Corporate Carsharing Nun kommt der Dienstwagen to go

DriveNow-Flotte: Jeder sechste Kunde nutzt das Angebot bereits beruflich

DriveNow-Flotte: Jeder sechste Kunde nutzt das Angebot bereits beruflich

Foto: DriveNow

Ein Dienstwagen ist für viele das Sahnehäubchen auf dem Gehaltspaket. Schließlich signalisiert ein A6 oder eine Mercedes E-Klasse vor der Tür sowohl Geschäftspartnern als auch Nachbarn, dass man es geschafft hat. Doch derartige Statussysmbole kosten. Schon jetzt ist der Fuhrpark in manchen Firmen der zweitgrößte Kostenblock nach dem Personal. Entsprechend intensiv suchen viele Unternehmen nach Möglichkeiten, die Kosten dafür zu senken.

Viele Unternehmen bevorzugen inzwischen nicht nur kleinere, benzinsparende Wagen - sie haben mittlerweile auch Corporate Carsharing entdeckt. Ein Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, wie Gerd Heinemann vom Kölner Berater BBE Automotive betont. Der aber gleichzeitig enormes Wachstumspotenzial aufweist.

Das Ende des klassischen Dienstwagens als Gehaltsbestandteil ist damit nicht eingeläutet. "Autos sind immer noch Statussymbole - und das werden sie auf absehbare Zeit auch bleiben", sagt Heinemann, der die Akzeptanz und das Potenzial verschiedener Carsharing-Modelle zusammen mit dem TÜV Rheinland in einer Studie unter die Lupe genommen hat.

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Allein die Zahl der Firmenanbieter, die aktuell auf den Markt drängen, zeigt, welches Potenzial hier noch zu heben ist. Nach Schätzungen des Marktforschers Frost & Sullivan dürfte die Zahl der Corporate- Carsharing-Wagen in den nächsten Monaten enorm zunehmen.

Marktforscher rechnen mit Corporate-Carsharing-Boom

Standen dem Marktforscher zufolge 2013 noch lediglich rund 2000 Carsharing-Wagen für Firmenkunden zur Verfügung dürfte deren Zahl nach Schätzungen von Frost und Sullivan bis 2020 auf zwischen 75.000 bis 100.000 steigen.

Angeboten werden sie von einer Vielzahl von Playern, unter anderem den Automobilkonzernen selbst, aber auch von Autovermietern.

Europcar beispielsweise will wohl in wenigen Wochen den erst 2015 übernommenen Corporate-Carsharing-Anbieter Ubeeqo/Bettercar in Deutschland und Großbritannien an den Start bringen.

Europcar will mit Carsharing-Modell angreifen

Ubeeqo, der nach eigenen Angaben europäische Marktführer im Corporate Carsharing, betreibt in Frankreich einen Fuhrparkt von mehr als 500 Fahrzeugen mit vielen Elektroautos, die auf zuletzt rund 40 Großkunden wie Airbus  , L'Oreal und Danone verteilt waren. Will ein Mitarbeiter eines der Fahrzeuge nutzen, kann er dies per App anmelden und dann einfach das gewünschte Gefährt vom Parkplatz nehmen. Die Abrechnung erfolgt - je nach Nutzung - über das Unternehmen oder privat.

Neben expliziten Corporate Carsharing-Anbietern wie Ubeeqo haben aber auch Autobauer den Carsharingmarkt für Firmenkunden für sich entdeckt und wollen ihn nicht kampflos der Konkurrenz überlassen.

So experimentiert Volkswagen  bereits jetzt in China mit einem Corporate Carsharing Modell namens VRent, bei dem sich benachbarte Unternehmen einen komplett gewarteten Fuhrpark teilen.

BMW/Sixt mit ihrem Joint-Venture- Ableger DriveNow kooperieren ebenso mit Firmenkunden wie auch Car2Go (Daimler /Europcar). In vielen Fällen haben sie mit den Unternehmen spezielle Konditionen für die Nutzung ausgehandelt. Die Abrechnung können die Mitarbeiter zum Beispiel direkt über die Firmenkreditkarte abrechnen lassen.

Jeder sechste DriveNow-Kunde hat einen Firmenaccount

"Mittlerweile nutzt schon etwa jeder sechste DriveNow Kunde in Deutschland die Möglichkeit, vor der Fahrt zwischen einem privaten und geschäftlichen Profil auszuwählen", heißt es bei DriveNow. Bei 365.000 Kunden in Deutschland zum Jahresende 2014 sind das immerhin mehr als 60.000 Kunden.

Aber auch Anbieter wie Uber, Lyft, Blablacar, ZipCar oder die Dynamic-Ridesharing-Plattformen Flinc oder TwoGo (Nokia  /SAP ) werben um Pendler, die sich dort für die Fahrt zum und vom Arbeitsplatz weg einen Mitfahrer organisieren können. Auch dort gibt es Kooperationen mit Unternehmen, die neben dem Imagegewinn als umweltfreundliches Unternehmen auch ihr Parkplatzangebot schonen können.

Nur jeder Dritte würde auf das eigene Auto verzichten

Beim Programm "Uber Perks" oder "Lyft for work" in den USA können Arbeitgeber ihren Angestellten für bestimmte geschäftliche Fahrten Vergünstigungen anbieten oder die Kosten sogar komplett übernehmen.

Dass den Autobauer, die bislang einen Großteil ihres Umsatzes mit Firmenkunden machen, ihr Geschäft mit den Dienstwagen wegbricht, ist indes nicht zu befürchten.

Denn auch wenn das Wachstum beträchtlich sein dürfte, bleibt die Zahl derjenigen, die sich ein Auto teilen wollen, beschränkt. Nur 34 Prozent aller Arbeitnehmer, ergab kürzlich eine Studie von BBE, könnten sich überhaupt vorstellen, mit einem Leihwagen zur Arbeit zu fahren. 66 Prozent hingegen wollen auf den eigenen Wagen nicht verzichten.

In der Vernetzung liegt die Zukunft

Womöglich, glaubt Martyn Briggs von Frost & Sullivan, der für den Marktforscher den Corporate-Carsharing-Markt unter die Lupe genommen hat, könnte die Nachfrage nach Fahrzeugen mit den neuen Carsharing-Angeboten sogar steigen. Schließlich könnten Unternehmen auch Mitarbeitern, die sonst eigentlich keinen Anspruch auf einen eigenen Dienstwagen hätten, so Zugang zur Firmenflotte gewähren.

"Damit würden sie nicht nur die Arbeitsmoral der Beschäftigten stärken und deren Verweildauer im Unternehmen verlängern", meint Briggs. Da es sich bei den Carsharing-Modellen in der Regel um sehr neue und hochwertige Fahrzeuge handele, sei auch den Anbietern geholfen.

Auf lange Sicht wird angesichts der weit verbreiteten Parkprobleme in größeren Städten das Auto aber nur eines aus einem Mix verschiedener Verkehrsmittel sein, glaubt Heinemann. Um wirklich den Beschäftgten dem höchsten Nutzwert zu bieten, führe an Mobilitätsplattformen und einer Vernetzung der verschiedenen Anbieter nichts vorbei. Bis es soweit ist, kann es allerdings noch ein paar Jahre dauern.

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