Streit in Brasilien schwelt weiter Warum Volkswagens Machtkampf mit Prevent noch lange nicht ausgestanden ist

Volkswagen-Werk in Sao Paulo: Der Streit mit Prevent schwelt weiter

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Die Zitterpartie in Wolfsburg währte nur ein paar Tage - dann war am Dienstagmorgen Aufatmen angesagt. Im Streit zwischen dem Volkswagen-Konzern und der Zulieferer-Gruppe Prevent hatten sich beide Parteien geeinigt. Stunden später machten erste Bilder von der wiederaufgenommenen Produktion die Runde.

Trotz der Einigung, deren Details allerdings im Dunkeln bleiben, ist der Machtkampf mit Prevent für Volkswagen noch lange nicht vom Tisch. In Brasilien schwelt der Konflikt weiter - und eine Einigung ist hier laut Volkswagen Brasilien aktuell noch nicht in Sicht.

Die Situation in Brasilien unterscheide sich "signifikant" von der in Deutschland, erklärte die brasilianische Niederlassung des Automobilkonzerns auf Anfrage von manager-magazin.de. Tatsächlich ist die Gemengelage hier eine andere - auch und womöglich besonders für Volkswagen.

Zum einen zieht sich der Streit in Brasilien schon deutlich länger hin. Begonnen hatte alles bereits im März 2015 mit ausbleibenden Lieferungen bei der Prevent-Tochter- Keiper, die Teile für VW-Sitze baut.

Als Prevent im Juli dann auch noch den angeschlagenen Stanz-Spezialisten Fameq kaufte, war es laut Volkswagen dann auch mit der mehr als 40 Jahre langen friedlichen Zusammenarbeit mit diesem Zulieferbetrieb vorbei. Laut Volkswagen Brasilien forderte Fameq plötzlich mehr Geld. Zugeständnisse, die VW nicht machen wollte.

130.000 Autos nicht produziert

Dabei hat sich Prevent in den vergangenen Jahren durchaus geschickt angestellt.

Seit 2015 kaufte die Gruppe alleine in Brasilien Presseberichten zufolge mehr als 12 Zulieferer auf. Eine Vorgehensweise, die Branchenbeobachter als klare Strategie bewerten: nämlich gleich in mehreren Bereichen eine Monopolstellung aufzubauen und so die Abhängigkeit der Autobauer vom Konglomerat zu stärken.

Auch die Dimensionen des Streits in Brasilien sind deutlich größer. Nach Angaben Volkswagens haben ausbleibende Lieferungen durch Unternehmen der Prevent-Gruppe - unter anderem des Zulieferes Keiper, der ähnlich wie Car Trim Sitzteile zuliefert, und des Metallverarbeiters Fameq - seit März 2015 zu insgesamt 140 Tagen Produktionsausfall in drei Brasilianischen Fabriken Volkswagens geführt.

Unter dem Strich konnten damit laut Volkswagen 130.000 Fahrzeuge der Modelle Gol, Saveiro, Voyage, Up!, Fox und Golf nicht produziert werden. Zum Vergleich: Im VW-Werk in Wolfsburg laufen pro Tag im Durchschnitt rund 2200 Fahrzeuge vom Band.

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Wegen des Streits hat Volkswagen nach eigenen Angaben sogar eigentlich für Oktober geplante Werksferien nun auf August vorverlegt - und sämtliche Verträge mit Prevent-Firmen Anfang August gekündigt. Und fordert nun gerichtlich von Prevent sämtliche Werkzeuge zurück, die von Volkswagen noch in den Niederlassungen der betroffenen Prevent-Firmen stehen.

Angaben dazu, wann hier eine Entscheidung antsteht, macht Volkswagen nicht. Auch von Prevent Brasilien gab es auf Anfrage von manager-magazin.de zunächst keine Stellungnahme.

Leidtragende dürften einmal mehr die Beschäftigten sein. So sind nach Angaben von Volkswagen durch den Streit 100.000 Jobs bei Zulieferern sowie dem Händlernetzwerk bedroht. Und auch bei den Prevent-Töchtern setzten die Manager bereits den Roststift an. Alleine bei Fameq mussten nach der Übernahme durch Prevent mindestens 30 Mitarbeiter gehen.

Warum der Produktionsausfall für VW vielleicht gar nicht so schlecht ist

Allerdings kommt der Produktionsausfall für VW auch zu einer Zeit, in der andere Autobauer die Produktion ebenfalls drosseln - und dafür teilweise auch noch eine Menge Geld zahlen müssen.

Angesichts der schwelenden Wirtschaftskrise ist alleine im Juli sei die Zahl der Neuzulassungen in Brasilien gegenüber dem Vorjahr um 20,3 Prozent eingebrochen, berichtet die Zeitung "Folha de S.Paulo" unter Berufung auf den brasilianischen Verband der Autohersteller.

Entsprechend versuchen die Autobauer reihenweise, die Produktion zu drosseln. Daimler, Ford sowie Volkswagen versuchten bereits, die Mitarbeiterzahl durch durch freiwillige Ausstiegsprogramme zu senken oder setzten auf Werksferien. Fiat schickte einen Teil seiner Beschäftigten in bezahlten Zwangsurlaub. Aber auch umfangreiche Kündigungen stehen nach Gewerkschaftsangaben bei einigen Autobauern zu befürchten.

Bei Volkswagen Brasilien haben die vorgezogenen Werksferien vor rund einer Woche begonnen. Ferien, die für viele sicher schon einmal ruhiger waren.

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