Daimler-Großaktionär Geely drängt auf Kooperation Li Shufu hat schlechte Karten für neue Daimler-Allianzen

Li Shufu, Gründer und Chef des chinesischen Autokonzern Geely

Li Shufu, Gründer und Chef des chinesischen Autokonzern Geely

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Neue Partnerschaften schmieden, digitale Plattformen aufbauen: Revolutionär sind die Wünsche nicht, die der neue Daimler-Großaktionär Li Shufu in Richtung der Stuttgarter äußert. Ungewöhnlich ist jedoch die Form, in der sich der Gründer und Chef des chinesischen Autoherstellers Geely an die Stuttgarter wendet - per Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dabei hätte Li auch Daimlers Hauptversammlung vor zehn Tagen für einen großen Auftritt nützen können. Schließlich hält Li seit Ende Februar 9,7 Prozent der Daimler-Stammaktien und ist damit größter Einzelaktionär. Dem Daimler-Aktionärstreffen in Berlin blieb Shufu jedoch fern. Stattdessen macht er nun schriftlich Druck.

Man müsse "aktiv die Möglichkeit umfangreicher Allianzen ausloten", statt sich der Realität zu entziehen, meint Li. Es müsse möglich sein, Skaleneffekte zu nutzen und dabei die Unabhängigkeit der Marken und des Managements zu wahren. Solange dies rechtlich einwandfrei sei, "kann und sollte jede bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit von beiderseitigem Nutzen diskutiert werden." Besonders interessiert, so hieß es zuvor in Berichten, soll Geely an einer Zusammenarbeit bei Elektroautos und dem autonomen Fahren sein.

Doch genau dabei könnte es für den Geely-Chef schwierig werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auf der Hauptversammlung zwar von sehr positiven ersten Gesprächen mit Li berichtet. Gleichzeitig erklärte Zetsche aber auch: "Wir sind in China offen für alles, was im Einklang mit den Interessen unseres langjährigen Partners BAIC steht".

BAIC dürfte nur wenig Interesse an Öffnung Richtung Geely haben

Die Beijing Automotive Industry Holding, wie BAIC mit vollem Namen heißt, ist auf mehreren Ebenen mit Daimler verbunden. Ihre Pkw-Tochter BAIC Motor betreibt mit Daimler gemeinsam ein Jointventure, das Mercedes-Modelle in China fertigt. Vor fünf Jahren hat Daimler 12 Prozent an BAIC Motor übernommen. Kurz nach Geelys Einstieg bei Daimler haben die Stuttgarter zudem erklärt, gemeinsam mit BAIC 1,9 Milliarden Euro in ein neues Werk zu investieren. Auch im Lkw-Bereich arbeiten Daimler und BAIC zusammen: In einem gemeinsamen Jointventure fertigen Foton und Daimler Lkws für den chinesischen Markt, die unter der Marke Auman verkauft werden.

Kürzlich hat Daimler zudem einen Anteil von 3,9 Prozent an der BAIC-Tochter Beijing Electric Vehicle erworben. Berichten zufolge hat sich Daimler mit BAIC auf eine weitreichende Zusammenarbeit bei der Elektroauto-Marke EQ geeinigt, mit der die Stuttgarter im kommenden Jahr starten wollen.

Starthilfe benötigt BAIC bei Elektromobilen in seinem Heimatland aber nicht unbedingt. Denn die rein elektrisch angetriebenen Kleinwagen von BAICs EC-Serie waren zuletzt Chinas meistverkauftes Elektroauto-Modell. Im chinesischen Elektroauto-Markt ist BAIC aktuell die Nummer zwei mit 18,8 Prozent Marktanteil. Allzu groß dürfte das Interesse von BAIC an einer Kooperation mit dem direkten - und bei Elektroautos deutlich kleineren - Konkurrenten Geely also nicht sein.

Zumal noch ein weiterer Unterschied hinzukommt: BAIC gehört der Stadtverwaltung Peking und ist somit ein staatlich gelenkter Autokonzern. Geely ist ein Privatunternehmen, das von Li Shufu aufgebaut wurde. Zwar dürfte der chinesische Staat bei Geelys Auslandsexpansion wohl zumindest wohlwollend begleitet haben. Doch Chinas Staatsunternehmen schauen oft eher verächtlich auf ihre privaten Konkurrenten - und umgekehrt.

Auch BYD hat wenig von einer E-Auto-Kooperation mit Geely

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Daimlers zweiter Partner in China ist der Konzern BYD, der sich auf Batterietechnik und entsprechende Fahrzeuge spezialisiert hat. Direkt beteiligt ist Daimler an BYD nicht. Seit 2012 betreiben die Stuttgarter mit BYD ein Jointventure, das Elektroautos der Marke Denza herstellt. Daimler stellt dafür eine ältere Plattform der B-Klasse zur Verfügung, die Denza stark modifiziert hat. Von BYD stammen der Akku und der Elektroantrieb.

Bislang waren die seit 2014 verkauften Denza-Fahrzeuge zwar eher Ladenhüter mit chinaweiten Verkaufszahlen von weniger als 3000 Stück pro Jahr. Doch Daimler hält dem Jointventure nach wie vor die Treue, vor kurzem bekam der Denza eine deutlich stärkere Batterie und ein Facelift verpasst.

Mit seinen sonstigen Elektro-Mobilen ist BYD allerdings durchaus erfolgreich unterwegs, kein Autohersteller in China verkauft mehr E-Autos. Zuletzt kam BYD auf einen Marktanteil von 20,4 Prozent bei reinen Batteriewagen in China.

Und auch bei Elektrobussen und -nutzfahrzeugen kann BYD, an dem der US-Starinvestor Warren Buffett beteiligt ist, punkten: In China fahren bereits zehntausende Elektro-Busse von BYD, in Marokko bauen die Chinesen ein erstes Nutzfahrzeug-Werk auf.

Kaum Unterstützung von Investorenseite zu erwarten

Zwar hat BYD zuletzt in China kräftig Marktanteile bei Elektroautos verloren, weil die Konkurrenz stärker wurde. Und ein genauerer Blick in die Finanzen verrät, dass ein Großteil von BYDs Umsätzen im Automobilbereich noch immer von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor stammt. Doch auch BYD dürfte sich gerade bei E-Autos keine großen Sprünge von einer Kooperation mit Geely erwarten.

Als Unterstützer für Lis Kooperations-Aufruf fällt also auch Geely aus. Verbünden könnte sich Li auch noch mit weiteren größeren Daimler-Anteilseignern. Das sind durchwegs institutionelle Investoren, und deshalb sind Lis Chancen für tatkräftige Unterstützung seiner Allianz-Hoffnungen eher klein.

Zweitgrößter Daimler-Aktionär ist der kuweitische Staatsfonds, dem 6,8 Prozent an Daimler gehören. Die Kuweitis sind seit über 40 Jahren an dem Stuttgarter Autohersteller beteiligt - und fielen bislang vor allem durch Zurückhaltung auf. Drittgrößter Anteilseigner ist der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock, der 5,5 Prozent der Daimler-Aktien besitzt. Zuletzt ermahnte Blackrock-Chef Larry Fink zwar in einem Brandbrief, längerfristig zu denken und zu zeigen, welchen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten.

Doch ob der Vermögensverwalter-Riese darunter auch eine stärkere Zusammenarbeit mit einem chinesischen Autohersteller versteht und Geely deshalb unterstützt, bleibt eher fraglich.

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