Montag, 22. April 2019

VW verspricht kostenlose Nachbesserung VW will elf Millionen Diesel-Fahrer anschreiben

"Gewaltige Kosten" - Volkswagen will so schnell wie möglich für die weltweit 11 Millionen manipulierten Dieselmotoren eine technische Lösung anbieten - und alle Fahrzeughalter persönlich anschreiben

Ob VW, Audi oder Skoda - Millionen Besitzer von Diesel-Fahrzeugen sind nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen verunsichert. Der Konzern sagt die kostenfreie Beseitigung der Softwarefehler zu. Volkswagen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen vorgestellt werden sollen, sagte ein VW-Sprecher am Wochenende in Wolfsburg.

Der Druck auf Volkswagen ist hoch: Zuvor hatten sich weltweit Forderungen nach einem schnellen Rückruf der Autos gehäuft. Das Kraftfahrtbundesamt stellte VW ein Ultimatum bis 7. Oktober. Bis dahin soll der Autobauer einen "verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan" vorlegen, ob und bis wann die betroffenen Fahrzeuge auch ohne Software die verbindliche Abgas-Verordnung einhalten können.

Die betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit seien identifiziert. "Ich denke, dass die Händler ab nächster Woche aussagefähig sind", sagte der VW-Sprecher mit Blick auf verunsicherte Kunden. Die Autohalter könnten mit den betroffenen Fahrzeugen zunächst einmal fahren. Sie würden alle angeschrieben.

Das Vorgehen bei der Beseitigung der Softwarefehler werde für die einzelnen Märkte mit den jeweiligen Behörden abgestimmt. "Das kann eine Rückrufaktion sein, aber auch eine Serviceaktion." Die Kosten für die Nachbesserung werde Volkswagen übernehmen. Wie hoch diese für den Autobauer sein werden, stehe noch nicht fest. "Es sind gewaltige Kosten, aber es ist völlig selbstverständlich, dass die Kunden nicht auf den Kosten sitzengelassen werden."

VW will "gewaltige Kosten" selbst tragen

Zuvor hatte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol in der "Bild"-Zeitung (Samstag) gefordert: "VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben."

Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge verschiedener Marken des Konzerns betroffen, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Bei der Kernmarke VW sind es laut Angaben aus Wolfsburg insgesamt fünf Millionen. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Modelle aus mehreren Baujahren, etwa den Golf der sechsten Generation, den Passat der siebten Generation und die erste Generation des Tiguan. Verbaut ist ein Motor mit der Typbezeichnung EA 189 in 1,6- und 2-Liter-Varianten, der etwa auch bei Audi und Skoda zum Einsatz kam.

"Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung"

"Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden", hatte VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag angekündigt. Alle VW-Neuwagen, die über die Euro-6-Norm verfügten, seien nicht von den Manipulationen betroffen . Dazu gehörten unter anderem die aktuellen Modelle des Golf, Passat und Touran.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte einen Kurswechsel bei den Abgasmessungen zu. "Wir arbeiten derzeit in Brüssel an neuen, ehrlichen Messverfahren. Wir dürfen uns nicht nur auf Tests im Labor verlassen", sagte sie dem "Handelsblatt" (Montag). Es müsse "im realen Fahrbetrieb gemessen werden, was aus dem Auspuff rauskommt".

Die Umweltministerin räumte ein, es sei allgemein bekannt gewesen, dass die im Labor ermittelten Werte nicht mit dem übereinstimmten, was im realen Fahrbetrieb stattfinde. Das sei der Grund, warum die EU ein neues Messverfahren beschlossen habe. Das habe aber nichts mit dem zu tun, was VW getan habe.

rei/dpa

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