Donnerstag, 19. September 2019

US-Elektroauto-Hersteller Warum Tesla in Deutschland keine Chance hätte

Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe
Jürgen Pander
Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe

5. Teil: Deutsche Autoindustrie argumentiert in Brüssel mit der eigenen Inkompetenz

In Brüssel läuft es ähnlich, und zwar auf noch viel bedeutsamere Weise. Auf EU-Ebene streiten die Mitgliedsstaaten momentan darüber, wie stark Autokonzerne ihre Elektroautos auf die Gesamt-CO2-Emissionen ihrer Flotten anrechnen lassen dürfen. Für 2020 soll der Ausstoß im Schnitt 95 Gramm pro Kilometer betragen. Elektroautos zählen mit null Gramm und werden möglicherweise mehrfach gezählt.

Verhandlungsgegenstand sind aber nur die Flotten der etablierten Hersteller. Wer wie Tesla schon jetzt ausschließlich Autos ohne Emissionen herstellt, hat im geplanten System überhaupt keinen Vorteil. Damit entfällt ein weiterer wesentlicher Anreiz, eine solche Firma in Deutschland überhaupt zu gründen.

In Kalifornien dagegen profitiert Tesla davon, dass ein Hersteller Zertifikate für seine Elektroautos bekommt und diese an andere Hersteller verkaufen kann, die zu wenig Elektroautos bauen.

Keine deutsche Tesla-Fabrik in Sicht

"Es war nie im Gespräch, dass reine Elektroauto-Hersteller Zertifikate an die anderen verkaufen können", sagt Matthias Groote (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses im Europäischen Parlament, gegenüber manager magazin online. Es sei aber ein interessanter Gedanke.

Kein Wunder, dass er in Brüssel noch nicht diskutiert wurde: Die Firmen, die von einer solchen Regelung profitieren könnten, sitzen gar nicht am Verhandlungstisch - weil sie noch zu klein sind oder schlicht gar nicht erst gegründet worden sind.

Derweil flöten Vertreter der Autoindustrie weiter das Lied von der Unmöglichkeit, emissionsarme Luxusautos zu bauen. "Die Ingenieure mit ihrem technischen Know-how müssen Gehör finden bei Juristen und Bürokraten", bat VDA-Chef Matthias Wissmann zur IAA-Eröffnung.

Diese Ingenieure sollten allerdings besser nicht von Tesla kommen, sofern sie Wissmann dienen sollen. Denn diese würden den Beamten womöglich vortragen, dass sogar schwere SUVs völlig ohne Emissionen auskommen können - wie das für 2014 geplante Model X. Vom Band rollen werden diese Autos folgerichtig auch nicht in Deutschland, sondern in Kalifornien - in einer ehemaligen Fabrik von General Motors.

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