Mittwoch, 18. September 2019

US-Elektroauto-Hersteller Warum Tesla in Deutschland keine Chance hätte

Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe
Jürgen Pander
Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe

4. Teil: Keine Kaufprämie für E-Autos ohne grünes Licht von Winterkorn

Immer wieder protestierten die Detroit Three - General Motors Börsen-Chart zeigen, Ford Börsen-Chart zeigen und Chrysler sowie Importeure, darunter die deutschen Hersteller. Teils erreichten sie Änderungen, doch im Großen und Ganzen blieben die Politiker im größten Automarkt der USA standhaft - oft parteiübergreifend.

In diesem Umfeld avancierte zunächst der hybridbetriebe Prius von Toyota Börsen-Chart zeigen zum meistgekauften Auto in dem Bundesstaat. Der Hybridanteil macht inzwischen 7 Prozent am Automarkt aus (Deutschland: knapp 1 Prozent). Hinzu kommen knapp 2 Prozent Elektroautos mit Steckdose (Deutschland: 0,2 Prozent). "Die Reichen und Prominenten fahren Hybrid- und Elektroautos", sagt Turrentine. Das macht die Fahrzeuge begehrenswert, das hilft neuen Herstellern wie Tesla.

Zwar fördert auch die deutsche Regierung die Idee von Elektroautos. Der Ansatz ist jedoch ein völlig anderer. Sowohl in Brüssel als auch in Berlin ist die Politik total auf die existierenden Hersteller fixiert.

Traum vom Leitmarkt schon ausgeträumt?

So orientieren sich die so genannten Schaufenster der "Nationalen Plattform Elektromobilität" zielsicher an den Heimatregionen der Autokonzerne: Niedersachsen (Volkswagen Börsen-Chart zeigen), Bayern-Sachsen (Audi, BMW, Porsche Börsen-Chart zeigen) und Baden-Württemberg (Daimler, Porsche). Berlin-Brandenburg bildet als Hauptstadtregion die Ausnahme.

Für die Auswahl der Schaufenster zeichnet maßgeblich der Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) verantwortlich. Die Schaufenster sollen Deutschland zum Leitmarkt für Elektroautos machen - doch diesbezüglich scheint Kalifornien kaum noch einzuholen.

Zudem gibt es in Deutschland bis heute keine Kaufprämie für Elektroautos. Anders ist es in den USA oder Frankreich, wo mit Bolloré Bluecar ebenfalls ein neuer Hersteller von gewisser Bedeutung entstanden ist. Der inoffizielle Grund für die deutsche Tatenlosigkeit: Bis zu diesem Jahr hatten die heimischen Hersteller einfach keine Modelle im Angebot.

"Wenn VW-Chef Martin Winterkorn bei Angela Merkel anruft und die Prämie fordert, bekommt er sie auch", lautet ein geflügeltes Wort in der Branche. Es sagt viel darüber, wie sehr sich die Politik nach den Wünschen bereits existierender Unternehmen richtet. Dass mit einer anderen Politik neue, wachstumsstarke Firmen wie Tesla entstehen könnten, scheint in Berlin kaum einen Gedanken wert - was einem wirtschaftspolitischen Offenbarungseid gleichkommt.

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