Dienstag, 25. Juni 2019

Nach Grundsatz-Einigung mit US-Behörden VW stellt wegen Abgasskandals bis zu 17 Milliarden Euro zurück

Volkswagen: Eine grundsätzliche Einigung liegt vor, die Eckpunkte dazu wurden noch nicht bekanntgegeben. US-Richter Breyer gab den Beteiligten nun bis zum 21. Juni Zeit für eine detaillierte Einigung

VW und die US-Behörden haben einen Kompromiss zur Lösung der Abgas-Krise in den USA ausgehandelt. Der zuständige US-Richter Charles Breyer gibt VW nun bis Ende Juni Zeit für eine detaillierte Einigung. Fest steht schon jetzt: Für VW wird es teuer.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen stellt wegen des Abgasskandals in seiner Bilanz für das abgelaufene Jahr offenbar eine Summe zwischen 16 und 17 Milliarden Euro zurück. Zusätzlich zu den im dritten Quartal bereits zur Seite gelegten 6,7 Milliarden Euro würden weitere zehn Milliarden Euro nötig, um die Lasten der Abgasmanipulationen zu schultern, sagte eine Person mit Kenntnis der Zahlen. VW äußerte sich nicht dazu.

Der Aufsichtsrat will an diesem Freitag über die vorläufigen Kennzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres beraten. Dabei wird er voraussichtlich auch bekanntgeben, wie hoch die Belastungen durch "Dieselgate" im vergangenen Jahr ausfallen und ob der Konzern deshalb einen Verlust für 2015 ausweist.

Einigung mit US-Behörden: Rückkauf sowie Entschädigung

Volkswagen hatte sich am Donnerstag mit den US-Behörden auf Grundzüge eines Entschädigungsplans geeinigt. Dieser sieht den Rückkauf von bis einer halben Million manipulierter Dieselautos sowie eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

Alternativ soll Kunden eine Reparatur samt Entschädigung angeboten werden, sofern die US-Aufseher dafür grünes Licht geben.

Zusätzlich zu der Entschädigung werden die Autobesitzer nach Angaben des Richters die Option haben, ihren Wagen entweder umrüsten oder von Volkswagen zurückkaufen zu lassen . Wer seinen Wagen nur geleast hat, kann den Leasing-Vertrag vorzeitig kündigen. Außerdem soll der VW-Konzern einen Fonds für den Umweltschutz einrichten.

Die Grundsatzvereinbarung betrifft laut Breyer die 480.000 Dieselfahrzeuge mit 2,0-Liter-Motoren. Insgesamt sind fast 600.000 Dieselwagen in den USA von der Manipulation der Abgaswerte betroffen.

Richter Breyer sagte, mit der Einigung werde das Problem für die "Mehrheit" der betroffenen Fahrzeuge gelöst. Auch wenn die Details noch nicht feststehen, zeichnet sich bereits ab, dass die Vereinbarung den Autobauer Milliardensummen kosten wird.

Volkswagen hatte monatelang mit dem US-Justizministerium, der Bundesumweltbehörde EPA und der kalifornischen Umweltbehörde Carb über den Vergleich verhandelt. Mit der außergerichtlichen Lösung will der Konzern die Kosten der Schadensbehebung in den USA beherrschbar machen. Eine Verurteilung in einem Gerichtsverfahren könnte den Konzern noch viel teurer zu stehen kommen.

Der Richter hatte dem Konzern ein Ultimatum bis diesen Donnerstag gestellt, sich mit den Behörden einig zu werden. Bei dem Bundesgericht in San Francisco sind hunderte Zivilklagen gegen den Konzern gebündelt, darunter auch Sammelklagen von Autobesitzern.

Volkswagen hatte im September nach Ermittlungen in den USA eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die verbotene Software in den Wagen bewirkt, dass bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen wird als im Normalbetrieb. Sie wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut.

Auch in Deutschland und anderen Ländern wird der Konzern deshalb mit Klagen überzogen. Vor dem Landgericht Braunschweig wurde Volkswagen im November von fast 300 Aktionären auf mehr als drei Milliarden Euro verklagt. Eine Entschädigung für deutsche und europäische Kunden hat der Konzern bisher nicht in Aussicht gestellt.

5000 Dollar Entschädigung pro Fahrzeug?

Bereits vor der Anhörung gab es Berichte über eine mögliche Einigung. So hatte die "Welt" unter Berufung auf Verhandlungskreise gemeldet, jeder US-Halter eines VW-Modells, das mit der "defeat device" genannten Betrugs-Software ausgestattet sei, solle 5000 US-Dollar (gut 4400 Euro) an Entschädigung erhalten. Daneben kursierten aber auch andere Summen. Von VW gab es zunächst keine Stellungnahme.

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