Kuriose Angaben zu Toten und Verletzten Neue Fragen an VW in den USA - und die haben nichts mit Abgasen zu tun

Volkswagen-Händler in den USA: Stimmen die Angaben des Herstellers aus Wolfsburg zu Toten und Verletzten auf US-Straßen?

Volkswagen-Händler in den USA: Stimmen die Angaben des Herstellers aus Wolfsburg zu Toten und Verletzten auf US-Straßen?

Foto: Cj Gunther/ dpa

Seit knapp drei Wochen lastet der Abgasskandal auf Volkswagen. Doch jetzt taucht in den USA bereits ein weiteres Thema auf, zu dem sich der Konzern Fragen gefallen lassen muss. Und das hat mit Auspuffemissionen und Softwaretricks offensichtlich gar nichts zu tun.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat Volkswagen in den vergangenen zehn Jahren von allen großen Herstellern die niedrigsten Zahlen zu Toten und Verletzten unter den Fahrern seiner Autos in den USA gemeldet. Volkswagens Daten seien so gut, so die Agentur, dass sich Experten fragten, ob sie überhaupt stimmen können.

Dem Bericht zufolge hat eine Analyse, die Bloomberg bei einer Beratungsfirma eigens in Auftrag gegeben hat, ergeben, dass die Angaben der elf größten Autobauer zu den Toten und Verletzten unter ihren Kunden auf US-amerikanischen Straßen im Schnitt neunmal höher waren, als jene von Volkswagen .

Zahlen der Konkurrenz im Schnitt neunmal höher als bei Volkswagen

Wie Bloomberg weiter schreibt, haben mit Honda  und Fiat Chrysler  in diesem Jahr bereits zwei Volkswagen-Konkurrenten zugegeben, ihre Berichte zu Toten und Verletzten gegenüber der US-Regierung frisiert zu haben. Honda habe dafür sogar eine Strafe zahlen müssen.

Die Angaben des Autobauers aus Wolfsburg jedoch, so zeigt auch eine Grafik von Bloomberg eindrucksvoll , lägen sogar noch weit unter jenen, von denen Honda und Fiat Chrysler nun eingeräumt hätten, sie seien falsch und in Wahrheit höher.

Die Daten zeigten, dass Volkswagen signifikant niedrigere Angaben mache, als dies angesichts der Zahlen der Konkurrenz zu erwarten wäre, sagt Neil Steinkamp, Chef der Analysefirma Stout Risius, die die Untersuchung für Bloomberg durchgeführt hat.

Auch Clarence Ditlow, Chef des in Washington ansässigen Center for Auto Safety, zitiert Bloomberg mit der Einschätzung, die Zahlen von Volkswagen seien so gut, dass sich die Frage stelle, ob daran gedreht worden sei.

Hintergrund: Die Berichte zur Höhe der Todes- und Verletztenfälle fordert die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (National Highway Traffic Safety Administration) regelmäßig von den Autobauern an. Sie sind Teil eines Frühwarnsystems, mit dem Fahrzeugdefekte schnell erkannt und die Zahl der Todesfälle auf US-Straßen reduzieren werden sollen.

Eine Sprecherin von Volkswagen wollte sich dem Bericht zufolge zu dem Thema nicht äußern. Dem Hersteller aus Wolfsburg drohen Milliardenstrafen und Geschäftseinbußen, weil er bei Hunderttausenden Autos mit Dieselantrieb jahrelang die Abgaswerte manipuliert hat. Noch ist nicht absehbar, welche Folgen der Skandal langfristig für Europas größten Autobauer haben wird.

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