Freitag, 19. Juli 2019

VW im Sog der Abgasaffäre VW drohen Steuernachzahlungen +++ Deutsche verlieren Vertrauen

Designierter VW-Finanzchef: Frank Witter

6. Teil: VW stellt Aktionsplan für Dieselfahrzeuge vor

Dienstag, 29.09., 19 Uhr: Das Aufsichtsratspräsidium des krisengeschüttelten Autobauers Volkswagen trifft sich am morgigen Mittwoch, um über den Abgasskandal zu beraten. Volkswagen steckt in der wohl tiefsten Krise seiner Geschichte, nachdem vor gut eineinhalb Wochen bekannt geworden war, dass in den USA Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen mit einer Software manipuliert worden waren. Das Programm kann dafür sorgen, dass im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen werden als im regulären Betrieb. Es steckt weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen des Wolfsburger Konzerns.

16.30 Uhr: Im Abgas-Skandal hat VW einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vorgestellt und will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen. Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von "Servicemaßnahmen". Ex-VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard bestritten unterdessen, etwas vom Einbau der Diesel-Manipulationssoftware gewusst zu haben.

VW Golf VI: Neben dem neuen Golf sind auch die Modelle Passat und Tiguan betroffen, die mit einem Dieselmotor des Typs EA 189 ausgestattet sind. In Deutschland sind es 5 Millionen Pkw, die VW nun nachbessern wird
VW hatte bereits am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass von der Konzern-Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ebenfalls bereits bekannt ist, dass es insgesamt um elf Millionen Fahrzeuge geht, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns wollen den zuständigen Behörden im Oktober die technischen Lösungen vorstellen. Die betroffenen Autos bestimmter Baujahre und Modelle - darunter der Golf sechs, der Passat der siebten Generation oder die erste Generation des Volkswagen Tiguan - sind mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Dass diese Modelle den Motor enthalten, hatte VW bereits am vergangenen Freitag bekanntgegeben. Der Autokonzern hatte mit einer Software Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA manipuliert.

15 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht mit der Affäre um manipulierte Fahrzeug-Abgassysteme das weltweite Vertrauen in deutsche Wertarbeit in Gefahr. Die VW-Affäre sei ein "Desaster ersten Ranges" und nicht nur schlimm für Volkswagen selbst. "Das kann unter Umständen sehr tief gehen, dass das ganze Vertrauen in die Marke "Made in Germany" erschüttert wird", sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Die ganze Welt verbinde mit "Made in Germany" Zuverlässigkeit, Solidität, technische Kompetenz und Technologieführerschaft. Baden-Württemberg habe ein großes Interesse daran, das Vertrauen in die Automobilindustrie wieder herzustellen, sagte Kretschmann. Denn in Baden-Württemberg hänge jeder vierte Arbeitsplatz von der Branche ab.

14 Uhr: Der Kurssturz der Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen in den vergangenen Handelstagen dokumentiert den Vertrauensverlust der Investoren drastisch. Doch könnte es noch schlimmer kommen, signalisiert jetzt eine Umfrage unter 62 institutionellen Anlegern von Evercore ISI. Zwei von drei befragten Großanlegern gaben zu Protokoll, die Aktie zu meiden, sollten die finanziellen Risiken, die mit dem Abgasskandal verbunden sind, unklar bleiben. "66 Prozent der Investoren sind überzeugt, dass es nicht möglich ist, die kommenden sechs Monate in die VW-Aktie zu investieren, wenn die Kosten, Geldbußen, rechtlichen und Strafverfahren nicht ausreichend quantifiziert werden", schreibt Evercore-Analyst Arndt Ellinghorst.

Autozulieferer Schaeffler: Das Unternehmen will seine horrenden Schulden abbauen. Der Nettoerlös aus dem geplanten Börsengang wird auf rund 3 Milliarden Euro geschätzt - das allerdings war vor dem Kurssturz der Auto- und Autozulieferer-Aktien im Zuge des VW-Skandals
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Autozulieferer Schaeffler: Das Unternehmen will seine horrenden Schulden abbauen. Der Nettoerlös aus dem geplanten Börsengang wird auf rund 3 Milliarden Euro geschätzt - das allerdings war vor dem Kurssturz der Auto- und Autozulieferer-Aktien im Zuge des VW-Skandals
13.15 Uhr: Wegen der Turbulenzen um Volkswagen Börsen-Chart zeigen könnte sich der Börsengang von Schaeffler um einige Tage verzögern. Ursprünglich sollte die Aktie nächsten Montag erstmals gelistet werden. "Das Problem ist, dass sich potenzielle Investoren anderen Themen zugewandt haben", sagte ein Insider und verwies dabei auf die VW-Affäre um gefälschte Diesel-Abgaswerte. Ob es tatsächlich zur Verzögerung kommt, stehe aber noch nicht fest. Im Zuge der Affäre brachen auch die Aktienkurse einiger Autozulieferer ein. "Die VW-Geschichte belastet den Börsengang", hieß es.

12.05 Uhr: Vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals bei Millionen Dieselautos fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) umfassende Reformen in der Verkehrspolitik. So sei "nicht länger hinnehmbar, dass Dieselfahrzeuge in Deutschland weiterhin mit einer deutlich reduzierten Energiesteuer subventioniert" würden, erklärte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Zwar stießen Dieselmotoren etwas weniger klimaschädliches CO2 aus als die Benzinvarianten, doch entstünden zugleich andere Schadstoffe wie Ruß und Stickoxide. Die Besteuerung von Benzin und Diesel solle daher angeglichen werden.

11.50 Uhr: Bei Volkswagen werden die finanziellen Rückstellungen wegen des Abgasskandals nicht für die Lösung aller Probleme ausreichen. Dies geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf entsprechende Fragen bei einer Manager-Versammlung hervor, berichtet das Fachblatt "Automobilwoche". Die aktuell veranschlagten 6,5 Milliarden Euro seien vor allem für technologische Lösungen und Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen noch obendrauf. Allein durch US-Behörden könnten Volkswagen bis zu 18 Milliarden Dollar Strafzahlungen drohen, hieß es vor gut einer Woche.

11 Uhr: Welche Folgen der VW-Abgasskandal auf die Beschäftigten des Konzerns haben wird, ist völlig unklar. Die IG-Metall jedenfalls warnt das Management schon mal vor möglichen Stellenabbauplänen, sollte es bei VW wegen des Skandals schlechter laufen. Die Vorgänge bedeuteten einen "unendlichen Schaden" für das Produkt, das Unternehmen und den Standort Deutschland, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel am. Es sei klar, dass die Arbeitnehmer nicht dafür verantwortlich seien. "Mitbestimmung ist dafür da, dass die Arbeitnehmer nun nicht die Folgen dieser Krise tragen müssen." Es gelte: "Wir zahlen nicht für eure Krise." Auch die besonders ausgeprägte Mitbestimmung bei VW habe nichts dem Skandal zu tun. "Die Mitbestimmung bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden." Die Verantwortlichen müssten gefunden und persönlich zur Verantwortung gezogen werden.

"Unendlicher Schaden": IG-Metall-Chef Wetzel
9.48 Uhr: Arbeitnehmervertreter der VW-Tochter Audi sehen zu Unrecht den gesamten Konzern unter Beschuss. "Es handelt sich bei der Abgas-Affäre um einen grob fahrlässigen Fehler einiger weniger, der einem unternehmerischen Eigentor gleicht", heißt es in einem Brief des Gesamtbetriebsrates an die Mitarbeiter. "Es ist aber nicht das Versagen eines ganzen Konzerns, wie es in der Öffentlichkeit gerade diskutiert wird." Zu keinem Zeitpunkt sei die Sicherheit der Kunden in Gefahr gewesen. Dennoch lehrten die Vorfälle, dass die Unternehmenskultur neu durchdacht werden müsse - "hin zu Offenheit, Transparenz und gegenseitigem Vertrauen - weg von starren Hierarchien", hieß es in dem Brief. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, das Führungsleitbild bei Audi weiter voranzutreiben.

Die Arbeitnehmervertreter der VW-Tochter Audi sehen zu Unrecht den ganzen Konzern an den Pranger gestellt
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Die Arbeitnehmervertreter der VW-Tochter Audi sehen zu Unrecht den ganzen Konzern an den Pranger gestellt
9.10 Uhr: Auch von anderer Seite bekommt Volkswagen an der Börse Gegenwind. Wie Bloomberg berichtet, fliegt die Aktie aufgrund des Abgasskandals aus sämtlichen Nachhaltigkeits-Indizes des Index-Anbieters Dow-Jones. Das Papier werde aus dem DJSI World, dem DJSI Europe sowie damit zusammenhängenden Indizes genommen, heißt es. Auch dies dürfte den Kurs drücken, denn Fonds und andere Investoren, die sich an solchen Indizes orientieren, werden daraufhin Volkswagen-Aktien verkaufen.

8.30 Uhr: Anleger lassen Aktien von Volkswagen Börsen-Chart zeigen seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor gut einer Woche wie eine heiße Kartoffel fallen. Gestern schloss das Papier unter 100 Euro. Zur Erinnerung: Im Juli notierten die Vorzüge noch bei 220 Euro. Vorbörslich geht es heute Morgen mit dem Papier bei starken Umsätzen weiter abwärts, berichten die Broker von L&S: minus 1,56 Prozent knapp eine halbe Stunde vor Handelsbeginn.

7.30 Uhr: Dass auch VW-Nutzfahrzeuge vom Abgasskandal betroffen sein sollen, ist bereits bekannt. Jetzt eine konkrete Zahl: 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge sind ebenfalls manipuliert, berichtet die "Hannoversche Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf die Marke VW Nutzfahrzeuge. Die Marke umfasst die Modelle Transporter, Caddy, Crafter und Amarok umfasst.

7.15 Uhr: Im Zuge des VW-Dieselskandals sehen zigtausende Beschäftigte in der Dieselzulieferindustrie nun mit mit Bangen der Zukunft entgegen. "Wir haben vor allem ein Beschäftigungsproblem bei den Zulieferern, die heute Dieselteile liefern", sagt der designierte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der "Stuttgarter Zeitung". Er wies darauf hin, dass allein bei Bosch in Deutschland mehr als 15.000 Arbeitsplätze von dieser Antriebstechnologie unmittelbar abhängig seien. "Um die mache ich mir genauso viele Sorgen wie insgesamt um die Beschäftigten der Branche", sagte Hofmann. Sollte der Rotstift gezückt werden, träfe dies zuerst die Zulieferer.

Allein bei Bosch hängen 15.000 Jobs unmittelbar von der jetzt in Verruf geratenen Diesel-Antriebstechnologie ab
6.40 Uhr: VW kann von den erwarteten Milliardenkosten infolge des Abgasskandals nur einen Bruchteil von der Manager-Haftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssumme der sogenannten D&O-Versicherung dürfte kaum über einer halben Milliarde Euro liegen, sagte Michael Hendricks, Chef des Düsseldorfer D&O-Maklers Hendricks & Co. Laut dem Leiter der D&O-Versicherung des Maklers Aon in Hamburg, Marcel Roeder, liegt die Summe bei Dax-Konzernen häufig sogar nur bei 350 bis 400 Millionen Euro. Zu den von VW selbst geschätzten und in der Bilanz zurückgestellten 6,5 Milliarden Euro für Schäden der Affäre klafft damit ein riesiges Loch.

6.15 Uhr: Lobende oder wohlwollende Worte über Ex-VW-Chef Martin Winterkorn sind in diesen Tagen kaum noch zu vernehmen. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat dem zurückgetretenen VW-Chef Winterkorn, gegen den die Staatsanwaltschaft im Abgas-Skandal ermittelt, gleichwohl öffentlich für seine Arbeit an der Spitze von Europas größtem Autobauer gedankt. "Ich empfinde großen Respekt für die Lebensleistung von Martin Winterkorn. Er hat wirklich Großartiges geleistet", sagte Oppermann am Montagabend bei einem SPD-Wirtschaftsempfang in Berlin. Dort hatte Winterkorn als Hauptredner abgesagt.

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