Montag, 9. Dezember 2019

Neue Einstiegsmarke, aber kein Billigauto VW macht Jetta in China zur eigenen Automarke

Verkaufsschlager: Arbeiter bauen einen VW Jetta im FAW-Volkswagen-werk in Chengdu zusammen
AP/By Feng Zi/Color China Photo
Verkaufsschlager: Arbeiter bauen einen VW Jetta im FAW-Volkswagen-werk in Chengdu zusammen

In Deutschland war der VW Jetta jahrelang ein Ladenhüter, in anderen Teilen der Welt hingegen ist die Limousine nach wie vor ein Verkaufsschlager. Nun mutiert der Modellname in China zur eigenen Automarke, die mit günstigen Fahrzeugen junge Kunden ködern soll: Volkswagen will im September gemeinsam mit seinem chinesischen Partner FAW die Marke "Jetta" an den Start bringen, deren Fahrzeuge je nach Modell in einer Spanne von umgerechnet knapp unter 10.000 Euro bis 15.000 Euro zu haben sein werden.

Die Fahrzeugmodelle - eine Limousine und zwei Stadtgeländewagen - werden von dem Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen in Chengdu gebaut und haben zunächst herkömmliche Verbrennungsmotoren. Später könnten auch Elektroautos hinzukommen.

Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte bei der Präsentation der Marke am Dienstag in Wolfsburg, mit Jetta wolle man in das bislang von lokalen Herstellern wie Geely, Chery, BYD oder Changang beherrschte Segment günstiger Fahrzeuge vordringen, das etwa ein Drittel des chinesischen Marktes ausmache.

Keine Billigmarke, sondern gehobene Einstiegsmarke

Stackmann betonte, Jetta sei keine Billigmarke, sondern werde mit seinen Qualitätsansprüchen und der Marke VW im Hintergrund am oberen Ende des Einstiegssegments positioniert. Die neue Marke ziele auf Käufer außerhalb der großen Metropolen, wo der Anteil der Mittelschicht wächst.

Genaue Preise wollte Stackmann nicht verraten. Diese sollen erst auf der Automesse in Shanghai vorgestellt werden. Mehrfach betonte der Marken-Vertriebsvorstand aber, dass sie deutlich über den üblichen Einstiegspreisen in China von durchschnittlich 5 000 bis 6 000 Euro liegen sollen. Die Spanne dürfte von knapp 10.000 Euro für die Limousine bis hin zu 15.000 Euro für die SUV liegen.

Seine Pläne für ein Billigauto hat Volkswagen nach jahrelangen Überlegungen und mehreren vergeblichen Anläufen aufgegeben. "Wir sehen von weiteren Budget-Car-Überlegungen ab", sagte Stackmann.

"Jetta" hat für Chinesen eine besondere Bedeutung, meint VW

Der Jetta ist als Stufenheckversion des Bestsellers Golf bekannt und wird weltweit in verschiedenen Versionen verkauft. Für Chinesen hat der Name laut VW eine besondere Bedeutung, da mit dem Wagen vor fast 30 Jahren die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten begann. Er ist damit vergleichbar mit dem VW Käfer in Deutschland. "Jetta" ist die erste Marke von Volkswagen, die ihren Ursprung in einem Fahrzeugmodell hat.

Die potenziellen Jetta-Kunden sollen junge, selbstbewusste familienorientierte Menschen zwischen 25 und 35 Jahren sein. "Wir haben erkannt, dass wir diese große Kundengruppe bislang noch gar nicht erreicht haben", räumte Stackmann ein. "Jetta" soll dabei keine 13. Konzernmarke sein, sondern eine Untermarke von Volkswagen in China werden. VW setzt damit auf einen nach eigenen Angaben bereits erfolgreichen etablierten Namen in China.

Für die neue Marke will Volkswagen ein eigenes Händlernetz aufbauen, mit digitalen Showrooms, mobilen Verkaufs-Trucks und Verkaufsständen in großen Einkaufszentren. Bis zum Jahresende sollen rund 200 Händler die neue Marke anbieten.

In China hat VW im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Rückgang um zwei Prozent entspricht. Mit einem Anteil von fast 50 Prozent an den weltweiten Auslieferungen ist China der größte Einzelmarkt für die Marke VW. Konzernweit sind es knapp 40 Prozent.

Konzernchef Herbert Diess hatte kürzlich erklärt, dass China künftig eine noch viel wichtigere Rolle für den deutschen Autokonzern spielen soll. Als Antwort auf den sich schnell entwickelnden Markt für E-Autos in Fernost hatten die Wolfsburger bereits milliardenschwere Investitionen angekündigt.

In guten Zeiten gleichen die Wolfsburger in China Schwächen in anderen Regionen aus. Wenn China allerdings schwächelt, hat VW ein Problem - und zuletzt gab es ein paar Alarmsignale. Erst in der vergangenen Woche hatte der Volkswagen-Konzern über eine deutliche Flaute in China in der zweiten Jahreshälfte 2018 berichtet.

Die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen lieferten einen anteiligen operativen Gewinn von 4,6 Milliarden Euro statt wie vor einem Jahr 4,7 Milliarden Euro.

wed/rtr/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung