Sonntag, 8. Dezember 2019

Entwickeln und an Rivalen verkaufen Hyundai überrascht mit neuen Brennstoffzellen-Plänen

Hyundais Brennstoffzellenauto Nexo kommt mit einer Wasserstoff-Tankfüllung gut 600 Kilometer weit.

"Fool Cells", also "Idiotenzellen" - so harsch kanzelt Tesla-Chef Elon Musk gerne den Brennstoffzellenantrieb ab. In Deutschland ist es zuletzt ruhig geworden um den emissionsfreien Antrieb, der aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom für Elektromotoren gewinnt.

Anders in Korea: Dort setzt der koreanische Autokonzern Hyundai-Kia nach wie vor große Hoffnungen - und Milliardeninvestitionen - in den Wasserstoffantrieb. Ein Brennstoffzellen-Fahrzeug bauen die Koreaner aktuell in Serie, dass in zwei zentralen Punkten Toyotas Wasserstoffauto Mirai schlägt: Hyundais Nexo kommt mit einer Tankfüllung auf höhere Reichweiten als Toyotas Mirai und ist mit Preisen ab 69.000 Euro auch noch etwas günstiger.

Geld verdienen die Koreaner mit dem Nexo aber nicht - und deshalb wagt der nach Absatzzahlen weltweit fünftgrößte Autohersteller nun einen ungewöhnlichen Vorstoß: Hyundai will sein Brennstoffzellen-Antriebssystem auch an Konkurrenten verkaufen, wie die "Financial Times" ("FT") berichtet. Das soll für eine schnellere weltweite Akzeptanz der Brennstoffzellen-Technologie sorgen - und ist für die Koreaner ein höchst ungewöhnliches Vorgehen. Denn bislang war der Autohersteller stolz darauf, etwa seine Motoren zu großen Teilen selbst entwickelt zu haben.

Hyundai steckt viel Geld in seine Zukunftswette: Innerhalb der kommenden zehn Jahre investiert Hyundai 6,7 Milliarden in die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie - und zugleich Milliarden in rein batteriegetriebene Elektroautos. Nur auf die Verkäufe eigener Wasserstoff-Autos wolle man sich nicht verlassen, erklärte Hyundais Leiter der Brennstoffzellensparte gegenüber der "FT." Das möge vielleicht heute wettbewerbsfähig sein, aber man könne damit in Zukunft nicht wirklich wachsen. Hyundai wolle den weltweiten Markt dafür deshalb aktiv bearbeiten.

Mit seiner Taktik, die im Konzern entwickelte Technologie auch den Rivalen zur Verfügung zu stellen, ist Hyundai allerdings nicht alleine. Volkswagen will seinen mit Milliardenaufwand entwickelte Elektroauto-Plattform MEB an Mitbewerber lizensieren. Die Idee dahinter ist die gleiche: Nutzen mehrere Autobauer die gleiche Plattform, lassen sich höhere Stückzahlen erreichen, die Kosten sinken, und der Markt lässt sich leichter mit der eigenen Technologie dominieren.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung