagen als Deckung auf den Wiesmann-Konten fest. Das reichte am Ende.

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