Donnerstag, 5. Dezember 2019

VW-Betriebsrat als Sieger bei 23.000-Stellen-Abbauplan VWs "Zukunftspakt" reicht nicht

VW-Markenchef Herbert Diess: "VW muss schnell wieder Geld verdienen"

2. Teil: Betriebsrat setzt Beschäftigungsgarantie bis 2025 durch

Zum einen hat Osterloh bei der Unternehmensführung eine Beschäftigungssicherung bis 2025 durchgesetzt. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit in Deutschland für die nächsten neun Jahre ausgeschlossen. Mit dem Zukunftspakt sei damit ein "unkontrollierter Stellenabbau vom Tisch", erklärte der Chef des VW-Gesamtbetriebsrats.

Zum anderen wird Volkswagen gleichzeitig 9000 neue Stellen schaffen, etwa in der Software-Entwicklung. Und möglichst viele dieser Stellen sollen intern besetzt werden. Dazu investiert der Konzern laut eigenen Angaben auch zusätzlich 100 Millionen Euro in diverse Schulungsmaßnahmen.

Festgeschrieben im Zukunftspakt ist auch, dass die deutschen Standorte eine wichtige Rolle bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Elektromobilität spielen sollen. Das Stammwerk in Wolfsburg soll zur Digitalisierungs-Zentrale werden: Ein Großteil der Softwareentwicklungs-Jobs entsteht im Stammwerk.

Und auch bei Elektroautos übernehmen die deutschen Werke - zumindest vorerst - die Führungsrolle: In Zwickau soll ein erstes der geplanten 30 Elektromodelle gefertigt werden, in Wolfsburg das zweite. Zudem will Volkswagen künftig nicht mehr nur Batteriepacks in Deutschland zusammensetzen, sondern sich auch in der Fertigung der Zellen versuchen: In Braunschweig, so erklärte Osterloh, will der Konzern eine Pilotanlage für die Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen errichten. Das Ziel sei eine künftige Serienfertigung. Doch dafür brauche man auch die Unterstützung der Politik. Denn eine rentable Zellproduktion hänge auch von den Energiekosten ab.

"Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt"

Sicherheit für die Belegschaft, deutliche Kostensenkungen und damit mehr Rentabilität für die Marke - das waren die zentralen Botschaften der VW-Manager. Konzernchef Müller drückte es so aus: "Das Ergebnis garantiert, dass die Marke und die Beschäftigten eine gute Perspektive haben." Die eigentliche Arbeit, erklärte Müller, beginne jetzt, das sei allen bewusst.

Und tatsächlich scheinen beim großen Tanker Volkswagen jetzt Dinge möglich, die bis vor kurzem noch schwer vorstellbar waren. So dürften Mitarbeiter zumindest zeitweise zwischen den Werken Salzgitter, Braunschweig und Wolfsburg wechseln. "Die liegen so nahe beieinander, dass dies zumutbar ist", meinte Personalchef Blessing. Zudem sollen Mitarbeiter nicht nur zwischen Standorten, sondern auch zwischen den Konzernmarken hin- und hergeschoben werden können.

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Für manche altgediente VWler dürften das neue, ungewohnt flexible Zeiten sein. Ob all diese wochenlang verhandelten Maßnahmen für eine nachhaltige Neuausrichtung reichen, muss sich noch weisen. Deutschland ist von dem Stellenabbau zwar am härtesten betroffen. Doch auch nach Abzug der 30.000 Stellen bleibt Volkswagen weiterhin der Autohersteller mit der mit Abstand höchsten Mitarbeiterzahl.

Die Konkurrenten Toyota und General Motors produzieren ähnlich viele Fahrzeuge wie der Autoriese Volkswagen. Doch für ihre je 10 Millionen jährlich hergestellten Fahrzeuge brauchen sie nur halb so viele Mitarbeiter. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass beide Konzerne eine deutlich geringere Fertigungstiefe als VW haben. Sie lagern also die Produktion von wichtigen Komponenten viel stärker an Lieferanten aus. Das reduziert die Mitarbeiterzahl beträchtlich.

VW will in den kommenden Jahren auch seine Komponentenwerke in die Eigenständigkeit führen. Damit dürfte die Beschäftigungszahl im Konzern um bis zu einem Neuntel sinken. Doch eine Schließung von Standorten oder gar eine Veränderung bei den Tarifstrukturen - solche einschneidenden Veränderungen sind bei dem nun vorgestellten Zukunftspakt erst gar nicht vorgesehen.

Genau solche Maßnahmen halfen aber etwa den US-Autoherstellern Ford und auch General Motors, ihre Profitabilität deutlich zu steigern. Und letztlich zählt für Investoren - und die Topmanager - eben jene Rendite, die sich aus der Bilanz ergibt. Und das legt nahe, dass der "Zukunftspakt" nur ein Baustein unter mehreren sein kann, um bei der Ebit-Marge zur Konkurrenz aufzuschließen.

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