Sonntag, 31. Mai 2020

Sparkurs und Einschnitte bei Modellen Was Markenchef Diess jetzt mit VW vorhat

Will die Marke Volkswagen umkrempeln: Markenchef Herbert Diess

Volkswagen verschärft wegen des Abgasskandals seinen Sparkurs und richtet die Modellpolitik neu aus. Zusätzlich zu den bis 2017 geplanten fünf Milliarden Euro will die Hauptmarke VW ihre Investitionen um eine Milliarde Euro im Jahr zurückfahren, wie die Wolfsburger am Dienstag mitteilten.

Gleichzeitig soll die Zahl der Modellvarianten reduziert werden. Vor allem im Stammwerk in Wolfsburg hatte es in den vergangenen Jahren immer mehr gehakt, weil zu viele verschiedene Modelle gleichzeitig vom Band laufen. Dies war vor allem bei Neuanläufen wie jüngst beim Geländewagen Tiguan und dem Familienauto Touran ein Problem. Die hohe Komplexität der Produktion hatte auch der Betriebsrat kritisiert.

"Die Marke Volkswagen stellt sich für die Zukunft neu auf", sagte Markenchef Herbert Diess. "Wir werden effizienter, richten die Produktpalette und Kerntechnologien neu aus und schaffen uns mit dem beschleunigten Effizienzprogramm den Spielraum für zukunftsweisende Technologien."

Diess' Vorgänger Martin Winterkorn hatte bereits ein Programm aufgelegt, um die Kosten der Marke VW zu senken. Wegen der Manipulation von Diesel-Abgaswerten müssen die Wolfsburger mit milliardenschweren Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen rechnen. Allein für millionenfache Rückrufe wurden 6,5 Milliarden Euro zur Seite gelegt.

Andere Marken sollen auch sparen - Künftig mehr Elektroautos

Als Konsequenz hatte der neue Konzernchef Matthias Müller bereits weitere Einsparungen angekündigt. Ähnlich den nun von VW präsentierten Plänen sollen in den nächsten Wochen weitere Programme von anderen Marken des Konzerns folgen. Bisher hatte der Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern seine Kosten in den kommenden Jahren um insgesamt zehn Milliarden Euro senken wollen.

Künftig will VW mehr Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt bringen. Das Baukastensystem des Konzerns wird nun auch für Elektroautos angewendet. Die geplante Neuauflage des Luxuswagens Phaeton wird um einige Jahre verschoben. Das Modell soll 2019/2020 als reines Elektroauto auf den Markt kommen und mit einer Batterieladung 500 Kilometer weit fahren. An ähnlichen Reichweiten arbeiten auch die VW-Töchter Audi und Porsche.

Bei den durch die Manipulation von Abgaswerten in Verruf geratenen Dieselantrieben planen die Wolfsburger einen Kurswechsel. Künftig sollen in den USA und Europa nur noch Fahrzeuge mit SCR-Technologie zum Einsatz kommen, deren Stickstoffausstoß durch den Einsatz von Harnstoff (AdBlue) reduziert wird.

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