Kampf um die Vormacht im Auto-Cockpit Samsung greift Apple an - und Daimler und BMW gleich mit

Der Elektro-Riese Samsung will sich den US-Autozulieferer und Connected-Car-Spezialisten Harman für rund 8 Milliarden Dollar einverleiben. Dies ist nicht nur ein Angriff auf Apple - auch Daimler und BMW sollten gewarnt sein.
Künftig auch ein Samsung-Geschäft: Pupillen-basiertes Fahrerüberwachungssystem von Harmann

Künftig auch ein Samsung-Geschäft: Pupillen-basiertes Fahrerüberwachungssystem von Harmann

Foto: Harman

Auf den ersten Blick ist es nur ein Übernahmedeal unter vielen, weit weg von Deutschland: Der koreanische Elektronikkonzern Samsung  kauft den US-amerikanischen Autozulieferer Harman International Industries. Die Tatsache, dass es mit einem Preis von acht Milliarden Dollar der größte ausländische Zukauf von Samsung aller Zeiten ist, zeigt jedoch, welch große Hoffnungen die Koreaner mit dem Unternehmen verbinden. Mit der Harman-Technologie sind Schätzungen zufolge rund 30 Millionen Autos weltweit unterwegs. Und tatsächlich könnte der Deal - so er durchgeht - auch in Deutschland beträchtliche Auswirkungen haben.

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Dass sich der größte Elektronikonzern der Welt für den Autozulieferer Harman aus Connecticut interessieren könnte, hätte sich vor neun Jahren kaum jemand träumen lassen. Damals wollten eigentlich KKR und Goldman Sachs Harmann übernehmen  - für ebenfalls acht Milliarden Dollar. In einem für die Branche typischen weitgehend fremdfinanzierten sogenannten " Leveraged-Buyout Deal". Sie ließen das Unternehmen dann aber - angeblich wegen falscher Angaben zur finanziellen Situation - plötzlich fallen.Ein Rückzug, der den Aktienkurs massiv abstürzen ließ. 

Nun will Samsung Harman für einen ähnlichen Preis wie damals übernehmen. Die Koreaner wollen 112 Dollar in bar pro Aktie zahlen für den Konzern, der bei einem Umsatz von rund 7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr rund 700 Millionen Nettogewinn machte. Und der in den vergangenen Jahren einen umfassenden Wandel vollzogen hat.

Vom Audiosystem-Anbieter zum Connected Car Spezialisten

Einst vor allem als Hersteller von Audio-Systemen bekannt, hat sich Harman in den vergangenen Jahren zum Experten für Connected Car-Systeme entwickelt. Das Unternehmen bietet unter anderem Anti-Auto-IT-Hack-Systeme, Stress-Detektion, Augen und Pupillenüberwachungstechnologie, Fußgängererkennungstechnologien und andere Fahrassistenzsystem an. Mit der Übernahme der Auto-Division von Bang & Olufsen im vergangenen Jahr  sicherte sich der Konzern zudem eine begehrte Marke im Premium-Segment.

Rund zwei Drittel des Umsatzes kommen mittlerweile von Autokonzernen - ein Kundenstamm, zu dem neben General Motors und Chrysler auch Daimler  , BMW und Audi  zählen. Und die Orderbücher sind angeblich voll. Aufträge für 24 Milliarden Dollar sollen sich laut Presseberichten in den Büchern befinden. Für den vom Note-7-Skandal gebeutelten Samsung-Konzern ist der Einstieg ins Connected Car Business eine große Chance - allerdings eine mit jeder Menge Wettbewerbern.

Der Kampf ums Cockpit - Samsung wittert Milliarden-Business

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Denn neben klassischen Autokonzernen wie Daimler, BMW oder Audi - mit Mercedes me, BMW Connect oder myAudi - versuchen längst auch Tech-Riesen wie Google  und Apple  mit Systemen wie Carplay oder Android Auto die Vormacht im Cockpit zu übernehmen. Ein Geschäft, von dem sich die Techkonzerne beträchtliche Einnahmen erhoffen und das Samsung  bis 2025 auf einen Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar taxiert.

Schließlich dürften sich insbesondere durch die Entwicklung selbstfahrender Autos künftig eine Vielzahl neuer Nutzungsmöglichkeiten entwickeln, die über klassische Features wie Sicherheit, Navigation und Wartung weit hinausgehen. Und in der auch Samsung mit seinem erst kürzlich angekündigten virtuellen Assistenten und einem umfangreichen Unterhaltungsangebot zu punkten hofft.

"Das Auto wird Teil des Smartphone-Ökosystems"

"Das Auto wird Teil des Smartphone-Ökosystems, nicht umgekehrt", fasste es kürzlich der Strategieberater Berylls in seinem "Car Connectivity Compass 2016"  zusammen. Und auch Experten der Autobranche gehen mittlerweile davon aus, dass sich mit der Konnektivität in Autos womöglich künftig deutlich mehr Geld verdienen lassen wird als mit dem reinen Bau von Autos selber.

Und genau da will Samsung mitspielen - auch wenn Harman laut der offiziellen Mitteilung auch künftig unabhängig von den Koreanern seine Geschäfte betreiben will. Und Samsung auch die Synergien für sein Audio-Geschäft betont.

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Es ist nicht der erste Schritt von Samsung ins Autogeschäft. Die Koreaner stellen bereits Batterien für Elektroautos her, eine Tochter fertigt Sensoren und Auto-Kameras. Und vor einigen Monaten kaufte Samsung für rund eine halbe Milliarde Dollar auch noch einen rund zwei prozentigen Anteil am chinesischen Autobauer BYD.  

Ein Vorstoß ins Mobilitätsgeschäft, den die Übernahme von Harman nun abrunden soll.

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