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Ranking: Die weltgrößten Autohersteller 2015

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Renault-Nissan kontrolliert Mitsubishi Ghosn attackiert den 10-Millionen-Club

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In der Autobranche wird Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne gerne als Pokerspieler und Dealmaker bezeichnet - also als einer, der bei seinen Geschäften oft hohe Risiken eingeht, dabei bisher aber kaum verloren hat.

Sein Rivale Carlos Ghosn ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Der 62-jährige Automanager, der die Autohersteller Renault  und Nissan in Personalunion führt, hat mit der De-Fakto-Übernahme von Mitsubishi eine Allianz geschmiedet, die auch in Detroit und Wolfsburg, den Hauptsitzen von General Motors und Volkswagen, für Aufsehen sorgen dürfte.

Der neue französisch-japanische Autoriese rückt ganz nahe an die großen Drei der Autowelt heran - und könnte ihnen in wichtigen Märkten das Leben schwer machen.

Bekommen hat Ghosn den vergleichsweise kleinen Massenhersteller Mitsubishi zum Discountpreis. Denn der japanische Hersteller gestand vor wenigen Wochen ein, jahrzehntelang Verbrauchswerte gefälscht zu haben. Die falschen Angaben hat Mitsubishi nach bisherigen Erkenntnissen nur in Japan gemacht. Doch auch das reichte, um Mitsubishis Aktienkurs auf die Hälfte einbrechen zu lassen.

Rund 1,9 Milliarden Euro zahlt Nissan nun für einen 34-Prozent-Anteil an dem japanischen Rivalen - vor wenigen Wochen wäre der Preis noch doppelt so hoch gewesen.

Dabei hat ausgerechnet Nissan die Mitsubishi-Manipulationen aufgedeckt.

Nicht nur Anteilskauf, sondern richtig enge Zusammenarbeit

Sollte Nissan-Chef Ghosn diese Demontage seines Partners mit Absicht betrieben haben, war es ein genialer Schachzug, um den Preis zu drücken. Vermutlich hat der französisch-libanesische Manager aber nur die Gunst der Stunde genutzt, um nahe an die Top-Liga der Autohersteller heranzurücken.

Bei seiner Pressekonferenz ließ Ghosn nur wenig Zweifel daran, dass er Mitsubishi eng in die Renault-Nissan-Allianz eingliedern will. Zum einen kontrolliert er nun indirekt die Mehrheit an Mitsubishi Motors. Zusammen mit der Mitsubishi-eigenen Bank kommt Ghosn nach eigenen Angaben auf einen Anteil von 52 Prozent - und hat damit de fakto die Mehrheit, mit der er auch Teile des Aufsichtsrats bestellen kann.

Zum anderen erklärte Ghosn nach Informationen von manager-magazin.de bei der Pressekonferenz auch, dass Nissan und Mitsubishi gemeinsame Plattformen nutzen sollen. "Warum brauche ich zwei 500 Millionen Dollar teure Pickup-Plattformen", wenn ich auch eine für eine halbe Milliarde haben könnte?", meinte Ghosn bei der Pressekonferenz.

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Ranking: Die weltgrößten Autohersteller 2015

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Schon jetzt gehört seine Auto-Allianz zu den richtig großen Nummern der Autowelt. Im vergangenen Jahr produzierten Renault und Nissan zusammen weltweit 8,53 Millionen Fahrzeuge, Mitsubishi kam auf 1,04 Millionen.

Gemeinsam kommen die drei Autohersteller also auf knapp 9,6 Millionen hergestellte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge - und sind damit nur noch knapp von einem exklusiven Zirkel entfernt: Jenen drei Autoriesen, die jährlich je rund 10 Millionen Autos produzieren.

Mitsubishi hat eine wechselvolle Geschichte bei Allianzen

Genau die will Ghosn mit seinem neuen Bündnis bedrängen. "Wir haben das Potenzial, in den Top Drei zu sein", erklärte er heute. Sein Neuerwerb Mitsubishi ist aber kein ganz einfacher Partner. Dem vergleichsweise kleinen Massenhersteller stehen demnächst hohe Strafen für jahrzehntelangen Betrug ins Haus, Fachleute rechnen mit bis zu einer Milliarde Euro an möglichen Geldbußen.

Zudem hat Mitsubishi bei Allianzen eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen: Daimler  löste seine Kooperation mit den Japanern im Jahr 2005 auf. Die Zusammenarbeit mit Peugeot Citroen bei Elektroautos, die in den baugleichen Modellen Mitsubishi iMiev, Peugeot iOn und Citroen C-Zero mündete, ist ebenfalls zu Ende.

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Technologisch ist Mitsubishi zwar bei Elektroautos durchaus solide unterwegs, die Plugin-Hybridversion des SUVs Outlander verkauft sich gut. Doch bei Assistenzsystemen, autonomem Fahren oder sparsamen Motoren haben die Japaner wenig anzubieten.

Dafür verfügt Mitsubishi jedoch über ein gutes Händlernetzwerk in Südost-Asien. In der Region gelten Länder wie Indonesien oder Thailand als nächste große Wachstumsmärkte, Renault-Nissan kann mit der Übernahme seine Position in diesen Ländern stärken.

Ghosns härteste Nuss: Das Imperiums-Management

Zuletzt lief es zwar bei der französisch-japanischen Auto-Allianz nicht reibungslos, weil die wichtigen Märkte Russland und Brasilien stark einbrachen. Doch mit der Mitsubishi-Übernahme schafft sich Ghosn nun ein starkes Standbein in einer Wachstumsregion. Zumal er im Konzern auch die richtigen Modelle für aufstrebende Länder im Programm hat: Renault ist mit seiner Marke Dacia im Billigsegment stark, preiswerte Autos sind gerade in Schwellenländern besonders gefragt.

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Damit das funktioniert, muss Ghosn jedoch seine neue Auto-Allianz bestens in den Griff bekommen. Der Abgasskandal bei Volkswagen, aber auch Riesen-Rückrufe bei General Motors und früher Toyota zeigen, wie schwer das ist.

Und ein Grundsatz-Problem von Renault-Nissan kann auch der neue Partner nicht lösen: Im margenstarken Segment der gehobenen Mittel- und Oberklasse hat Ghosn kaum etwas anzubieten. Die Nissan-eigene Nobelmarke Infiniti kann nur in den USA punkten, im Rest der Welt ist sie weit abgeschlagen hinter den deutschen Luxusauto-Herstellern.

Dennoch müssen sich General Motors , Volkswagen  und Toyota  nun auf einen in vielen Bereichen ebenbürtigen, neuen Rivalen einstellen. Richtig nobel kann Ghosn zwar nicht, doch im Mittelklasse- und im Billigsegment ist er ziemlich stark. Mit der Mitsubishi-Übernahme dürfte er ihnen in den künftigen Wachstumsmärkten und bei Elektroautos das Leben schwermachen.

Mitarbeit: Bertel Schmitt
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