Mittwoch, 1. April 2020

GM-Nobelmarke versucht sich erneut an Europa "Cadillac baut jene Autos, die BMW nicht mehr bauen kann"

2. Teil: "Deutsche Premiumauto-Marken werden Opfer ihres eigenen Erfolgs"

mm.de : Auch mit mehreren zehntausend verkauften Fahrzeugen werden Sie in Europa kaum große Gewinne erwirtschaften. Nimmt Cadillac in Europa Verluste in Kauf, nur um als globale Marke auftreten zu können?

Ellinghaus: Zu Gewinnen kann ich mich nicht äußern. Allerdings ist Cadillac hochprofitabel. Machen Sie sich keine Sorgen, die ich nicht teile.

mm.de : Wie wollen Sie gegen BMW, Audi und Mercedes anfahren? Bloß auf üppige amerikanische Ausmaße samt bequemem Innenraum zu setzen, wird nicht reichen.

Ellinghaus: Die deutschen Premiumhersteller bauen perfekte Autos. Doch sie werden sich immer ähnlicher, bei der Technik und beim Design. Längst nicht alle Luxusauto-Käufer wollen ein Fahrzeug haben, das schon die ganze Nachbarschaft fährt. In den USA profitieren Cadillac wie auch Jaguar oder Volvo genau davon. Die Ubiquität der deutschen Hersteller wird dazu führen, dass sie Opfer ihres eigenen Erfolgs werden. Die züchten sich Nischen, die künftig Marken wie Cadillac erfolgreich besetzen werden.

mm.de : Was macht Cadillac anders als die deutsche Konkurrenz?

Ellinghaus: Vor kurzem haben wir in Berlin unsere Luxuslimousine CT6 vorgestellt. Durch intelligenten Leichtbau ist das Gewicht des Autos so weit gesunken, dass der 5,18 Meter lange CT6 leichter ist als ein deutlich kleinerer 5er-BMW. In dem CT6 haben Sie den Komfort und den Platz eines Oberklasse-Autos, aber eine Agilität, die Sie so in dieser Klasse nirgendwo anders finden. Das schafft keiner unserer deutschen Hauptkonkurrenten mehr. Denn die großen drei deutschen Hersteller müssen Autos anbieten, die möglichst viele Kunden ansprechen. Wir können es uns schlichtweg leisten, Fahrzeuge auch mal scharf zu positionieren.

mm.de : BMW steht für Freude am Fahren, Mercedes für Sicherheit, Audi heftet sich Vorsprung durch Technik auf die Fahnen, Lexus bietet luxuriöse Hybride. Und Cadillac? Wofür soll die Marke künftig stehen?

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Ellinghaus: Wir möchten, dass Cadillac ein distinktiv amerikanisches Gefühl des Luxus bietet. Wir versuchen nicht, deutscher zu werden als die Deutschen. Wir wollen Designs, die viele als gewagt empfinden. Das ist einer unserer Markenwerte. Wir möchten aber auch als typisch amerikanisch-optimistische Marke auftreten. Unsere chinesischen Kunden wollen Autos, die einen zeitgemäßen "american way of life" verkörpern. Deshalb werde ich auch Elvis nicht wiederbeleben. Im Gegensatz zu Europa ist US-Luxus eher "casual", also leger. So wollen wir nicht 16 verschiedene Grauschattierungen bei der Lackierung anbieten, sondern auch bei der Farbe etwas wagen.

mm.de : Dennoch bleibt Cadillac in Europa ein Riesen-Problem: Das Image. Denn die Marke verbinden viele noch mit spritschluckenden, wankenden Straßenkreuzern.

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Ellinghaus: In Europa höre ich immer noch von der "Couch auf vier Rädern". Das entspricht ja auch der Historie. Bloß sehen Sie keine solchen Cadillacs mehr auf der Straße. In den USA haben wir die letzten Fahrzeuge, die dieser Charakteristik entsprachen, vor mehr als 20 Jahren gefertigt. Dass Cadillac heute die BMWs baut, die BMW nicht mehr bauen kann und will, ist für mich eine vielversprechende Positionierung.

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