Fotostrecke

Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Volkswagen-Jahresbilanz "Wir unterhalten uns nicht mit Apple und Google"

13 Uhr: Werte Leser(innen), auch die Kollegen aus Hamburg beenden nun die Live-Berichterstattung. Aus Wolfsburg haben wir in den vergangenen Stunden so manches zu erwartende Statement gehört. Manche Ankündigung und Nachricht der Vorstände hat uns auch überrascht: etwa Volkswagens Elektroauto-Feuerwerk, das der Konzern bis 2020 abfeuern will. Oder dass Volkswagen künftig viele Entscheidungen an die einzelnen Baureihen delegieren will - und das nicht nur bei der Kernmarke VW.

Haben wir heute Anzeichen für eine Wende, für eine neue Kultur bei VW gesehen? Wie geht's weiter mit dem Krisenkonzern? Lesen Sie heute Nachmittag bei manager magazin dazu den analysierenden Kommentar des Kollegen Wilfried Eckl-Dorna. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!!

12.45 Uhr: Werte Leser(innen). Das war es vorerst aus Wolfsburg - denn jetzt begeben sich Journalisten und Vorstände tatsächlich in die Mittagspause. Und eines ist sicher: Irgendwo wird es sicherlich die berühmte Wolfsburger Currywurst geben. Im Gegensatz zu Daimler-Hauptversammlungen sollten sie in Wolfsburg wohl nicht ausgehen.

Fotostrecke

Volkswagen-Bilanz 2015: Das haben die VW-Vorstände im Krisenjahr verdient

Foto: Getty Images

12:40 Uhr: Nun kommen die letzten Fragen - und dabei stellt Finanzchef Witter noch eine Sache klar: Ein Verkauf von Marken "steht derzeit nicht auf der Agenda". Immerhin lässt er aber auch erkennen, dass VW solche Szenarien durchspielt.

12.38 Uhr: Beim Stichwort Partnerschaften und Elektroauto fallen so manchem Beobachter sofort die Namen Apple und Google ein. Hier stellt Müller klar: "Wir unterhalten uns nicht mit Apple und Google." Schon länger kursierten Gerüchte, Apple suche unter deutschen Autobauern einen Kooperationspartner für sein angeblich geplantes iCar. BMW und Mercedes hätten dem iPhone-Konzern aber jetzt einen Korb gegeben, hieß es zuletzt.

12:35 Uhr: Auf Nachfrage von manager-magazin.de lässt VW-Chef Müller ein interessantes Detail zu VWs geplantem Blitzstart bei Elektroautos vom Stapel. Volkswagen erwägt wohl, eigene Batteriefabriken für Elektroautos aufzubauen. Der Konzern sei unter anderem mit dem Fraunhofer-Institut in intensiven Gesprächen darüber, wie man die notwendigen Batterie-Kapazitäten realisieren könnte. Viel mehr will Müller nicht verraten. Nur eines macht er klar: In die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen werde VW nicht einsteigen. Der Konzern wolle erst den Start der nächsten Batteriegeneration abwarten und dann beim nächsten Technologiesprung ernsthaft über Fabriken nachdenken - mit Partnern, weicht Müller etwas aus.

Müllers Spitze gegen Aufsichtsrat und Betriebsrat

12.20 Uhr: Diess bestätigt nochmal, dass der Konzern in Europa mit dem Rückruf des Golf in den nächsten Wochen starten will. Für den "Passat", wo es mit der Umrüstung offenbar Probleme gab, zeigt sich der Markenchef auch optimistisch. VW bekomme die Umrüstung hin. Volkswagen werde keinen Rückkauf von Passat-Modellen in Europa anbieten.

12:15 Uhr: Jetzt lässt VW-Markenchef Diess mit einer Aussage aufhorchen: Die USA böten für Volkswagen noch viel Potenzial, sagt er - mittelfristig zumindest. Für den bereits in Entwicklung befindlichen Midsize-SUV von VW sieht er gute Marktchancen, zudem gebe es in den USA weiterhin ein loyales Händlernetz - trotz des Diesel-Skandals. "Es wird sicherlich nicht einfach, aber wir glauben, dass wir die ersten richtigen Schritte in Richtung US-Markterfolg unternommen haben", sagt er.

VW-Markenchef Diess sieht trotz des Abgas-Skandals, der in den USA quasi seinen Anfang nahm, noch gute Chancen für Volkswagen auf diesem wichtigen Automarkt

VW-Markenchef Diess sieht trotz des Abgas-Skandals, der in den USA quasi seinen Anfang nahm, noch gute Chancen für Volkswagen auf diesem wichtigen Automarkt

Foto: STEVE MARCUS/ REUTERS

12:10 Uhr: Jetzt fragen die chinesischen Kollegen - in ihrer Landessprache. Leider gibt es Übersetzungen nur für die VW-Vorstände, womit die Fragen für die meisten unverständlich bleiben. Es geht aber wohl wenig überraschend um den chinesischen Markt, wie den Antworten von China-Vorstand Jochem Heizmann zu entnehmen ist.

12:05 Uhr: Bei der Riege der VW-Vorstände ist optisch etwas Erleichterung spürbar. Viele blicken nun aufmerksamer in den Saal, statt auf ihre Unterlagen zu starren. Nun kommen auch Journalisten aus den USA und England zu Wort. Einer will wissen, was Müller mit Obama besprochen habe. Da muss Müller zum ersten Mal in dieser PK lächeln. Er habe gerade drei Minuten mit Obama gesprochen, für Details zu Schadenersatzzahlungen sei da keine Zeit gewesen, antwortet er. Aber er habe sich bei Obama persönlich "für den Vorfall als solches entschuldigt".

12 Uhr: Ein Journalist will wissen, wie es um das Rating von VW an den Kapitalmärkten stehe. Finanzvorstand Witter bemüht einen Vergleich: Ratings seien wie Schulnoten, sagt er. Seit dem Abgasskandal sei VWs Rating bei der Agentur Moody's um eine Schulnote gesunken, bei Standard & Poor's um zwei. Damit erhöhten sich die Kapitalkosten leicht. Allerdings konnte VW wegen der Risiken der Dieselkrise in den vergangenen Monaten ohnedies nicht auf den Kapitalmarkt. Doch nun, mit dem testierten Jahresabschluss, sei da ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit gemacht. Im Klartext: VW tut sich nun wieder leichter mit der Finanzierung.

11.50 Uhr: Nun eine harte Frage an Diess: Ob er denn den Betriebsrat bei BMW besser fand als bei VW? Diess antwortet diplomatisch: In seinen 30 Jahren bei BMW habe er mit vielen Betriebsräten Lösungen in den Werken gefunden. Und er sei sicher, dass ihm dies auch bei VW gelingen werde.

11:45 Uhr: Das Thema Gehälter und halbherziger Boni-Verzicht der Vorstände liegt Müller wohl sehr auf dem Magen. Deswegen greift es der Vorstandchef noch einmal auf. Er verstehe die Diskussion um die Boni, sagt Müller. Doch er verstehe nicht, dass diese Diskussion in die Öffentlichkeit getragen wurde. Das kann man durchaus als Spitze gegen einige Aufsichtsräte und wohl auch gegen den Betriebsrat verstehen - die als Quelle dafür gelten.

11.40 Uhr: Zeit für Zahlen-Checks: Ein Kollege eines Fachmagazins will wissen, was nun aus den 800.000 Fahrzeugen wurde, bei denen VW selbst falsche CO2-Werte vermutete. Müller antwortet darauf, dass sich dieser Verdacht nicht bestätigt habe, es waren dann nur mehrere Zehntausend Fahrzeuge. Aus dem jüngsten Bericht des KBA zu den Emissionen verschiedener Hersteller habe man einige Lehren gezogen, meint Müller noch.

11:35 Uhr: VW-Markenchef Herbert Diess antwortet auf die Frage, wie er beim Ummodeln der Kernmarke vorankomme. Er wirkt dabei sehr sicher, sehr souverän und gar nicht angespannt. Er fühle sich bei Volkswagen sehr wohl, die Neuausrichtung der Marke komme gut voran. Das muss er natürlich sagen.

Erinnern wir uns: Bei seinem Amtsantritt war Diess nach einem Rundgang durch Wolfsburger Werkshallen ein "Um Gottes willen!" rausgerutscht, wie manager magazin im April 2015 berichtet hatte. Mit der Art und Weise, wie er heute nun die Fortschritte bei VW formuliert, mit einem angedeuteten Lächeln auf dem Lippen und lebhafter Gestik, will er wohl gekonnt Zuversicht verbreiten.

11:33 Uhr: Jetzt kommen die harten Fragen zum Abgasskandal. Was wird das insgesamt kosten, will ein Journalist wissen. VW warte noch auf mehrere rechtliche Entscheidungen in den USA, lässt Müller durchblicken. Die Kosten könne er deshalb noch nicht genauer beziffern.

20 neue Elektroauto-Modelle und Plugin-Hybride bis 2020

11.31 Uhr: Die Fragerunde beginnt. Glaubt VW nach dem Abgasskandal noch an die Zukunft des Diesel, fragt ein Journalist. VW investiert weiterhin in Dieseltechnologie und in die Einhaltung der Euro 6-Normen, sagt Müller.

11:30 Uhr: Als dritte Säule nennt Müller die E-Mobilität. Da war VW bisher nicht gerade Vorreiter, obwohl die Wolfsburger viele Milliarden Euro in alternative Antriebe investiert haben. Nun setzt Müller seine Entwickler unter Strom: 20 neue Elektroauto-Modelle und Plugin-Hybride will der Konzern bis 2020 auf den Markt bringen, dafür entwickelt VW einen eigenen Baukasten. Und auch beim autonomen Fahren will VW vorne mitmischen - offenbar erstmal bei PKW. Denn Müller nennt als Beispiel digital gekoppelte Lkw-Verbünde.

Fotostrecke

Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

11:25 Uhr: Müller will seinen Konzern für den digitalen Wandel neu aufstellen - eine oft gehörte Phrase, die Müller allerdings auch mit Inhalt füllt: Drei Zukunftsforschungszentren in Potsdam, Peking und im Silicon Valley gründet der Konzern nun, der Autoriese öffnet sich auch für neue Partner - so gibt es etwa eine strategische Partnerschaft mit einem US-Softwareunternehmen und einer kalifornischen Universität. Neu für Volkswagen ist ein weiterer Geschäftszweig: Spät aber doch will nun auch Volkswagen mit Mobilitätsdienstleistungen Geld verdienen. Welche das sein werden, sagt Müller noch nicht.

11:20 Uhr: Den großen strategischen Wurf bis 2025, seinen Masterplan, will Müller im Sommer vorstellen. Doch ein paar Eckpfeiler lässt er schon jetzt in seiner Rede durchklingen. Einen "konstruktiven Umgang mit Fehlern" wolle der Konzernchef künftig sehen, ein "solides Wertesystem". Und dafür soll es auch einen externen Nachhaltigkeitsbeirat geben - der laut Müller "weder Feigenblatt noch Symbolveranstaltung" werden soll. Ob dem wirklich so ist, werden die kommenden Monate zeigen.

11:15 Uhr: Müller stärkt jetzt seinem Markenchef Herbert Diess den Rücken. Diess und sein Team erneuerten gerade grundlegend die Kernmarke. "Daran arbeiten alle, die für Volkswagen Verantwortung tragen", sagt Müller "mit großem Engagement - und im engen Schulterschluss". Letzerer drängte sich in den vergangenen Wochen nicht gerade auf - da griff Betriebsratschef Bernd Osterloh Diess offen und direkt an.

11.10 Uhr: Müller will weg vom Zentralismus früherer Jahre, soviel macht er klar. Schon Winterkorn wollte etwas Verantwortung abgeben. Müller kündigt nun etwas an, was bei VW einer kleinen Revolution gleichkommt: Er will viele Entscheidungen an die Baureihen delegieren, die sollen dann die Gesamtverantwortung für ein Fahrzeugprojekt tragen, wie es Müller etwas gestelzt ausdrückt. Diese Umorganisation soll die Marke Volkswagen bis Mitte des Jahres schaffen, ähnliches passiert auch bei Audi, Skoda und Seat.

VW will wohl ohne Kapitalerhöhung auskommen

11:05: Müller wiederholt, was er schon in den vergangenen Monaten mehrfach betont hat: Seine oberste Priorität sei es nun, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die VW-Konzernmarken zurückzugewinnen. Dafür will er kämpfen, "um jeden Kunden und jedes Auto". Das ist nicht so richtig neu. Doch dann fallen die ganz großen strategischen Worte: Müller will Volkswagen "effizienter und schneller, unternehmerischer und mutiger, nachhaltiger und technologisch progressiver" machen.

10:59 Uhr: Nun ist wieder Müller am Wort - mit jenem Redeteil, der ihm wohl mehr Spaß macht: Den Blick in Richtung Zukunft. Deshalb blickt er wohl auch viel öfter in den Saal als zuvor. Details zum ersten Quartal 2016 will er keine nennen, und allzu leicht dürfte es VW derzeit nicht haben. Denn Müller sagt einen seltsam gedrechselten Satz: "Wir sind in Anbetracht der widrigen Umstände mit dem Start ins Jahr insgesamt zufrieden." Wenn es richtig gut läuft, fallen solche Sätze üblicherweise nicht.

10.58 Uhr: Es gibt es noch ein interessantes Detail von Witter, wie die Dieselkrise auf die Kapitalrendite durchschlägt - was wohl auch die großen Investoren nervös macht. Die Kapitalrendite des Konzernbereichs Automobile lag 2014 bei 14,9 Prozent - im Jahr 2015 sank sie dramatisch auf minus 0,2 Prozent.

Fotostrecke

Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

10.55 Uhr: Finanzchef Witter macht nun auf Finanzer-Art klar, dass VW die Abgaskrise finanziell wuppen wird: Eine Kapitalerhöhung, so sagt er "wird nicht auf der Agenda der kommenden Hauptversammlung stehen". Im Klartext: VW kommt trotz vieler Herausforderungen auch ohne die Hilfe der Kapitalmärkte über die Runden.

10.51 Uhr: Ähnlich ist es bei VW-Markenchef Herbert Diess, der von BMW kam und seit Juli 2015 dabei ist. Er kassiert für das halbe Jahr gut 7 Millionen Euro, davon 5 Millionen Euro als Ausgleich für Einbußen durch den Wechsel zu VW.

10.50 Uhr: Dass Renschler bei derlei Nachrichten grimmig dreinschaut, wundert nicht. Schließlich ist der von Daimler zu VW gewechselt Manager der neue Spitzenverdiener im VW-Konzern: Er streicht fast 15 Millionen Euro ein, den Löwenanteil davon als Festvergütung, zeigt der vorgelegte Geschäftsbericht. Der Bericht erklärt diese hohe Summe mit einem Ausgleich "von verloren gegangenen Ansprüchen aufgrund des Arbeitgeberwechsels in Höhe von 11,5 Millionen Euro".

10.45 Uhr: VW-Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler sitzt rechts außen - und ist über die laut Witter deutlich gesunkene weltweite Nachfrage nach Lkw und Bussen offenbar wenig erfreut. Ein Sonnenkind ist der bullige Renschler rein äußerlich ohnedies nicht. Doch bei Witters Worten blickt er grimmig auf seine Unterlagen am Tisch vor ihm. Und er bleibt minutenlang bei diesem gesenkten Blick.

10.40 Uhr: Die übrigen neun VW-Vorstände beenden allmählich ihre Zettelschau - und blicken mit ernsten Mienen in die Runde. Als Witter über die Finanzzahlen der Marke VW spricht, faltet Herbert Diess seine Hände unterhalb des Kinns zu einer Art Dreieck gefaltet. Das sieht ernst aus, aber nicht hoffnungslos.

10:37 Uhr: Das Zahlenfeuerwerk von Witter ist - wie oft bei solchen Präsentationen - in dieser Geschwindigkeit nur schwer zu durchschauen. Da muss die Fragerunde wohl noch einiges Erhellendes zu manchen kritischen Punkten beitragen.

10:35 Uhr: Es gibt dazu, wie sich die Rückstellungen aufteilen: 7,8 Milliarden stehen für Reparaturen und Rückkäufe zur Verfügung, auf 7 Milliarden Euro taxiert VW die weltweiten Rechtsrisiken - sprich Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Und 1,4 Milliarden Euro sieht der Konzern für "verschiedene marktbezogene Themen" vor. Das sind wohl die Gutscheinprogramme in den USA - und möglicherweise auch in Europa.

10:30 Uhr: Nun spricht Finanzchef Frank Witter. Mit ruhiger, fester Stimme trägt er die bereits bekannten Finanzzahlen vor. Mit 12,8 Milliarden Euro lag das operative Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres, meint Wittler - allerdings ohne Berücksichtigung der negativen Sondereinflüsse, also der 16,2 Milliarden Euro Rückstellungen für die Bewältigung des Abgasskandals.

Viele Entschuldigungen und gute Nachricht für Golf-Diesel-Besitzer

10.27 Uhr: Und noch eine Entschuldigung vom Konzernchef: Diesmal dafür, dass VW den Bericht der Anwaltskanzlei Jones Day zu den Verantwortlichen des Abgasskandals noch nicht präsentieren kann. Das hatte Volkswagen ursprünglich für diese PK in Aussicht gestellt. "Auf dringendes Anraten" der VW-Rechtsberater herrscht da nun Stillschweigen, sagt er. Tatsächlich hatte das US-Justizministerium gebeten, den Bericht noch nicht zu veröffentlichen. Zugleich betont Müller: "Bei uns herrscht keine Wagenburg-Mentalität." Und: "Wir haben selbst das größte Interesse daran, alles über die Ursachen und Verantwortlichkeiten zu erfahren". Dabei blickt Müller auf - und im Saal herum.

10.23 Uhr: Müller kommt zur Abgaskrise, die er wie gehabt "Diesel-Thematik" nennt. Erstmal entschuldigt er sich öffentlich: Mit den Rückrufen "sind wir noch nicht so weit, wie wir es gerne wären". Immerhin hat er eine gute Nachricht für alle Golf-Besitzer: Das KBA habe die Umrüst-Aktionen für den Golf genehmigt. VW ziehe den Golf beim Rückruf nun vor. Zuvor waren massive Probleme bei der Umrüstung des Passat bekannt geworden. Nach ersten Modellen des Pick-ups Amarok ruft VW deshalb jetzt als nächstes den Golf in die Werkstätten. "Die Entscheidung ist heute Morgen gefallen", sagt Müller.

10.20 Uhr: Noch ist unklar, wie stark der Konzern seine Mitarbeiter für die Folgen des Abgasskandals mit zur Kasse bitten wird. Bei ihrem Ex-Chef Martin Winterkorn sieht das jetzt klarer aus. Winterkorn muss deutlich Federn lassen. Der Ende September 2015 zurückgetretene Manager, dessen Vertrag aber noch bis Ende 2016 weiterläuft, erhält für das vergangene Jahr noch 7,3 Millionen Euro. 2014 hatte Winterkorn noch fast 16 Millionen Euro kassiert. Ob das die tausenden anderen VW-Mitarbeiter wirklich beruhigen kann?

10:15 Uhr: Gut 15 Minuten nimmt sich Müller Zeit, um die Leistungen seines Konzerns ausführlich zu würdigen - und am Ende dankt er dann seinen Mitarbeitern für "ihren unermüdlichen Einsatz - gerade jetzt". Im Hintergrund steht auf einer Folie: Volkswagen ist viel mehr als Krise. Da versucht jemand, seine Leute hinter sich zu scharen.

Verbaler Balsam für die Mitarbeiter: "Danke für ihren unermüdlichen Einsatz - gerade jetzt", sagt VW-Chef Müller während der PK

Verbaler Balsam für die Mitarbeiter: "Danke für ihren unermüdlichen Einsatz - gerade jetzt", sagt VW-Chef Müller während der PK

Foto: REUTERS

10:10 Uhr: Aufschlussreich ist auch die Sitzordnung am Podium vorne: Müller sitzt in der Mitte, flankiert von Finanzvorstand Frank Witter und Personalvorstand Karlheinz Blessing. VW-Markenchef Herbert Diess sitzt neben Witter - also nahe beim Chef, aber nicht direkt neben ihm. Und Diess blickt während der Rede von Müller oft konzentriert in seine Unterlagen, oder sieht mit ernstem Blick auf die Journalisten.

10:07 Uhr: Müller zählt zuerst mal die Leistungen seines Konzerns auf: 10 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, den Vorjahreswert beinahe erreicht. "Es zahlt sich aus, dass unser Geschäft auf mehreren Säulen ruht", sagt er. Das breite Portfolio sei "keine Bürde, sondern eine große Stärke". Diese Worte liest er mit gesenktem Blick von seinen Zetteln ab - Begeisterung kommt da nicht unbedingt auf.

10:05 Uhr: Kurz vor Beginn sah Müller noch fest in die aufgestellten Kameras, viele VW-Konzernvorstände blätterten in ihren Unterlagen. Etwas Anspannung war da dann doch greifbar.

10.01 Uhr: VW-Chef Matthias Müller beginnt in diesem Moment mit der Pressekonferenz. "Wir wissen, dass sie mit vielen Fragen nach Wolfsburg gekommen sind", sagt er. So ist es.

Dividende und Vorstandsgehälter - Handfester Streit hinter den Kulissen

10 Uhr: Doch auch in einem anderen Punkt gibt es Streit. Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies, zugleich Wirtschaftsminister des Großaktionärs Niedersachsen, wirft dem Konzern-Vorstand eine unsensible Haltung in der Frage von Bonuszahlen vor. Dass der Vorstand hier nicht größere Abstriche zugelassen habe, "das kann man insgesamt in der Gesellschaft nicht erklären." Nach dem Abgasskandal wurden die Bonuszahlungen um 39 Prozent gekürzt. Teile der variablen Vergütung sollen einbehalten und erst 2018 abhängig vom Fortgang des Abgasskandals und vom Geschäfts- und Aktienkursverlauf ausgezahlt werden.

Fotostrecke

Volkswagen-Bilanz 2015: Das haben die VW-Vorstände im Krisenjahr verdient

Foto: Getty Images

9.55 Uhr: In dem Aufsichtsrat soll es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Familien Porsche und Piech und dem Emirat Katar auf der einen, sowie den Arbeitnehmern und dem Land Niedersachsen auf der anderen Seite gekommen sein, berichtet tagesschau.de.  Die Familien und Katar votierten offenbar für eine Null-Dividende. Ihr Argument: Das Geld dafür solle besser im Unternehmen bleiben. Das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmer hätten aber mit ihrer Mehrheit beschlossen, dass der HV eine niedrige Dividende von 17 Cent für Vorzugsaktien empfohlen wird.

9.50 Uhr: Aber wir sollten uns der öffentlich zur Schau getragenen Gelassenheit nicht blenden lassen. Hinter den Kulissen rumort es scheinbar ganz gewaltig. So berichten die öffentlich-rechtlichen TV- und Radiosender sowie die "Süddeutsche Zeitung" von einem handfesten Streit - etwa bei der Frage über die Höhe der Dividende.

9:40 Uhr: Und wo wir gerade bei Befindlichkeiten eines Konzerns sind - auch von Niedergeschlagenheit ist bei Volkswagen nichts zu spüren. Jedenfalls nicht bei VW-Managern und Mitarbeitern, die wir Journalisten gestern Abend sprechen konnten. VW hatte zu einem informellen Abend geladen. Über den Abgasskandal wollte dort allerdings niemand reden. Lieber über neue Strategien und die neue Führungskultur bei dem Autoriesen. Von den VW-Topmanagern stellten sich Strategievorstand Thomas Sedran und der neue Chef-Digitalisierer Johann Jungwirth der Diskussionen mit Journalisten. Mehr Offenheit und mehr Entscheidungsfreiheit für regionale Manager gebe es bereits, berichteten Mitarbeiter wenig überraschend.

9.30 Uhr: Nervosität bei Volkswagen? Im KundenCenter, wo der VW-Vorstand in knapp einer halben Stunde seine Jahrespressekonferenz startet, ist davon wenig zu spüren. Am Eingang grüßen in blaue Overalls gekleidete Ordner freundlich, ein wenig frieren sie im kalten Frühlingswind, der heute durch Wolfsburg weht. Kurz nach 9 Uhr ist der Schalter für die Presseakkreditierung wenig besucht. Die Arbeitsplätze für Journalisten sind jedoch bereits gut belegt - und alle blättern im satte 307 Seiten dicken VW-Geschäftsbericht, den VW bereits ausgibt. Zahlen daraus dürfen die Journalisten aber erst ab 10 Uhr veröffentlichen - VW hat seine Pressemeldung dazu mit einer Sperrfrist belegt. Auch wir wühlen uns mal durch das Zahlenwerk.

Von Hektik noch keine Spur: Für die PK im Kundencenter, wo die Vorstände gleich ihr Zahlenwerk vortragen werden, ist alles vorbereitet

Von Hektik noch keine Spur: Für die PK im Kundencenter, wo die Vorstände gleich ihr Zahlenwerk vortragen werden, ist alles vorbereitet

Foto: manager magazin online

9.20 Uhr: In den vergangenen Jahren waren VW-Veranstaltungen oft eine einzige Demonstration der Stärke: Die Wolfsburger ließen es auf Automessen, auf Pressekonferenzen und Veranstaltungen gerne so richtig krachen. Aber kann es der Konzern auch zwei Nummern bescheidener und kleiner? Kommt die Neuausrichtung, die Müller seinem Konzern verordnet hat, voran? Gibt es bei VW bereits eine neue Offenheit, die der Vorstand vorlebt - wie Müller es im Dezember gefordert hat? Und wird nun tatsächlich offener diskutiert und gestritten? Fragen über Fragen - wir hören und schauen uns in den kommenden drei Stunden um und suchen nach Antworten. Bleiben Sie mit uns dran.

9.13 Uhr: Diesel-Gate hat mittlerweile auch Auswirkungen auf den Autozulieferer Bosch. Wegen der Untersuchungen zur Software-Manipulation in Dieselmotoren hat der Konzern insgesamt 650 Millionen Euro für rechtliche Risiken in der Bilanz zurückgestellt, wie Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer erklärte. Davon sei aber auch ein Teil für separate Kartellrechtsverfahren bestimmt. Über die genaue Höhe der Diesel-Rückstellungen äußerte sich der Manager nicht. Bosch hatte Software an Volkswagen geliefert, mit deren Hilfe der Autobauer Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert hatte.

VW-Aufsichtsrat Lies verbreitet ein wenig Hoffnung

9 Uhr: In gut einer Stunde, also um 10 Uhr, startet die PK. Zunächst werden Konzernchef Matthias Müller und der versammelte VW-Vorstand detaillierte Zahlen zum vergangenen Jahr vorlegen. Bereits bekannt ist, dass Volkswagen  das Jahr mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro abgeschlossen hat - dem größten Verlust der Firmengeschichte. Schuld daran sind Rückstellungen in Höhe von 16,2 Milliarden Euro. Ein Großteil davon ist für Rückrufe und Zahlungen an geprellte Diesel-Kunden in den USA vorgesehen. Später werden die Vorstände Fragen beantworten. Wir werden nicht nur darüber berichten, was Müller und seine Vorstandskollegen sagen - sondern auch, wie sie sich dabei schlagen.

8.50 Uhr: Schon am frühen Morgen hatte sich Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies im Deutschlandfunk zu Wort gemeldet - und versucht, im Strom der schlechten Nachrichten des Absatzskandals, auch mal etwas Positives hervorzuheben, ein wenig gute Stimmung zu verbreiten. "Im Moment ist konzernweit der Verkauf sehr positiv", sagte Lies dem Sender.

8:40 Uhr: In den vergangenen zwei Jahren fand die Jahrespressekonferenz in Berlin statt - am Flughafen Tempelhof, der auch symbolisch für das Abheben in die oberste Liga der Autohersteller stand. Nun gibt sich der Konzern deutlich bodenständiger, lädt Journalisten und Investoren in sein Wolfsburger Kundencenter.

Das ist jene 87 Meter breite, 16 Meter hohe und rundum verglaste Ellipse, in der VW auf Wunsch seine Neuwagen an Käufer ausliefert. Doch heute muss der VW-Vorstand etwas anderes liefern als gebogenes Blech: Nämlich Antworten an Journalisten und Analysten, wie der Konzern die Abgaskrise finanziell und strategisch bewältigen will.

8:30 Uhr: Guten Morgen werte Leserinnen und Leser! Heute ist der Tag der Wahrheit für den Volkswagen-Konzern und sein Management. Und es gibt sicher andere Themen, über die der versammelte Vorstand derzeit lieber sprechen würde als über den Abgasskandal - die neuen Modelle für China zum Beispiel. Oder die Elektroauto-Offensive.

Allein, sie kommen damit nicht durch - und am heutigen Donnerstag schon gar nicht. Denn in Wolfsburg findet sich der VW-Vorstand heute geschlossen zur Jahrespresse- und Investorenkonferenz ein, die um 10 Uhr im Kundencenter der Autostadt startet. manager-manazin.de ist vor Ort - und berichtet live darüber, wie der VW-Vorstand der Welt sein weiteres Vorgehen in der Abgaskrise erklärt.