Samstag, 30. Mai 2020

Luxusauto-Hersteller Wie Wiesmann in die Pleite fuhr

Sportwagen in Kleinserie: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
Wiesmann

2. Teil: Klassisches Anfüttern - aber Zulieferer Weber spielte mit

Wiesmann-Roaddster wie der MF3, der MF4 und der MF5 basierten zum Großteil auf BMW-Technik. Lenkung, Bordnetze, Motoren, alles kam aus München. Zumindest theoretisch. Praktisch indes, und da kam Racing Dynamics aus Aachen ins Spiel, baute BMW Börsen-Chart zeigen manches dieser Teile nicht mehr. Die für die Wiesmann-Fahrzeuge genutzte Motoren- und Getriebelagerung zum Beispiel kam aus dem BMW 850 CSI.

Dieses Auto, von den Bayern stets eher als Nischenfahrzeug gedacht, wird seit 1995 nicht mehr gebaut. Dementsprechend schwierig wurde es für Wiesmann mitunter, passende Teile zu bekommen. Gummidichtungen wurden spröde, Komponenten waren teilweise kaum noch zu finden und mussten mitunter aus Nordamerika oder sogar Fernost importiert werden.

Üppige Folgeaufträge in Aussicht gestellt

Wiesmann-Einkäufer Rosenbaum lockte den Aachener Tuning-Spezialisten mit üppigen Folgeaufträgen. Die neue Geschäftsführung, geführt von Rolf Haferkamp und seit einigen Monaten im Amt, wolle Wiesmann modernisieren. Zum Beispiel plane man höher motorisierte Modelle; Racing Dynamics könne dann vielleicht das Tuning der BMW-Aggregate auf bis zu 770 PS übernehmen. Aber zunächst müsse man mal die akuten Lieferprobleme in den Griff bekommen.

Es war das klassische Anfüttern, aber Weber spielte mit. Auch die Anfangsaufträge würden schließlich ordentlich bezahlt werden.

Also legte Weber los, aktivierte Kontakte in Indonesien, in Japan, teils sogar in Australien - und er lieferte. Die Dienstleistung war teuer für Wiesmann, teilweise beliefen sich allein die Transportkosten auf mehr als 1000 Euro.

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