VW-Abgasaffäre VW-Chef Winterkorn tritt zurück +++ "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst" +++ Flut von Sammelklagen

VW-Chef Winterkorn: "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst"

VW-Chef Winterkorn: "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst"

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Neuer VW-Chef: Diese Männer haben Chancen auf die Winterkorn-Nachfolge

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19.20 Uhr: Was für ein Tag! Nicht nur die Investoren haben heute viel zu verdauen. Sehr vorsichtiger Optimismus macht sich zur Stunde breit: Im Abendhandel in Frankfurt klettert die Aktie von Volkswage  leicht.

19.00 Uhr: In den Erklärungen einzelner Analysten schwingt durchaus auch ein Stück weit Bedauern und Anerkenntnis für Winterkorn mit: "Winterkorn hat einen guten Job gemacht und hat es nicht verdient, geopfert zu werden. Aber bei der Größe des Problems und da er für Entwicklung im Konzern zuständig war, muss man diese Pille auch schlucken, wenn es schiefläuft wie jetzt", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Robert Halver von der Baader Bank sagt: "VW verliert mit Winterkorn einen Topmanager, der Benzin im Blut hatte."

18.55 Uhr: Analysten stehen mit ersten Einschätzungen zum Rücktritt am Start. Einig sind sich die Experten darin, dass vor Volkswagen noch sehr viel Arbeit liegt: "Das ist der erste einer ganzen Reihe von Schritten", sagt stellvertretend Marc-René Tonn von M.M. Warburg. Bei dem jetzt gesetzten Neuanfang könne es nur heißen: Rückhaltlose Aufklärung und das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, sind sich die Experten einig.

18.44 Uhr: Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats hat durchgegriffen. Chefredakteur Sven Clausen erklärt in seinem Kommentar, warum dieser Schritt richtig ist und VW sowie die deutsche Autoindustrie vor weiteren Schaden bewahren sollte.

18.40 Uhr: Der Aufsichtsrat will am Freitag über einen Winterkorn-Nachfolger beraten. Ob er dabei bereits eine Entscheidung trifft, ist noch unklar. manager magazin online hat potentiellen Nachfolgern schon mal auf den Zahn gefühlt und ihre Chancen für diesen Job ausgelotet. Das Ergebnis lesen Sie hier.

18.20 Uhr: Auf Volkswagen rollt einem Medienbericht zufolge eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada zu. Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung seien seit vergangenen Freitag 37 solcher Klagen bei US-Gerichten eingereicht worden, weitere zwei in Kanada. Kläger seien zumeist private Autokäufer, in einem Fall auch ein Autohändler. Die Kläger verlangen dem Bericht zufolge Schadensersatz für den Wertverlust ihrer Fahrzeuge und die durch den Rückruf entstehenden Kosten.

17.50 Uhr: In seiner Video-Erklärung am Vortag hatte Winterkorn sich umfangreich bei Institutionen, Mitarbeitern und Kunden entschuldigt. Von einem Rücktritt, über den zuvor bereits spekuliert wurde, war darin nicht die Rede. Vielmehr konnte der Zuhörer den Eindruck gewinnen, Winterkorn würde sich selbst an die Spitze der Aufklärer sehen. Die Aktie von Volkswagen  schloss 5,2 Prozent fester.

17.45 Uhr: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte vor den Journalisten, das Präsidium habe beschlossen, durch das Unternehmen Strafanzeige zu erstatten. Das Gremium habe "den Eindruck, dass strafrechtlich relevante Handlungen eine Rolle" gespielt hätten. Das Unternehmen werde dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die Abgas-Affäre "hart belangt werden". Zudem werde Volkswagen einen Sonderausschuss gründen, der die Aufklärung vorantreiben werde. Dabei solle auch auf externe Berater zurückgegriffen werden.

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Das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen: Dieser mächtige Fünferrat steuert Volkswagen

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17.40 Uhr: Winterkorn habe keine Kenntnis von der Manipulation der Abgaswerte gehabt, sagte der Vorsitzende des Präsidiums des Aufsichtsrats, Berthold Huber. Das Präsidium habe Winterkorns Rücktrittsentscheidung deshalb "mit großem Respekt" entgegengenommen. Über die Vorschläge zur Nachfolge von Winterkorn werde am Freitag im Aufsichtsrat beraten. Nähere Angaben machte er nicht. Als möglicher Nachfolger von Winterkorn ist Porsche-Chef Matthias Müller schon länger im Gespräch.

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VW werde dafür sorgen, "dass diese Affäre vollständig und schnell aufgeklärt wird", sagte Weil. Das Vertrauen in das Unternehmen müsse "sehr schnell" wieder hergestellt werden. "Das darf bei Volkswagen nie wieder passieren." Niedersachsen hält 20 Prozent an Volkswagen.

17.30 Uhr: Die Reaktion der Börse auf den Rücktritt von Martin Winterkorn als VW-Chef ist verhalten. Die Aktie von VW, die zuvor rund 7 Prozent auf 115 Euro zugelegt hatte, gab unmittelbar nach der Rücktrittserklärung Winterkorns weinen Teil ihrer Gewinne wieder ab und notierte zuletzt noch 5 Prozent fester bei 111 Euro. Viele Anleger hatten mit einem Umbau an der VW-Spitze gerechnet - ein Nachfolger von Winterkorn wird jedoch erst am Freitag benannt.

Lesen Sie hier Winterkorns Rücktrittserklärung im Wortlaut

17 Uhr: Martin Winterkorn tritt als Konzernchef von Volkswagen zurück. Der 68-jährige Manager zog damit am Mittwoch die Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell." Weiter heißt es in der Erklärung Winterkorns: "Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren." Als Vorstandschef übernehme er die Verantwortung. Er habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit ihm eine Vereinbarung zur Beendigung seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", erklärte Winterkorn.

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Martin Winterkorn: "Qualität ist bei Volkswagen Chefsache"

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16.40 Uhr: Bleibt Martin Winterkorn an der Spitze des VW-Konzerns? Darüber berät heute das fünfköpfige Präsidium des Aufsichtsrats. Reuters meldet: "VW lässt Journalisten aufs Werksgelände in Wolfsburg. Der Konzern kündigt ein Pressestatement an."

16.15 Uhr: VW droht eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit. Die Rating-Agentur Fitch prüft die Bonitätsnote des Konzerns wegen des Abgas-Skandals auf eine Herabstufung. Die Affäre werde in den nächsten zwei Jahren zu Mittelabflüssen von mehreren Milliarden Euro führen, erklärte Fitch. Gleichzeitig verweisen die Bonitätswächter darauf, dass VW eine starke Bilanz habe.

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15.45 Uhr: Als Konsequenz aus den Abgas-Betrügereien bei Volkswagen fordert Niedersachsens Umweltminister bessere Verbrauchs- und Schadstoffkennzeichnungen für Autos. "Jetzt ist es notwendig, für vollständige und konsequente Aufklärung der Manipulationen zu sorgen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Erforderlich ist es, die Einhaltung von Grenzwerten in der Praxis auch tatsächlich durchzusetzen", sagt Stefan Wenzel (Grüne). Verbrauchertäuschung könne nur durch korrekte Kennzeichnung der Fahrzeuge verhindert werden.

15.22 Uhr: Die Affäre um manipulierte Abgaswerte verhagelt auch den Autohändlern die Stimmung. "Wir fühlen uns definitiv verraten", sagt Chris Murphy, Verkaufsleiter eines VW-Autohauses im kalifornischen Oakland. "Ich wäre als Kunde stocksauer." Gerade im umweltbewussten Kalifornien hätten sich viele Amerikaner für die als besonders sauber angepriesenen VW-Diesel-Fahrzeuge entschieden. Der Skandal sei "ein Schlag für die Marke VW". Auch VW-Händler Ernst-Robert Nouvertne im Solingen (NRW) befürchtet Folgen fürs Geschäft. "Es wird nicht problemlos an uns vorbei gehen." Der Volkswagen und Audi Partnerverband, der die Interessen der über 2.400 deutschen Händler der Marken VW Pkw, Audi und VW Nutzfahrzeuge vertritt, schweigt zu der Abgas-Affäre.

14.15 Uhr: Sind es Krokodilstränen, die der Autoverband VDA vergießt? "Eine missbräuchliche Anwendung einer speziellen Motorensoftware - das geht nun wirklich überhaupt nicht", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Mittwoch auf der IAA in Frankfurt. Geht nicht? Geht offenbar doch.

14.00 Uhr: Erste Ökonomen warnen, dass die Volkswagen-Krise die deutsche Konjunktur belasten werde. Zusammen mit der Flüchtlingskrise bedeute der "Volkswagen-Schocker" ein Risiko für die deutsche Volkswirtschaft, sagte Chefökonom Carsten Brzeski von der ING-Bank. Wie groß der Einfluss des Skandals auf das Bruttoinlandsprodukt sein werde, sei noch unklar. Da VW "einer von Deutschlands wichtigsten globalen Champions" sei, werde es aber sicher Auswirkungen geben.

13.50 Uhr: Die US-Bank JP Morgen geht davon aus, dass der Abgasskandal für Volkswagen deutlich teurer werden könnte als bisher angenommen. "Weitet sich der Rückruf aus, lautet unser Worst-Case-Szenario für VW bis zu 40 Milliarden Euro Kosten", schreiben die Analysten der Bank.

13.32 Uhr: Die Finanzaufsicht Bafin nimmt den Absturz der VW-Aktie und die Kommunikation des Unternehmens in der US-Abgasaffäre unter die Lupe. Geprüft werde unter anderem, ob das Unternehmen die Märkte rechtzeitig mit sogenannten Ad-hoc-Nachrichten über den Stand der Dinge informiert habe, sagt eine Sprecherin.

13.20 Uhr: Nach BDI-Chef Grillo sehen sich auch die deutschen Maschinenbauer genötigt, möglichen Schaden vom Standort Deutschland durch die VW-Affaire abzuwenden. Der VDMA sehe mit Sorge, dass ein Fehlverhalten nun auf die gesamte deutsche Industrie übertragen werden könnte. Rund eine Million Mitarbeiter in Deutschland gäben allein im Maschinenbau jeden Tag ihr Bestes, um die Reputation der Industrie zu verteidigen, sagt VDMA-Chef Brodtmann: "Es gibt keinen Grund, sie jetzt unter Generalverdacht zu stellen. Das schadet nur dem gesamten Standort Deutschland erheblich." Die Kunden der deutschen Maschinenbauer könnten sich darauf verlassen, dass sie Spitzenleistungen "Made in Germany" bekommen.

12.50 Uhr: Die Bundesregierung erhebt angesichts der Abgasaffäre keine Rücktrittsforderungen gegen Volkswagen-Chef Winterkorn. Darüber habe die Regierung nicht zu entscheiden, sagt Verkehrsminister Dobrindt. Die Bundesregierung wolle aber aktiv dafür sorgen, dass solche Manipulationen nicht mehr vorkommen.

12.30 Uhr: BDI-Präsident Ulrich Grillo kritisiert die Abgasmanipulationen bei Volkswagen, nimmt die deutsche Industrie aber in Schutz genommen. "Ich stelle mich vor die deutsche Industrie und vor die gute Arbeit, die täglich millionenfach geleistet wird", sagt Grillo. Zugleich verteidigt er der Ruf deutscher Wertarbeit, der unter der VW-Affaire leiden könnte, wie Beobachter meinen. "Made in Germany steht für exzellente Produkte", sagt Grillo. Deutsche Ingenieurkunst und Facharbeit würden weltweit zurecht geachtet.

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Das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen: Dieser mächtige Fünferrat steuert Volkswagen

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11.57 Uhr: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Im Internet reagieren Nutzer teils mit Häme auf die Abgaskrise des Autobauers. Eine kleine Auswahl: •"Vom Winde VWeht" (@Mr_Starkey via Twitter). •"Wenn jetzt noch rauskommt, dass VW die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen vom VfL manipuliert hat, glaub ich gar nix mehr." (@FensterRentner via Twitter) • "Mehr Abgase als gedacht: VW-Dieselautos in den USA plötzlich beliebt wie nie" (@Der_Postillon via Twitter) • "Der #ADAC kann die ganze Aufregung um den Abgas-Betrug-Skandal bei #Volkswagen gar nicht verstehen...." (@timmdoppel_m via Twitter). "VW - Vertrauen weg." (Unbekannter Leser via Mail)

11.48 Uhr: Auflösung Quizfrage 11.34 Uhr - Antwort D ist natürlich richtig. Die Volkswagen-Werks-Elf hatte der Lewandowski-Show der Bayern nichts entgegenzusetzen, und VfL-Manager Allofs soll sich für die Autos seines Brötchengebers schlicht nicht interessieren.

11.40 Uhr: Der europäische Autoverband ACEA sieht keine Anzeichen dafür, dass der Skandal um manipulierte Abgaswerte beim weltgrößten Autobauer VW ein Problem für die ganze Branche ist. "Es gibt keinen Hinweis, dass es sich dabei um eine branchenweite Angelegenheit handelt", erklärte der ACEA. Der Verband nehme die Situation aber sehr ernst.

11.34: Kurze Quizfrage, wer sagte folgenden Satz? "Wir haben das nicht im Stile einer Spitzenmannschaft gemacht." A. Winterkorn am Ende in seiner gestrigen Video-Botschaft B. Ein VW-Pressesprecher auf Anfrage von Reuters zum Abgasskandal C. Klaus Allofs, VfL-Manager des von VW gesponserten Bundesligaclubs auf Rücktrittsgerüchte um Winterkorn D. Klaus Allofs nach der gestrigen 1:5-Klatsche gegen die Bayern ... die Auflösung verraten wir in Kürze ...

11.20 Uhr: Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums mehrere Strafanzeigen "aus der Bevölkerung" gegen Verantwortliche von VW eingegangen. In Betracht komme unter anderem Betrug zu Lasten von Autokäufern, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Anzeigen würden derzeit geprüft.

11.04 Uhr: Hat die Börse bei VW übertrieben? Investoren jedenfalls greifen aktuell bei der VW-Aktien zu, und treiben den Kurs mit rund 3,7 Prozent ins Plus. Hatten die Aktien von BMW  und Daimler  unter dem VW-Kurssturz zuletzt gelitten, ziehen ihre Kurse nun auch an.

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10.20 Uhr: Mitten im Skandal um manipulierte Abgaswerte droht Volkswagen weiteres Ungemach: Gegen das deutsche Unternehmen wurde dort eine Zivilklage wegen seines Verhaltens während der Militärdiktatur eingereicht. VW habe damals in Brasilien die Folter und illegale Festnahme von Mitarbeitern hingenommen, begründete das Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation seine Klage. Während der Militärdiktatur zwischen 1964 bis 1985 habe VW "die Existenz einer Staatspolizei im Inneren des Unternehmens" sowie Festnahmen am Arbeitsplatz zugelassen, sagte ein Sprecher des Forums der Nachrichtenagentur AFP. Zwölf ehemalige Mitarbeiter des VW-Werks nahe Sao Paolo seien laut Klageschrift festgenommen und gefoltert worden. Dutzende Mitarbeiter seien auf schwarzen Listen geführt worden. VW soll nun daher kollektive Entschädigung zahlen, fordern die Kläger. "Volkswagen war nicht das einzige beteiligte Unternehmen, aber es hatte in São Paulo eine Führungsrolle und es hat sogar andere (Unternehmen) koordiniert", sagte der Sprecher.

9.44 Uhr: Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats berät zur Stunde mögliche Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Dabei geht es auch um die berufliche Zukunft von VW-Chef Martin Winterkorn. Winterkorn selbst hat einen Rücktritt abgelehnt und will die Affäre aufarbeiten.

Alles Lesenswerte zum VW-Abgasskandal finden Sie hier.

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Winterkorns neue Feinde: Das sind die Leute, die von VW die Milliarden fordern werden

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9.21 Uhr: Wir wollen Ihnen nicht vorenthalten, dass selbstverständlich auch die Vereinten Nationen ihren Unmut zum VW-Skandal zu Protokoll gegeben haben. Das Eingeständnis des Konzerns, Millionen Autos weltweit mit einer Software zur Manipulation von Emissionstestergebnissen ausgestattet zu haben, sei "äußerst beunruhigend", sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Stéphane Dujarric. "Die Autoindustrie muss ein Partner sein bei allen Bemühungen des Privatsektors, den Klimawandel zu bekämpfen." Der Sprecher rief Volkswagen zur "vollen Kooperation" bei der Aufklärung auf.

Nissan-Chef sieht durch VW Vertrauensprobleme für die ganze Branche

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Bittere Erfahrungen von Daimler und anderen: Was Volkswagen in den USA noch droht

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8.42 Uhr: Immer mehr nationale Regierungen schalten sich in den VW-Abgasskandal ein: So hat auch die britische Regierung die EU-Kommission zu Untersuchungen aufgefordert. Es sei unerlässlich, dass die Öffentlichkeit Vertrauen in Abgastests für Fahrzeuge habe, sagte Verkehrsminister Patrick McLoughlin. Die Kommission in Brüssel solle sich "dringend" darum kümmern. Zuvor hatte auch Frankreich die EU zu Untersuchungen aufgefordert; andere Länder kündigten eigene Prüfungen an.

8.30 Uhr: "VW - Vertrauen weg". Wäre die Lage nicht so bitterernst, man müsste über diesen neuesten Witz lachen. Doch auch heute dokumentieren die Investoren, dass sie dem Unternehmen derzeit nicht mehr über den Weg trauen. Zwar mag sich VW-Chef Winterkorn entschuldigen und versprechen aufzuräumen. Den Aktionären aber reicht das nicht, die Unsicherheit bleibt. Nach rund 40 Prozent Minus in zwei Handelstagen geht es mit den VW-Vorzügen weiter abwärts. Kurz vor Handelsbeginn notieren die Papiere von Volkswagen mit 3,3 Prozent im Minus.

7.30 Uhr: Geht heute die Talfahrt der VW-Aktie  weiter? Der Dax (Kurswerte anzeigen) jedenfalls taucht schon einmal ab: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex rund 1 Prozent tiefer auf 9480 Punkte. Das Jahrestief bei 9338 Punkten vom August-Crash rückt damit wieder näher.

7.25 Uhr: Nissan-Chef Carlos Ghosn sieht die Autoindustrie vor einer erheblichen Herausforderung. Der Vorfall bei VW bringe neue Vertrauensprobleme für die Hersteller, sagte Ghosn in New York. Zu den Vorgängen bei VW wollte er sich nicht äußern. Seiner Ansicht nach dürfte es allerdings schwierig sein, die Manipulation von Abgaswerten firmenintern geheim zu halten. "Ich glaube nicht, dass man so etwas verbergen kann", sagte Ghosn, der auch den Nissan-Partner Renault leitet. Er sei überrascht, dass die Offenlegung der Vorgänge bei VW nicht auf einen Informanten aus dem Unternehmen zurückgehe - sondern auf diesen Mann.

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Das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen: Dieser mächtige Fünferrat steuert Volkswagen

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7.10 Uhr: Schon gestern hatte der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats von der bevorstehenden Ablösung Winterkorns berichtet. Heute stößt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" in das gleiche Horn. Die Konzernkommunikation bezeichnete derlei Gerüchte bereits gestern etwas schmallippig als "Schwachsinn". Heute soll das Treffen des VW-Präsidiums fortgesetzt werden, das gestern vorzeitig begann. Über Beschlüsse wurde zunächst nichts bekannt.

7 Uhr: Der Kollege Nils-Viktor Sorge hat den Mann interviewt, der VW - ungewollt - ins Wanken gebracht hat.

6.50 Uhr: Mehrere US-Bundesstaaten sind dabei, ein Bündnis zu formen, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten. Das bestätigte ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman am Dienstag. Für VW bahnt sich damit noch größerer Ärger an: Sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetze könnten auf bundesstaatlicher Ebene weitere empfindliche Strafen und Bußgelder verhängt werden. Die Umweltbehörde der US-Regierung, EPA, hatte VW am Freitag mit einer Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar gedroht.

6.45 Uhr: Sven Clausen, Chefredakteur von manager-magazin.de, schlägt den Bogen von VW zur Bankenwelt und fragt: Wieviel Libor-Skandal steckt im Diesel-Debakel?

6.35 Uhr: Volkswagen hat die US-Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis LLP angeheuert. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine VW-Sprecherin. Die Kanzlei hatte den britischen Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 mit elf Toten und Schadens- sowie Strafzahlungen in Milliardenhöhe vertreten. Eine Sprecherin der Kanzlei lehnte eine Stellungnahme ab. Durch mögliche Klagen und Strafgelder drohen dem deutschen Autobauer Milliardenschäden.

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Martin Winterkorn: "Qualität ist bei Volkswagen Chefsache"

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VW-Chef Martin Winterkorn hatte am späten Dienstagnachmittag öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. Der Volkswagen-Konzern hatte zuvor bekanntgegeben, dass weltweit elf Millionen Wagen betroffen sind. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Winterkorn will dennoch im Amt bleiben.

6.15 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Auch heute halten wir Sie zur VW-Abgasaffäre auf dem Laufenden.

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