Mittwoch, 18. September 2019

VW-Abgasskandal +++ Winterkorn in Not "Wenn Winterkorn an den Themen beteiligt ist, wird er von alleine zurücktreten"

Will als Mitglied des VW-Aufsichtsrats auf schnelle Aufklärung dringen: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh
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Will als Mitglied des VW-Aufsichtsrats auf schnelle Aufklärung dringen: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh

21.55 Uhr: In der Affäre um Abgasmanipulationen des Autobauers Volkswagen hat das US-Justizministerium einem Agenturbericht zufolge strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Das berichtete am Montag die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen in den USA. VW drohen in den USA bereits Milliarden-Strafzahlungen, weil es bei Diesel-Fahrzeugen Software zur Manipulation von Abgasnormen eingebaut hatte. Durch die strafrechtlichen Ermittlungen könnte sich der Schaden nun noch erheblich ausweiten.

20.12 Uhr: Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats trifft sich nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, um über die Konsequenzen aus dem Skandal zu beraten. Mitglieder des Präsidiums sind Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber, Wolfgang Porsche als Vertreter der Hauptaktionäre, Betriebsratschef Bernd Osterloh, dessen Vize Stephan Wolf sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Ursprünglich war die nächste Sitzung des gesamten Aufsichtsrats für Freitag angesetzt, unter anderem, um dann den Vertrag von Vorstandschef Martin Winterkorn zu verlängern. Dessen Verantwortung für das Diesel-Debakel ist bislang unklar. Als bester kurzfristig verfügbarer Ersatz für Winterkorn an der Vorstandsspitze galt bislang Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Der aber soll neuer Aufsichtsratschef werden.

19.05 Uhr: Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen in den USA lässt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sämtliche VW-Diesel-Modelle auf dem deutschen Markt überprüfen. Er habe "das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, bei den VW-Diesel-Modellen jetzt umgehend strenge spezifische Nachprüfungen zu veranlassen", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe). Die Prüfungen sollten von unabhängigen Gutachtern vorgenommen werden.

18.30 Uhr: Verkehrsminister Alexander Dobrindt will Regierungskreisen zufolge am Montag mit VW-Chef Martin Winterkorn über die Affäre sprechen. Details wurden nicht bekannt. Einige Analysten sowie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordern bereits einen Neuanfang an der Konzernspitze. Der Aufsichtsratssitzung von VW am Freitag kommt daher eine besondere Bedeutung zu: Winterkorns Vertrag soll eigentlich auf der Aufsichtsratssitzung vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2018 verlängert werden. Denn der 68-Jährige soll den von ihm angestoßenen Konzernumbau begleiten.

17.32 Uhr: Dass VW Abgaswerte in den USA manipuliert hat, überrasche ihn nicht, sagt Axel Friedrich im Interview mit mm-online. Friedrich ist ehemaliger Abteilungsleiter "Umwelt und Verkehr" beim Umweltbundesamt. Ähnlich äußert sich der ADAC. Dem Automobilclub fallen nach eigenen Angaben schon seit Jahren Abweichungen bei Abgastests auch in Deutschland auf. Seit 2003 überprüfe der Club jährlich 150 Autos auf das CO2 sowie die Schadstoffe, die sie abgeben. "Das sagen wir seit Jahren, dass die Herstellerwerte nicht stimmen." Es liege daran, dass der ADAC bei den Abgas- und Verbrauchsmessungen strengere Maßstäbe anlege. "Da wird nicht betrogen aus unserer Sicht. Der legale Rahmen in Deutschland ist einfach zu lasch."

Supergau für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Sein Unternehmen hat jahrelang falsche Angaben zum Abgasausstoß seiner Fahrzeuge in den USA gemacht. Etwa 500.000 Autos müssen zurückgerufen werden, es droht eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Dollar. Doch damit ist es nicht getan. manager-magazin.de nennt acht Gründe, warum für VW noch viel mehr auf dem Spiel steht.

Grund Nr. 1: Volkswagen hat seine Kunden und die US-Behörden vorsätzlich hinters Licht geführt.

Das hat der Konzern inzwischen eingestanden. Wer intern verantwortlich ist und welche Schuld Konzernchef Martin Winterkorn trifft, wird nun geklärt. Doch es scheint ausgeschlossen, dass die US-Kunden einen derartigen Vertrauensbruch schnell verzeihen. Vielmehr werden sie die Frage stellen: Welchen Angaben von Volkswagen kann ich künftig überhaupt noch glauben?

Grund Nr. 2: In den USA läuft es ohnehin miserabel für Volkswagen.

Anstatt eines Skandals brauchen die Wolfsburger in den Vereinigten Staaten dringend steigenden Absatz. Im Gesamtjahr liegt VW dort mit 238.000 verkauften Autos bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl der Markt wächst.

Grund Nr. 3: Volkswagens wichtigstes Verkaufsargument in den USA ist zerstört.

Als Gegenstück zu Toyotas erfolgreichen Hybridautos hatte Volkswagen den "Clean Diesel" erfunden. Saubere und sparsame Dieselautos waren das große Alleinstellungsmerkmal von Volkswagen in den USA. Doch nun muss man wohl von "Dirty Diesel" reden.

Grund Nr. 4: Volkswagen liegt nicht nur mit der Washingtoner Bundesbehörde im Clinch, sondern auch mit der extrem strengen kalifornischen Luftreinhalte-Behörde (im Bild: Chefin Mary Nichols).

Im von Smog geplanten Los Angeles und anderen Teilen des Bundesstaats hat der Kampf gegen tödliche Luftverschmutzung eine lange Tradition. Wer gegen Auflagen verstößt, hat dort das Image eines Brunnenvergifters.

Grund Nr. 5: Die gerade erzeugte Aufbruchstimmung bei Volkswagen ist dahin.

Der Konzern wollte gerade mit neuen Autos und neuen Topmanagern durchstarten. Auf der IAA präsentierte das Unternehmen seine Idee von umweltfreundlichen Autos der Zukunft (im Bild der Audi E-Tron Quattro Concept mit Audi-Chef Rupert Stadler). Zudem hat das Unternehmen gerade wichtige Personalien geregelt. So führt Hans Dieter Pötsch den Aufsichtsrat und Herbert Diess die Marke Volkswagen. Sie müssen sich jetzt als Krisenmanager bewähren.

Grund Nr. 6: Der Skandal wird sich nicht auf die USA beschränken.

Volkswagen hat nun ein generelles Glaubwürdigkeitsproblem. Schon wollen Experten wissen, ob der Konzern auch in Europa oder China getrickst hat, wo Luftverschmutzung tausende Tote im Jahr fordert. Die deutsche Umwelthilfe fordert bereits ein Fahrverbot für Diesel-Autos in Deutschland.

Grund Nr. 7: Außer Strafzahlungen drohen Volkswagen in den USA Klagen in milliardenhohem Streitwert.

Autokäufer, Händler, Aktionäre - bereits einen Tag, nachdem Volkswagen die Manipulationen eingeräumt hat, melden sich vermeintlich Geschädigte zu Wort.

Grund Nr. 8: Volkswagen droht eine Vertrauens-Abwärtsspirale.

Investoren wissen nicht mehr, wie sie die VW-Aktie bewerten sollen. Sie wird faktisch zum Zockerpapier. Das belastet auch die Bonität des Unternehmens.

Die Unsicherheit liegt wie ein dunkler Schatten über Aktie und Unternehmen: Da derzeit niemand beziffern kann, auf welche Summe sich mögliche Strafzahlungen und Folgeschäden - nicht nur in den USA - beziffern, werden viele institutionelle Anleger sehr vorsichtig mit der VW-Aktie sein. Offen ist derzeit auch, welche personellen Konsequenzen der Skandal haben wird und wie er sich auf die Führungsstruktur von Europas größtem Autobauer auswirken wird - zumal das US-Recht auch Gefängnisstrafen für Verstöße gegen die Umweltgesetze vorsehen.

17.20 Uhr: Der Absturz der VW-Aktie hat ein Nachspiel im niedersächsischen Landtag. "Niedersachsen hat seit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Volkswagen von jetzt auf gleich mehrere Milliarden Euro an VW-Aktienwerten verloren", sagte CDU-Fraktionsvize Dirk Toepffer und beantragte eine Unterrichtung im Wirtschaftsausschuss des Landtags.

16.42 Uhr: Ersten Rücktrittsforderungen um Martin Winterkorn tritt der mächtige VW-Betriebsratschef Osterloh entgegen. Jetzt schon den Abschied des Volkswagen-Chefs zu fordern, sei ein Unding. "Ich stehe zu Herrn Dr. Winterkorn", sagte Osterloh. Er sagt aber auch: "Wenn Winterkorn an den Themen beteiligt ist, wird er von alleine zurücktreten." Als Mitglied des Aufsichtsrats werde er auf eine schnelle Aufklärung dringen. "Der Imageschaden ist doch schon groß genug."

16.22 Uhr: Wegen des Abgas-Skandals in den USA trifft sich das mächtige Präsidium des VW-Aufsichtsrats am Mittwoch, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Demnach wird der Führungszirkel über die Folgen der manipulierten Abgastests bei VW-Dieselwagen beraten. Zu dem Gremium gehören unter anderem der amtierende VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche. Der VW-Aufsichtsrat selbst kommt am Freitag zu einer regulären Sitzung zusammen. Thema hier unter anderem: Die schon unlängst angekündigte Vertragsverlängerung von Martin Winterkorn.

 VW-Führungszirkel trifft sich: Wolfgang Porsche (l.) und AR-Chef Berthold Huber werden am Mittwoch im mächtigen Präsidium des VW-Konzerns viel zu beraten haben, womöglich auch Winterkorns Zukunft
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VW-Führungszirkel trifft sich: Wolfgang Porsche (l.) und AR-Chef Berthold Huber werden am Mittwoch im mächtigen Präsidium des VW-Konzerns viel zu beraten haben, womöglich auch Winterkorns Zukunft
16.08 Uhr: Die US-Börsen sind mit leichten Kursgewinnen in die neue Woche gestartet. Die Papiere von US-Autobauern profitieren zunächst allerdings nicht nicht von der Abgasaffäre des deutschen Konkurrenten Volkswagen. Aktien von General Motors Börsen-Chart zeigen notierten zunächst kaum verändert bei 30,15 Dollar, Aktien von Ford Börsen-Chart zeigen gaben um 0,4 Prozent auf rund 14 Dollar nach.

16.00 Uhr: Südkorea, Heimat der beiden VW-Rivalen Hyundai Motor Börsen-Chart zeigen und Kia, hat Abgas-Tests für Fahrzeuge von Volkswagen angeordnet. Das Umweltministerium werde ab Mitte Oktober bei den Modellen VW Golf, VW Jetta und dem Audi A3 prüfen, ob auch auf dem südkoreanischen Markt bei den Abgaswerten manipuliert worden sei, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Der VW-Abgasskandal
Volkswagen hat eingeräumt, die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben. Bis zu 500.000 Fahrzeuge in den USA sind betroffen. Die US-Umweltbehörde EPA führt eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act". Dem Dax-Konzern drohen deswegen Strafzahlungen in Milliardenhöhe und ein nicht abzuschätzender Imageschaden.
15.39 Uhr: Der Sportwagen-Hersteller Porsche ist von dem Manipulationsskandal seiner Konzernmutter VW in den USA nach Firmenangaben nicht betroffen. Da es bei den untersuchten Diesel-Autos in den USA nur um Vierzylinder-Motoren gehe, sei man prinzipiell nicht betroffen - diese verwende man schließlich gar nicht, sagte ein Sprecher. Porsche hat Sechs- und Achtzylinder-Motoren im Programm. Ohnehin habe man erst 2012 angefangen, in den USA Diesel-Fahrzeuge anzubieten, und zwar den Cayenne. Seither seien einige Tausend solcher Autos verkauft worden. Diesel-Fahrzeuge haben für Porsche nur eine nachrangige Bedeutung - die VW-Tochter setzt vor allem auf Benziner.

15.34 Uhr: Timing ist bekanntlich alles. Am Freitag will der VW-Aufsichtsrat über die Vertragsverlängerung von VW-Chef Winterkorn beraten.

15.23 Uhr: Für Leser, die neu dazu kommen (und alle anderen auch): Hier finden Sie noch einmal alle Fragen und Antworten zum Abgasskandal von VW.

15.15 Uhr: Fitch stellt schon mal ein schlechteres Rating für VW in Aussicht. Sollte sich das Problem weiter zuspitzen, könne die Einstufung unter Druck geraten, teilte die US-Ratingagentur mit. Die Abgasmanipulationen könnten das Markenimage des Konzerns insbesondere in den USA ernsthaft untergraben. Eine theoretisch mögliche Geldbuße von 37.500 US-Dollar je Wagen hält Fitch aber für unwahrscheinlich. VW habe rasch und energisch reagiert. Fitch stuft VW mit "A" und einem stabilen Ausblick ein.

15.04 Uhr: Was wusste eigentlich VW-Chef Winterkorn von den Abgasmanipulationen? Einiges, meint Autoexperte Dudenhöffer - und hat auch gleich einen Rat parat.

15.01 Uhr: Ganz so zahm wie das Bundeswirtschaftsministerium gibt sich das Umwelt-Ressort nicht: "Wir stehen vor einem Fall von eklatanter Verbrauchertäuschung und Umweltschädigung", sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth. "Ich erwartet, dass VW lückenlos aufklärt." Er sehe nun alle deutschen Autobauer in der Pflicht zu prüfen, ob auch Abgaswerte anderer Pkw-Modelle in ähnlicher Weise manipuliert wurden. Der Ausstoß von Diesel-Autos müsse schnell und deutlich sinken.

14.53 Uhr: Krisentreffen anberaumt: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und VW-Chef Martin Winterkorn wollen sich Regierungskreisen zufolge noch heute beraten. An dem Gespräch solle auch der Präsident des Kraftfahrtbundesamtes (KBA), Ekhard Zinke, teilnehmen.

14.32 Uhr: Unser MeinungsMacher Tom Buschardt schreibt, in Sachen Abgas-Manipulation dürfte VW nur die Spitze des Eisbergs sein.

14.04 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel reagiert gelassen auf den Abgasskandal bei VW. Es werde wohl kein dauerhafter Schaden für die deutsche Industrie entstehen, sagte der SPD-Chef. "Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist glaube ich klar", so Gabriel. "Dass wir Sorgen haben, dass der berechtigte, exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und insbesondere Volkswagens darunter leidet, das können Sie sicherlich verstehen." Er gehe aber davon aus, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufkläre und die eingetretenen Schäden wiedergutmachen werde. Der Fall sei nicht typisch. "Der Begriff "Made in Germany" ist weltweit ein Qualitätsbegriff." Gabriel sprach sich dafür aus, Messfehler oder Manipulationen vielleicht einmal insgesamt zu überprüfen.

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