Messen in Zeiten von Covid-19 Wie Genf den Autosalon vor dem Corona-Aus retten will

Lange Jahre für die große Show gut: Der Autosalon in Genf (hier eine Audi-Präsentation aus dem Jahr 2018)

Lange Jahre für die große Show gut: Der Autosalon in Genf (hier eine Audi-Präsentation aus dem Jahr 2018)

Foto: Audi

Es sind schwere Zeiten für Messeveranstalter - besonders in der Autobranche. Ob IAA oder Genfer Autosalon - die Begeisterung der Autobauer, ihre Produkte mit aufwendigen Veranstaltungen auf großen Branchenmessen zu präsentieren, lässt nach - ebenso wie häufig die Besucherzahlen.

Mit dem Coronavirus sehen sich die internationalen Messeveranstalter nun noch einer weiteren Herausforderung gegenüber, die bei einigen Veranstaltungen sogar zu deren Absage führte - wie zuletzt etwa beim Mobile World Congress in Barcelona. Auch die Messe in Frankfurt und die in Genf sagten zuletzt kleinere Events ab  und verschoben sie auf einen späteren Zeitpunkt im Sommer.

Am Genfer Autosalon, der vom 5. bis zum 15. März stattfinden soll, will der Veranstalter Palexpo nach aktuellem Stand aber festhalten. Allerdings sind dort in diesem Jahr eine ganze Reihe großer Autobauer ohnehin nicht mehr vertreten. Neben Cadillac, Ford, Jaguar, Lamborghini, Land Rover, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Citroen, Opel und Subaru seien auch Tata, Tesla und Volvo nicht in Genf vor Ort, schrieb am Dienstag der zur Uni St. Gallen gewechselte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

"Im Moment ist es definitiv, dass die Messe stattfindet", erklärte eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage des manager magazins. Absagen von Ausstellern aufgrund des Coronavirus habe man nicht erhalten. Das letzte Wort, betonte sie, hätten aber die Schweizer Gesundheitsbehörden, die nach eigenen Angaben die Situation regelmäßig prüfen.

"Wir beobachten die Situation und entscheiden dann dementsprechend", sagte am Dienstag ein Sprecher des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit dem manager magazin.

Chinesische Aussteller unter besonderer Beobachtung

Um Besucher und Aussteller in möglichst großer Sicherheit zu wiegen, hat der Veranstalter nach eigenen Angaben deshalb Aussteller aus China gebeten, "dafür zu sorgen, dass ihr Personal in den 14 Tagen vor ihrer Ankunft in der Schweiz die erforderlichen Kontrollen bestanden hat sowie keine Anzeichen einer Infektion aufweist". Dieser Bitte hätten alle Unternehmen folgen wollen, erklärte die Sprecherin. Allerdings geschehe dies auf freiwilliger Basis.

Ihren Angaben zufolge stammen lediglich vier der rund 150 Aussteller aus China, zwei aus Hongkong. Allerdings hatten Behörden die offiziellen Risikogebiete zuletzt von den chinesischen Gebieten in den Provinzen Hubei und Zhejiang auf Gebiete in vier Provinzen in Südkorea, Italien und Iran ausgeweitet. 

Ein Aussteller bekommt sein Auto nicht in die Schweiz

Für den Autohersteller Aiways hat der Covid-19-Ausbruch für seinen Messeauftritt schon jetzt praktische Folgen. Wegen des Virus-Ausbruchs wurde die Ausfuhr des neuen Modells, das Aiways eigentlich auf der Messe präsentieren wollte, gestoppt, wie die Sprecherin der Autosalon-Organisatoren erklärte. Nun soll die Pressekonferenz virtuell stattfinden und gestreamt werden, ähnlich wie es auch der italienische Modemacher Armani angesichts der italienischen Covid-19-Infektionen praktizierte.

Zudem setzen die Organisatoren des Autosalons auf einen "Sanitär-Aktionsplan", der einen verstärkten Einsatz von Desinfektionsmitteln und die Sensibilisierung von Personal und Mitarbeitern vorsieht.

Auf Letzteres setzt bislang auch die Reisemesse ITB, die vom 4. bis 8. März in Berlin geplant ist. Die Messe hat angesichts des Virus bereits Absagen kassiert. Sechs von 22 Ausstellern aus China hätten ihre Teilnahme bislang storniert, erklärte ein Sprecher. Bei insgesamt 10.000 Ausstellern machten diese jedoch nur einen kleinen Teil aus. Eine Absage der Messe sei bislang nicht geplant, hieß es. Man stehe aber in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden.

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