Montag, 20. Mai 2019

Toyotas Pläne mit der Brennstoffzelle Wasserstoffautos zum Preis eines Benziners

Toyota Mirai: Angetrieben mit Wasserstoff

3. Teil: Hat die Batterie die Zukunft schon hinter sich?

"Die Brennstoffzelle hat sehr hohe Skaleneffekte vor sich, die Batterie ist skalenmäßig schon ziemlich am Ende. 70 Prozent der Batteriekosten stecken in den Rohmaterialien, die werden nicht billiger, wenn der Bedarf steigt." Aber warum sehen wir dann immer noch fallende Preise bei Batterien? "Die Batteriekosten sinken nicht wegen Massenproduktion, sondern wegen der Überkapazitäten. Das sind Commodity-Produkte, bei denen für zehn Dollar pro Stück der Hersteller gewechselt wird. Die Technologie ändert sich schnell, und Batteriehersteller haben Mühe, die hohen Investitionen einzufahren. Die Schließung einer ausgedienten Batteriefabrik und das Ende der Plasma-Displays kosteten Panasonic 7 Milliarden Dollar. Anderen Firmen geht es ähnlich."

Batterie-Enthusiasten würden dem gewiss widersprechen. Wahr ist allerdings, dass vor lauter E-Auto-Getöse kaum mehr wahrgenommen wird, dass sich bei der Brennstoffzelle etwas tut. 53 große Firmen, darunter Audi, BMW und Daimler, haben sich zu einer Wasserstoff-Lobbygruppe zusammengefunden, dem Hydrogen-Council. Hirose ist in dem Gremium der Wortführer für Toyota. China, wo in in diesem Jahr wohl mehr Batteriefahrzeuge verkauft werden als im gesamten Rest der Welt, schickt sich an, auch die Wasserstoffnation Nr. 1 zu werden. Chinas Staatenlenker mästen die Brennstoffzellenforschung mit massiven Subventionen, vergangenes Jahr waren es rund 11 Milliarden Euro, künftig wird es wohl noch mehr werden. Auch Japan setzt voll auf eine "Wasserstoffgesellschaft" und will bis 2050 seine Energiewirtschaft und Mobilität weitgehend auf Wasserstoff umstellen.

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Wir zahlen den Kaffee, und auf dem Weg zum Bahnsteig (Toyotas Topmanager fahren Zug) bricht es ein weiteres Mal aus Hirose heraus: "Ich mag den Begriff Wasserstoffgesellschaft nicht. Warum immer alles auf eine Karte setzen? Wir brauchen ein ganzes Portfolio an Lösungen für eine nachhaltige Gesellschaft. Klar, Regierungen können subventionieren, aber auf Dauer müssen wir liefern, was die Kunden wollen. Es geht nicht um Batterie gegen Brennstoffzelle. Es geht um nachhaltige, abgasfreie Mobilität, und um die freie Wahl."

Ich nehme die U-Bahn nach Hause.

Bertel Schmitt machte 35 Jahre lang Werbung, vor allem für Volkswagen und schreibt als Meinungsmacher für manager-magazin.de. Wie bei den anderen Meinungsmachern auch, gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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