Mittwoch, 19. Juni 2019

VW-Abgasaffäre VW-Chef Winterkorn tritt zurück +++ "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst" +++ Flut von Sammelklagen

VW-Chef Winterkorn: "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst"

2. Teil: VW-Autohändler sprechen von Verrat

15.45 Uhr: Als Konsequenz aus den Abgas-Betrügereien bei Volkswagen fordert Niedersachsens Umweltminister bessere Verbrauchs- und Schadstoffkennzeichnungen für Autos. "Jetzt ist es notwendig, für vollständige und konsequente Aufklärung der Manipulationen zu sorgen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Erforderlich ist es, die Einhaltung von Grenzwerten in der Praxis auch tatsächlich durchzusetzen", sagt Stefan Wenzel (Grüne). Verbrauchertäuschung könne nur durch korrekte Kennzeichnung der Fahrzeuge verhindert werden.

15.22 Uhr: Die Affäre um manipulierte Abgaswerte verhagelt auch den Autohändlern die Stimmung. "Wir fühlen uns definitiv verraten", sagt Chris Murphy, Verkaufsleiter eines VW-Autohauses im kalifornischen Oakland. "Ich wäre als Kunde stocksauer." Gerade im umweltbewussten Kalifornien hätten sich viele Amerikaner für die als besonders sauber angepriesenen VW-Diesel-Fahrzeuge entschieden. Der Skandal sei "ein Schlag für die Marke VW". Auch VW-Händler Ernst-Robert Nouvertne im Solingen (NRW) befürchtet Folgen fürs Geschäft. "Es wird nicht problemlos an uns vorbei gehen." Der Volkswagen und Audi Partnerverband, der die Interessen der über 2.400 deutschen Händler der Marken VW Pkw, Audi und VW Nutzfahrzeuge vertritt, schweigt zu der Abgas-Affäre.

14.15 Uhr: Sind es Krokodilstränen, die der Autoverband VDA vergießt? "Eine missbräuchliche Anwendung einer speziellen Motorensoftware - das geht nun wirklich überhaupt nicht", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Mittwoch auf der IAA in Frankfurt. Geht nicht? Geht offenbar doch.

14.00 Uhr: Erste Ökonomen warnen, dass die Volkswagen-Krise die deutsche Konjunktur belasten werde. Zusammen mit der Flüchtlingskrise bedeute der "Volkswagen-Schocker" ein Risiko für die deutsche Volkswirtschaft, sagte Chefökonom Carsten Brzeski von der ING-Bank. Wie groß der Einfluss des Skandals auf das Bruttoinlandsprodukt sein werde, sei noch unklar. Da VW "einer von Deutschlands wichtigsten globalen Champions" sei, werde es aber sicher Auswirkungen geben.

13.50 Uhr: Die US-Bank JP Morgen geht davon aus, dass der Abgasskandal für Volkswagen deutlich teurer werden könnte als bisher angenommen. "Weitet sich der Rückruf aus, lautet unser Worst-Case-Szenario für VW bis zu 40 Milliarden Euro Kosten", schreiben die Analysten der Bank.

13.32 Uhr: Die Finanzaufsicht Bafin nimmt den Absturz der VW-Aktie und die Kommunikation des Unternehmens in der US-Abgasaffäre unter die Lupe. Geprüft werde unter anderem, ob das Unternehmen die Märkte rechtzeitig mit sogenannten Ad-hoc-Nachrichten über den Stand der Dinge informiert habe, sagt eine Sprecherin.

13.20 Uhr: Nach BDI-Chef Grillo sehen sich auch die deutschen Maschinenbauer genötigt, möglichen Schaden vom Standort Deutschland durch die VW-Affaire abzuwenden. Der VDMA sehe mit Sorge, dass ein Fehlverhalten nun auf die gesamte deutsche Industrie übertragen werden könnte. Rund eine Million Mitarbeiter in Deutschland gäben allein im Maschinenbau jeden Tag ihr Bestes, um die Reputation der Industrie zu verteidigen, sagt VDMA-Chef Brodtmann: "Es gibt keinen Grund, sie jetzt unter Generalverdacht zu stellen. Das schadet nur dem gesamten Standort Deutschland erheblich." Die Kunden der deutschen Maschinenbauer könnten sich darauf verlassen, dass sie Spitzenleistungen "Made in Germany" bekommen.

12.50 Uhr: Die Bundesregierung erhebt angesichts der Abgasaffäre keine Rücktrittsforderungen gegen Volkswagen-Chef Winterkorn. Darüber habe die Regierung nicht zu entscheiden, sagt Verkehrsminister Dobrindt. Die Bundesregierung wolle aber aktiv dafür sorgen, dass solche Manipulationen nicht mehr vorkommen.

12.30 Uhr: BDI-Präsident Ulrich Grillo kritisiert die Abgasmanipulationen bei Volkswagen, nimmt die deutsche Industrie aber in Schutz genommen. "Ich stelle mich vor die deutsche Industrie und vor die gute Arbeit, die täglich millionenfach geleistet wird", sagt Grillo. Zugleich verteidigt er der Ruf deutscher Wertarbeit, der unter der VW-Affaire leiden könnte, wie Beobachter meinen. "Made in Germany steht für exzellente Produkte", sagt Grillo. Deutsche Ingenieurkunst und Facharbeit würden weltweit zurecht geachtet.

11.57 Uhr: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Im Internet reagieren Nutzer teils mit Häme auf die Abgaskrise des Autobauers. Eine kleine Auswahl: •"Vom Winde VWeht" (@Mr_Starkey via Twitter). •"Wenn jetzt noch rauskommt, dass VW die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen vom VfL manipuliert hat, glaub ich gar nix mehr." (@FensterRentner via Twitter) • "Mehr Abgase als gedacht: VW-Dieselautos in den USA plötzlich beliebt wie nie" (@Der_Postillon via Twitter) • "Der #ADAC kann die ganze Aufregung um den Abgas-Betrug-Skandal bei #Volkswagen gar nicht verstehen...." (@timmdoppel_m via Twitter). "VW - Vertrauen weg." (Unbekannter Leser via Mail)

11.48 Uhr: Auflösung Quizfrage 11.34 Uhr - Antwort D ist natürlich richtig. Die Volkswagen-Werks-Elf hatte der Lewandowski-Show der Bayern nichts entgegenzusetzen, und VfL-Manager Allofs soll sich für die Autos seines Brötchengebers schlicht nicht interessieren.

11.40 Uhr: Der europäische Autoverband ACEA sieht keine Anzeichen dafür, dass der Skandal um manipulierte Abgaswerte beim weltgrößten Autobauer VW ein Problem für die ganze Branche ist. "Es gibt keinen Hinweis, dass es sich dabei um eine branchenweite Angelegenheit handelt", erklärte der ACEA. Der Verband nehme die Situation aber sehr ernst.

11.34: Kurze Quizfrage, wer sagte folgenden Satz? "Wir haben das nicht im Stile einer Spitzenmannschaft gemacht." A. Winterkorn am Ende in seiner gestrigen Video-Botschaft B. Ein VW-Pressesprecher auf Anfrage von Reuters zum Abgasskandal C. Klaus Allofs, VfL-Manager des von VW gesponserten Bundesligaclubs auf Rücktrittsgerüchte um Winterkorn D. Klaus Allofs nach der gestrigen 1:5-Klatsche gegen die Bayern ... die Auflösung verraten wir in Kürze ...

11.20 Uhr: Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums mehrere Strafanzeigen "aus der Bevölkerung" gegen Verantwortliche von VW eingegangen. In Betracht komme unter anderem Betrug zu Lasten von Autokäufern, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Anzeigen würden derzeit geprüft.

11.04 Uhr: Hat die Börse bei VW übertrieben? Investoren jedenfalls greifen aktuell bei der VW-Aktien zu, und treiben den Kurs mit rund 3,7 Prozent ins Plus. Hatten die Aktien von BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen unter dem VW-Kurssturz zuletzt gelitten, ziehen ihre Kurse nun auch an.

Volkswagen in Brasilien: Die Vergangenheit könnte Volkswagen in dem lateinamerikanischen Land, in dem der Konzern seit Jahrzehnten produziert, jetzt vor Gericht einholen
10.20 Uhr: Mitten im Skandal um manipulierte Abgaswerte droht Volkswagen weiteres Ungemach: Gegen das deutsche Unternehmen wurde dort eine Zivilklage wegen seines Verhaltens während der Militärdiktatur eingereicht. VW habe damals in Brasilien die Folter und illegale Festnahme von Mitarbeitern hingenommen, begründete das Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation seine Klage. Während der Militärdiktatur zwischen 1964 bis 1985 habe VW "die Existenz einer Staatspolizei im Inneren des Unternehmens" sowie Festnahmen am Arbeitsplatz zugelassen, sagte ein Sprecher des Forums der Nachrichtenagentur AFP. Zwölf ehemalige Mitarbeiter des VW-Werks nahe Sao Paolo seien laut Klageschrift festgenommen und gefoltert worden. Dutzende Mitarbeiter seien auf schwarzen Listen geführt worden. VW soll nun daher kollektive Entschädigung zahlen, fordern die Kläger. "Volkswagen war nicht das einzige beteiligte Unternehmen, aber es hatte in São Paulo eine Führungsrolle und es hat sogar andere (Unternehmen) koordiniert", sagte der Sprecher.

9.44 Uhr: Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats berät zur Stunde mögliche Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Dabei geht es auch um die berufliche Zukunft von VW-Chef Martin Winterkorn. Winterkorn selbst hat einen Rücktritt abgelehnt und will die Affäre aufarbeiten.

Alles Lesenswerte zum VW-Abgasskandal finden Sie hier.

9.21 Uhr: Wir wollen Ihnen nicht vorenthalten, dass selbstverständlich auch die Vereinten Nationen ihren Unmut zum VW-Skandal zu Protokoll gegeben haben. Das Eingeständnis des Konzerns, Millionen Autos weltweit mit einer Software zur Manipulation von Emissionstestergebnissen ausgestattet zu haben, sei "äußerst beunruhigend", sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Stéphane Dujarric. "Die Autoindustrie muss ein Partner sein bei allen Bemühungen des Privatsektors, den Klimawandel zu bekämpfen." Der Sprecher rief Volkswagen zur "vollen Kooperation" bei der Aufklärung auf.

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