Dienstag, 17. September 2019

US-Elektroauto-Hersteller Warum Tesla in Deutschland keine Chance hätte

Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe
Jürgen Pander
Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe

3. Teil: Marktführer erschüttern - ein kalifornisches Prinzip

Ein perfektes Umfeld für Elon Musk. "Menschen wie er machen Kalifornien zu dem, was es ist", sagte Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger im Frühjahr gegenüber manager magazin online. "Das ist Silicon Valley: Menschen denken sich etwas Neues aus und gehen das Risiko ein zu scheitern."

Auch Investoren denken eher an die Chancen als an die Risiken - besonders, wenn ein Firmengründer überzeugt. Als Wagniskapital-Geber Steve Jurvetson vor Jahren beschloss, das Start-up zu unterstützen, hatte das vor allem mit Elon Musk zu tun. "Ein amerikanischer Held" sei der Tesla-Gründer, sagte Jurvetson später einmal, "mehr als jeder Mensch, den ich zuvor getroffen habe".

Eine pathetische Begründung zwar, doch Jurvetson sucht eben ständig Leute, die Großes vollbringen: Seine Firma fördert junge Unternehmen, "die etablierte Marktführer erschüttern".

Tesla ist auf dem Weg, genau dies zu tun. In Kalifornien profitierte das Unternehmen aber auch davon, dass sich die Autoindustrie bereits in den 60er-Jahren zurückgezogen hatte - die Löhne waren in den Südstaaten niedriger. "Keine Trägheit, keine Opposition durch Hersteller von Autos mit Verbrennungsmotoren" - dies sei eine wesentliche Voraussetzung für Teslas Erfolg gewesen, sagt Autoexperte Turrentine.

Üppige Kredite aus Washington

Kalifornische Politiker konnten sich auf die Ansiedlung von Elektroauto-Firmen konzentrieren, ohne andere zu vergrätzen. Üppige Kredite gab es zudem vom Department of Energy aus Washington. Manche Start-ups wie Fisker oder Coda sind vorerst gescheitert, Tesla hat den Rückenwind von höchster Stelle genutzt.

"Als Gouverneur habe ich eng mit Elon Musk zusammengearbeitet und seinen Einsatz für das Elektroauto zu 100 Prozent unterstützt", sagte Schwarzenegger. Auch Schwarzeneggers Nachfolger Jerry Brown gilt als Verfechter des Elektroautos - bis 2025 sollen 1,5 Millionen emissionsfreie Wagen auf den Straßen des Staates fahren.

Zum Dorado für alternative Antriebe ist der Sonnenstaat auch durch zahlreiche Anreize geworden: Politiker gaben besondere Autobahnspuren für Hybrid- und Elektroautos frei, der Staat gewährt Zuschüsse für den Kauf solcher Fahrzeuge und schreibt Herstellern vor, ihren Anteil an emissionsfreien Autos stetig zu erhöhen.

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