Fahrdienstvermittler im Faktencheck Wie Uber, Gett & Co. die Mobilität revolutionieren wollen

300 Millionen Dollar für Gett, eine Milliarde für den chinesischen Uber-Konkurrenten Didi Chuxing, eine halbe Milliarde für Lyft und noch viel mehr für Uber - Fahrdienstvermittler werden derzeit mit Investments überschüttet - seit neuestem auch aus dem Automobilsektor. Doch wer sind diese Fahrdienste überhaupt? Wie funktionieren sie? Und sind sie den Hype überhaupt wert? Ein Überblick.

Uber - Platzhirsch und Investorenliebling: Das Vorzeige-Start-up der Fahrdienstvermittler ist nicht nur einer der ältesten und pominentesten Akteure auf dem Markt für Fahrdienstvermittlungen, sondern auch der am besten finanzierte. Mit einer Bewertung von zuletzt mehr als 62 Milliarden Dollar stellt das 2009 gegründete Start-up alle seinen Konkurrenten in den Schatten. Erst kürzlich stieg noch Saudi Arabien mit 3,5 Milliarden Dollar ein.

In den rund zehn Jahren seiner Existenz hat Uber ein ganzes Portfolio an Diensten auf- und teilweise auch wieder abgebaut. Ärger gab es schließlich genug. Heute reicht das Angebot von Hubschrauberfahrten über Einkaufsdienste bis hin zu Essenslieferungen. In China sind mit Uber Life und Uber Travel künftig auch eine Art digitales Magazin sowie eine Erweiterung der App auf Reiseangebote von Drittpartnern geplant.

Ihnen allen gemein: Das Uber-typische Surge-Preis-Modell - sprich die dynamische Preisgestaltung, die Fahrten bei starker Nachfrage deutlich teurer werden lässt.

Zur Autoindustrie hat Uber ein sehr pragmatisches Verhältnis. So arbeitet das unter anderem von Goldman Sachs, Benchmark, Baidu und Blackrock finanzierte Start-up bereits seit Jahren mit Toyota zusammen.

Die Hoffnung des Autobauers: Über die Kooperation zusätzliche Fahrzeuge an Uber-Fahrer zu verkaufen, die den Wagen mit ihren Verdiensten über die App finanzieren können. Aber vor allem von Uber lernen, ja auch Forschungsprojekte zum autonomen Fahren vorantreiben.

Um diese Kooperation zu festigen, stieg Toyota kürzlich auch mit einem nicht näher bezeichneten Betrag bei Uber ein.

Didi Chuxing - die chinesische Großmacht

Didi Chuxing: Der chinesische Uber-Rivale hat nun Apple auf seiner Seite

Didi Chuxing: Der chinesische Uber-Rivale hat nun Apple auf seiner Seite

Foto: © Kim Kyung Hoon / Reuters/ REUTERS

Die aus den beiden chinesischen Konkurrenten Didi-Dache und Kuaidi-Dache hervorgegangene Vermittlungsplatform Didi Chuxing (ehemals Didi Kuaidi) ist - was die Finanzierung angeht - die klare Nummer zwei auf dem Markt.

Insgesamt 9,6 Milliarden Dollar hat das Start-up in den vier Jahren seit seiner Gründung bislang eingesammelt. Davon stammt allein eine Milliarde Dollar von Apple. Aber auch Größen wie Aliababa, Tencent China Life, die Softbank und Temasek sind bei Didi Chuxing investiert, das eine deutlich größere Zahl von Transportoptionen anbietet als Uber.

Dazu gehört neben klassischen Fahrdiensten in 400 chinesischen Städten auch ein Mietwagenangebot, Ridesharing, Busdienste und Testfahrten. Laut Crunchbase hat es Didi mit dieser Strategie zur zweitgrößten Transaktionsplattform der Welt hinter Alibaba geschafft - dem Unternehmen, bei dem Chef Cheng Wei vor der Gründung des Fahrdienstes auch arbeitete. Und als Transaktionsplattform sieht sich Didi Chuxing auch - eher denn als einfachen Uber-Konkurrenten.

Nichtsdestotrotz liefert sich Didi Chuxing mit Uber in China eine regelrechte Verdrängungsschlacht. Im Kampf gegen die Amerikaner setzt Didi dabei auf eine internationale Allianz. Zu diesem Zweck sind die Chinesen unter anderem mit Uber-Konkurrenten wie Ola (Indien), Grab-Taxi (Singapur) und Lyft (San Francisco) eine internationale Allianz eingegangen. Damit können Kunden der Apps die Dienste der jeweiligen Partner im Ausland nutzen und in ihrer Heimatwährung bezahlen.

Lyft - der ewige Konkurrent

Lyft: Ubers größter US-Konkurrent profitiert von dessen Imageproblemen

Lyft: Ubers größter US-Konkurrent profitiert von dessen Imageproblemen

Foto: AP/dpa

Der 2012 gegründete Fahrdienstvermittler Lyft (ehemals auch Zimride) ist der größte Uber-Konkurrent in den USA. Mit Bruttoerlösen von zuletzt rund einer Milliarde Euro ist er allerdings nur ein Bruchteil so groß wie das übermächtige Uber.

Lyft-Vorstandschef Logan Green liefert sich seit Jahren mit Uber eine Schlacht um die Kunden und mit seinem Fahrdienst in rund 60 US-Städten aktiv. Finanziert wird der Fahrdienst-Anbieter von Investoren wie Andreessen Horowitz, Rakuten, Carl Icahn, General Motors, und Peter Thiels (founders fund).

Die Dienste, die Lyft teils nur in ausgewählten US-Städten anbietet, reichen von der klassischen Fahrdienstvermittlung wie bei Uber Pop über Lyft Line - eine Art Mitfahrangebot auf ähnlichen Strecken - bis zu Lyft Plus mit Platz für bis zu sechs Passagiere.

Im Gegensatz zu Uber, das Investoren wie zuletzt Saudi Arabien mit Milliarden überschütten, ist es um Lyft, was die Finanzierung angeht, ruhiger geworden. Angeblich hat der Fahrdienstvermittler eine Investmentbank engagiert, um den Einstieg weiterer Investoren aus der Autoindustrie auszuloten.

Grab - der asiatische Alleskönner

Grab - von Motorrädern über Taxis bis hin zur Paketzustellung - Grab organisiert alles

Grab - von Motorrädern über Taxis bis hin zur Paketzustellung - Grab organisiert alles

Foto: AFP

Was Uber in den USA ist, ist Grab Taxi in Südostasien - aber nicht nur das.

Grab Taxi ist in vielen Städten von Singapur, Indonesien, den Philippinen, Malaysia, Thailand und Vietnam aktiv. Das Start-up, das von Investoren wie Softbank, China Investment Corporation, Didi Chuxing, Temasek und Tiger Global finanziert wrid, bietet eine Vielzahl von Transportdiensten an. Diese reichen von Taxi- und Mitfahrdiensten über Paketlieferungen bis hin zu Motorrad-Taxis.

Seit seinem Marktstart 2012 hat Grab knapp 700 Millionen Dollar eingesammelt und beschäftigt rund 200.000 Fahrer.

Gett - Volkswagens Wette

Gett: bei dem amerikanisch-.israelischen Start-up ist seit kurzem Volkswagen als Investor an Bord

Gett: bei dem amerikanisch-.israelischen Start-up ist seit kurzem Volkswagen als Investor an Bord

Foto: DPA

Die in Deutschland erst mit dem Einstieg von VW ins Licht der Öffentlichkeit gelangte Ridesharing-App Gett ist eine der ältesten Apps auf dem Markt. Wie sein Gegenspieler Uber vermittelt das Unternehmen Fahrtdienstleistungen in Städten - und ist nach eigenen Angaben mittlerweile in 60 Städten präsent, beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar.

Anders als sein Konkurrent Uber arbeitet Gett aber nur mit klassischen, lizensierten Taxifahrern zusammen - und nicht mit freiberuflichen Nebenerwerbs-Fahrern wie Uber. Gett setzt zudem sehr stark auf Geschäftskunden, auf die mittlerweile rund ein Drittel aller Fahrten entfallen sollen. Anders als bei Uber sind die Preise bei Gett nicht dynamsich sondern fix. In einigen Metropolen bietet das Start-up sogar Fixpreise für bestimmte Strecken an.

Auch wenn Gett längst nicht so laut auftritt wie Uber. Ein Anfänger im Digitalbusiness ist Gründer Shahar Waiser keineswegs. Der Vorstandschef hat vor dem Taxidienst schon mehrere IT-Unternehmen gegründet und erfolgreich verkauft. Zu den Gett-Investoren der ersten Stunde zählt auch der US-Milliardär Leo Blavatnik.

Ola - der indische Platzhirsch

Ola: Der indische Fahrdienstvermittler macht Uber auf dem Subkontinent das leben schwer

Ola: Der indische Fahrdienstvermittler macht Uber auf dem Subkontinent das leben schwer

Foto: REUTERS

Ola (früher Ola cabs, Taxi For Sure) ist der Name des größten indischen Fahrdienstvermittlers, der sich aktuell einen erbitterten Kampf mit Uber liefert.

Der bereits 2010 unter anderem von Vorstandschef Bhavish Aggarwal gegründete App-Betreiber aus Bangalore vermittelt Fahrdienste, Mietwagen und Rickshaws in mehr als 75 indischen Städten.

In den sechs Jahren seiner Existenz hat Olabei mit einer Bewertung von rund fünf Milliarden Dollar knapp 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt. Zu den Investoren zählen neben dem chinesischen "Uber" Didi Chuxing die japanische Softbank, Sequoia und Tiger Global.

Ähnlich wie Uber beansprucht Ola für seine Dienste einen Teil (angeblich 10 bis 20 Prozent) des generierten Umsatzes seiner Fahrer. Und das Unternehmen zeigt sich - was seine Dienste angeht - sehr experimentierfreudig. So startete das Unternehmen erst kürzlich einen e-Rickshaw-Dienst und bietet seinen Kunden Reisedeals über seine Plattform an. Einen Essenslieferdienst sowie einen Einkaufsservice hat Ola mittlerweile aber wieder eingestellt.

Juno - Fahrerliebling im Stealth-Modus

Geriert sich als Fahrerliebling: Das US-Start-up Juno

Geriert sich als Fahrerliebling: Das US-Start-up Juno

Foto: Juno / Facebook

Ein weiterer Uber-Angreifer, der sich bislang allerdings noch im Stealth-Modus befindet, ist das Start-up Juno. Dahinter steht mit Gründer Talmon Marco ein erfahrener Tech-Unternehmer, der bereits erfolgreich Firmen gegründet und wieder verkauft hat.

Im Kampf mit Wettbewerber Uber versucht Juno mit Fahrerfreundlichkeit zu punkten, will sich beispielsweise seine Vermittlungsdienste statt mit bis zu 30 Prozent wie Uber nur mit 10 Prozent des Fahrpreises vergüten lassen.

Zudem sollen die Fahrer sollen auch direkt am Unternehmen beteiligt werden. 50 Prozent der Gründeraktien sollen für die Fahrer reserviert sein, kündigt das Unternehmen, das angeblich bereits Räume im World Trade Center One angemietet hat, auf seiner Internetseite an. Ein Anteil, der im Laufe der weiteren Finanzierung allerdings massiv verwässert werden dürfte.

Wann genau Juno zunächst in New York an den Start gehen wird, ist noch unklar. Ebenso die genaue Finanzierung: Angeblich soll es aktuelle Gespräche über eine 30-Millionen-Euro schwere Finanzierungsrunde geben.

Hailo - der zurückgeschlagene Veteran

Hailo Cab: Das britische Startup musste auf die harte Tour lernen

Hailo Cab: Das britische Startup musste auf die harte Tour lernen

Foto: A. Giagoudaki / Hailo

Ein weiterer Wettbewerber unter den Fahrdienstvermittlern ist die bereits 2011 gegründete App Hailo. Das von Investoren wie Union Square Ventures, Accel Partners, Wellington Partners, Atomico und Richard Branson unterstützte Start-up ist in mehr als 20 Städten der Welt aktiv und hat seit seiner Gründung mehr als 100 Millionen Dollar eingesammelt

Mit Wurzeln in London vermittelt das Unternehmen mittlerweile nur noch Taxis - immerhin rund 53.000 - in Städten wie London, Madrid, Barcelona, Osaka. Das Geschäft mit privaten Fahrern, wie Uber, Lyft oder Ola es betreiben, hat Hailo nach massiven Protesten wieder eingestellt. Zudem hat Hailo, das kurz nach seiner Gründung mit großen Hoffnungen in die USA expandiert war, sich vom US-Markt mangels Erfolg wieder zurückgezogen. Die Übermacht Ubers war zu groß.

Abgesehen von den Millionenkosten des amerikanischen Abenteuers ist wenig über die Finanzen des Fahrdienstvermittlers bekannt.

Mytaxi - Daimlers Lehrstück

MyTaxi: Von dem Hamburger Taxivermittler will Daimler über digitale Mobilitätsplanung lernen

MyTaxi: Von dem Hamburger Taxivermittler will Daimler über digitale Mobilitätsplanung lernen

Foto: Wolfram Kastl/ dpa

Ähnlich wie Hailo beschränkt sich auch die mittlerweile im Daimler-Besitz befindliche App Mytaxi auf die Vermitlung offizieller taxis. Bereits 2009 gegründet ist die App mittlerweile in über 40 Städten in Deutschland sowie in Wien, Graz, Salzburg, Barcelona, Madrid, Valencia, Sevilla, Mailand, Warschau und Krakau verfügbar. Rund 200 Leute arbeiten für das Unternehmen, dessen App mittlerweile nach eigenen Angaben mehr als 10 Millionen Downloads und 45.000 angeschlossenen Taxis vorweisen kann.