John Krafcik gibt CEO-Posten auf Googles Roboterauto-Tochter Waymo bekommt zwei neue Chefs

Waymo gilt als führend bei selbstfahrenden Autos. Das ist auch ein Verdienst von CEO John Krafcik, der hochkarätige Kooperationen schloss. Nun tritt Krafcik zur Seite - und bereitet sich wohl auf einen neuen Top-Job vor.
Doppelführung für den Roboterauto-Primus: Dmitri Dolgov und Tekedra Mawakana leiten künftig die Google-Selbstfahrtochter Waymo

Doppelführung für den Roboterauto-Primus: Dmitri Dolgov und Tekedra Mawakana leiten künftig die Google-Selbstfahrtochter Waymo

Die Roboterwagen-Firma Waymo bekommt eine Doppelspitze: Der langjährige Chef John Krafcik (59) kündigte am vergangenen Karfreitag seinen Rückzug bei der Google-Tochter an. "Ich habe mich dazu entschlossen, meine CEO-Rolle bei Waymo zu verlassen und zu neuen Abenteuern zu starten", schrieb Krafcik in einem Blogeintrag . Zunächst wolle er sich eine Auszeit gönnen, um alte Freundschaften zu erneuern, Zeit für die Familie zu haben und neue Teile der Welt zu entdecken, so Krafzik. Er werde weiterhin als Berater für Waymo zur Verfügung stehen. Genauere Gründe für seinen Abgang nannte Krafcik nicht.

Die Führung übernehmen nun Tekedra Mawakana, die zuletzt für Waymos operatives Geschäft zuständig war, und der bisherige Chefentwickler Dmitri Dolgov. Mawakana , die Politikwissenschaften studierte und in Rechtswissenschaften promovierte, war vor ihrem Wechsel zu Waymo im Jahr 2017 bereits bei Ebay und Yahoo für Politikbeziehungen der Firmen verantwortlich. Der in Russland aufgewachsene Dolgov , studierter Mathematiker und Physiker, begann seine Berufskarriere als Forscher am Toyota Research Institute. Bereits 2009 wechselte er zu Google und war einer der Mitbegründer von Googles Roboterauto-Projekt, aus dem Waymo hervorging.

Die Google-Roboterauto-Tochter Waymo ist heute eine Schwesterfirma des Internetriesen unter dem Dach der Holding Alphabet. Waymo wurde im vergangenen Jahr auch unabhängiger von Alphabet, nachdem mehrere Milliarden Dollar von externen Investoren aufgenommen worden waren.

Krafcik stieß 2015 bei Google dazu und leitete die Abspaltung in ein eigenständiges Unternehmen. Der 59-Jährige brachte Erfahrung aus der klassischen Autobranche mit: Er war unter anderem bei Ford und Hyundai aktiv. In seine Amtszeit fielen strategische Weichenstellungen wie die Entscheidung, den bei Google entwickelten Prototypen eines elektrischen Zweisitzers auszumustern und ganz auf das Angebot von Software zum autonomen Fahren an Autohersteller zu setzen.

Krafcik hat zwar bei Waymo den Durchbruch von Robotertaxi-Angeboten noch nicht ganz geschafft. Er hinterlässt aber dennoch einen starken Track Record: Er hat mit Waymo den ersten, noch testweise betriebenen kommerziellen Robo-Taxidienst der Welt in Phoenix eingeführt und zahlreiche Deals mit Autoherstellern eingetütet – unter anderem mit FCA/Stellantis, Renault/Nissan und Volvo/Geely. Dies gelang ihm, indem er Waymo ganz darauf ausgerichtet hat, das autonome Fahrsystem zu entwickeln .

Krafcik wird umworben - selbst als Apple-Car-CEO wird er gehandelt

Krafcik hatte im Interview mit manager magazin  gesagt: Nun gehe es darum zu skalieren. Dies wird die Aufgabe für die neue Führung sein, die schon bisher zu Waymos obersten Führungskreis gehörte. Allen voran Waymo CTO Dmitri Dolgov, der schon seit den Anfangstagen 2009 die Softwareentwicklung für Googles autonome Autos geleitet hat. Dazu kommt als Co-CEO Takedra Mawakana, bisher Chief Operating Officer bei Waymo. Mawakana ist die Diplomatin: Bevor sie COO bei Waymo wurde war sie als Chief External Officer und vorher als Global Head of Policy für Kontakt zu Behörden und Politik zuständig.

Krafcik selbst dürfte sich wohl bald neuen Aufgaben zuwenden, er gilt als einer der umworbensten CEOs in der ganzen Branche. Spekuliert wird in der Szene unter anderem über einen Wechsel zu Apple. Zunächst will er sich aber ein Jahr lang eine Auszeit gemeinsam mit seiner Frau gönnen, wie er in einem ausführlichen Linkedin-Beitrag berichtet .

Kürzlich ist Krafcik mit seiner Familie nach Austin, Texas umgezogen, wie er selbst schreibt. Südliche US-Bundesstaaten stehen aktuell bei US-Techriesen aus dem Silicon Valley hoch im Kurs. Das umstrittene Datensammel-Unternehmen Palantir residiert seit September in Denver in Colorado. Krafcik neuer Wohnort in Texas verzeichnete zuletzt Zulauf von prominenten Unternehmensnamen: SAP-Konkurrent Oracle will in der Stadt seinen neuen Firmensitz hochziehen. Und auch Tesla-Chef Elon Musk (49) zieht es nach Austin: Zum einen hat Musks zweites Unternehmen im Süden von Texas eine Raketenbasis. Zum anderen zieht Tesla in Austin eine neue Fabrik hoch, in der Teslas Elektro-Pick-up Cybertruck vom Band laufen soll.

Ob zwischen Musks Elektrotruck-Plänen und Krafciks Umzug nach Austin ein Zusammenhang besteht, lässt sich aktuell noch nicht sagen – denkbar wäre es aber.

wed, jr/dpa-afx
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