Untreueprozess Hohe Bewährungsstrafen und Geldauflagen für Ex-VW-Manager gefordert

Laut Staatsanwaltschaft haben VW-Führungskräfte zu hohe Bezüge für Betriebsräte des Konzerns bewilligt. Im Untreueprozess fordern die Ankläger Bewährungsstrafen von bis zu zwei Jahren und teils millionenschwere Geldauflagen. Die Verteidigung fordert Freisprüche.
Angeklagt: Der ehemalige VW-Konzernpersonalvorstand Karlheinz Blessing muss sich wie andere Ex-VW-Manager vor Gericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten

Angeklagt: Der ehemalige VW-Konzernpersonalvorstand Karlheinz Blessing muss sich wie andere Ex-VW-Manager vor Gericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten

Foto: Moritz Frankenberg / dpa

Im Untreueprozess gegen drei frühere und einen amtierenden Personalmanager von Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen und Geldauflagen gefordert. In Bezug auf die Bezahlung und Boni führender Betriebsräte hätten die Angeklagten pflichtwidrig und vorsätzlich gehandelt, sagte Staatsanwältin Sonja Walther am Montag im Landgericht Braunschweig. Sie warf den Personalverantwortlichen beim größten europäischen Autohersteller Untreue, teils auch im besonders schweren Fall vor. (Az.: 16 KLs 85/19)

Die Führungskräfte - darunter die Ex-Konzernpersonalchefs Horst Neumann (72) und Karlheinz Blessing (64) - haben nach Überzeugung der Ankläger hohen Mitgliedern der Mitarbeitervertretung zwischen 2011 und 2016 unangemessen üppige Bezüge freigegeben. Dem größten europäischen Autobauer soll daraus ein Schaden von mehr als fünf Millionen Euro entstanden sein.

In dem Verfahren geht es um die Bezüge von Ex-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh (65) und vier weiteren mächtigen Betriebsräten aus der VW-Welt. Für die Staatsanwaltschaft hatten die Führungskräfte die Kriterien zur Gehaltsbestimmung "bewusst so gewählt, dass scheinbar ein erhöhtes Gehalt gerechtfertigt war, obwohl dies nicht korrekt war".

Bewährungsstrafe bis zu zwei Jahre und hohe Geldauflagen gefordert

Zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Bewährungsstrafe forderte die Staatsanwaltschaft dafür. Zudem sollen die Angeklagten Geldauflagen zwischen 30.000 Euro und 1,5 Millionen Euro an gemeinnützige Vereine zahlen.

Die Verteidigung sieht das anders. Die Vorwürfe seien unbegründet, sagte der Verteidiger von Ex-Konzernpersonalvorstand Karlheinz Blessing. Es sei klar gewesen, dass Osterloh und andere höhere Betriebsräte - Managementpositionen vergleichbar - viel Erfahrung sowie eine "beachtliche und strategische Qualifikation" erworben hätten. Daher seien die genehmigten Gehälter auch in Ordnung. In guten Jahren verdiente Osterloh bis zu 750.000 Euro. Auch sein Vorgänger im wichtigen VW-Amt, Horst Neumann, wies den Untreuevorwurf erneut zurück. Ein Urteil könnte am Dienstag fallen.

rei/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.