Sonntag, 26. Januar 2020

VW-Chef will bleiben - Videobotschaft an Kunden und Mitarbeiter Winterkorn sieht "schlimme Fehler einiger weniger"

VW-Chef Winterkorn: "Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten"

2. Teil: Forscher sieht durch VW "Made in Germany" in Gefahr

Nicht zuletzt Volkswagen gilt als Aushängeschild für deutsche Wertarbeit, mit der deutsche Produkte über Jahrzehnte und auch jetzt noch im Ausland punkten. Diesen Nimbus "Made in Germany" und damit auch die deutsche Exportwirtschaft sehen Wirtschaftsforscher durch den VW-Abgasskandal jetzt gefährdet
Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies fordert aus dem VW-Skandal personelle Konsequenzen
8.40 Uhr: Die Abgas-Affäre bei VW könnte noch sehr viel größere Kreise ziehen und der deutschen Wirtschaft insgesamt schaden. So warnt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einem Jobabbau. "Der Imageschaden wird VW nicht nur in den USA, sondern auch global teuer zu stehen kommen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der "Bild". "Damit werden auch Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet sein." Die möglichen Strafzahlungen für VW seien "noch das geringste der Probleme". Fratzscher warnte, darüber hinaus könnten "auch andere deutsche Exporteure Schaden nehmen, denn VW war bisher ein Aushängeschild für Produkte "Made in Germany". Es müsse nun dringend "um Schadensbegrenzung für VW und für deutsche Exporteure allgemein gehen".

7.44 Uhr: Der VW-Aufsichtsrat wird erst am Freitag über den Abgas-Skandal des Konzerns beraten. Doch der öffentliche und interne Druck ist offenbar so groß, dass einzelne Mitglieder des Gremiums wie Olaf Lies schon jetzt personelle Konsequenzen als gesichert ankündigen. "Wir werden jetzt, glaube ich, in den nächsten Tagen und Wochen ... die Details erfahren, wer: wann, wo welche Entscheidungen getroffen hat, wer dafür verantwortlich ist", sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister dem Deutschlandfunk. "Und ich bin mir sicher, daraus wird es dann am Ende auch personelle Konsequenzen geben." Einen Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn forderte Lies nicht.

7.21 Uhr: Noch betrifft der Abgasskandal nur die USA - nach Einschätzung des Auto Club Europa (ACE) könnte sich dies aber ändern. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Hersteller auch hierzulande spezielle Software nur für die Abgastests einsetzen, um die Klimabilanz zu beschönigen", sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal. Das habe mit den tatsächlichen Abgaswerten des Autos im Alltagsverkehr aber rein gar nichts mehr zu tun. "Das ist systematische Verbrauchertäuschung, die weit verbreitet ist und schon lange praktiziert wird." Der ACE bezieht sich mit seinen Vorwürfen auf eigene Studien. Die Organisation ist nach eigenen Angaben mit rund 600.000 Mitgliedern der zweitgrößte Automobilclub in Deutschland hinter dem ADAC. Dieser hielt sich bislang mit Äußerungen zum Abgasskandal zurück.

7.10 Uhr: Großanleger erwägen juristische Schritte gegen VW. Anfragen zur Prüfung von Schadenersatzansprüchen seien eingegangen, berichten die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf die Anwaltskanzlei Tilp in Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen). VW-Aktionären stehe nach Ansicht der auf Kapitalrecht spezialisierten Kanzlei Schadenersatz in Milliardenhöhe zu. Als Höhe des Schadens pro Aktie sei die Differenz zwischen dem höchsten Aktienkurs am Freitag und den niedrigsten Kurs am Montag (21. September) angemessen, erklärte Tilp-Anwalt Marc Schiefer gegenüber dem Blatt.

6.55 Uhr: Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen in den USA hat sich der Amerika-Chef von VW, Michael Horn, entschuldigt. "Wir waren unehrlich", sagte Horn am Montagabend bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut."

VWs US-Chef Horn: "Wir waren unehrlich"
Der VW-Abgasskandal
Volkswagen hat eingeräumt, die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben. Bis zu 500.000 Fahrzeuge in den USA sind betroffen. Die US-Umweltbehörde EPA führt eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act". Dem Dax-Konzern drohen deswegen Strafzahlungen in Milliardenhöhe und ein nicht abzuschätzender Imageschaden.
6.50 Uhr: Das US-Justizministerium ermittelt, ob VW kriminelle Machenschaften vorzuwerfen seien, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Untersuchung vertraute Personen.

6.42 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Im VW-Abgasskandal halten wir Sie auch heute auf dem Laufenden. Lesen Sie hier, was bislang geschah.

Supergau für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Sein Unternehmen hat jahrelang falsche Angaben zum Abgasausstoß seiner Fahrzeuge in den USA gemacht. Etwa 500.000 Autos müssen zurückgerufen werden, es droht eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Dollar. Doch damit ist es nicht getan. manager-magazin.de nennt acht Gründe, warum für VW noch viel mehr auf dem Spiel steht.

Grund Nr. 1: Volkswagen hat seine Kunden und die US-Behörden vorsätzlich hinters Licht geführt.

Das hat der Konzern inzwischen eingestanden. Wer intern verantwortlich ist und welche Schuld Konzernchef Martin Winterkorn trifft, wird nun geklärt. Doch es scheint ausgeschlossen, dass die US-Kunden einen derartigen Vertrauensbruch schnell verzeihen. Vielmehr werden sie die Frage stellen: Welchen Angaben von Volkswagen kann ich künftig überhaupt noch glauben?

Grund Nr. 2: In den USA läuft es ohnehin miserabel für Volkswagen.

Anstatt eines Skandals brauchen die Wolfsburger in den Vereinigten Staaten dringend steigenden Absatz. Im Gesamtjahr liegt VW dort mit 238.000 verkauften Autos bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl der Markt wächst.

Grund Nr. 3: Volkswagens wichtigstes Verkaufsargument in den USA ist zerstört.

Als Gegenstück zu Toyotas erfolgreichen Hybridautos hatte Volkswagen den "Clean Diesel" erfunden. Saubere und sparsame Dieselautos waren das große Alleinstellungsmerkmal von Volkswagen in den USA. Doch nun muss man wohl von "Dirty Diesel" reden.

Grund Nr. 4: Volkswagen liegt nicht nur mit der Washingtoner Bundesbehörde im Clinch, sondern auch mit der extrem strengen kalifornischen Luftreinhalte-Behörde (im Bild: Chefin Mary Nichols).

Im von Smog geplanten Los Angeles und anderen Teilen des Bundesstaats hat der Kampf gegen tödliche Luftverschmutzung eine lange Tradition. Wer gegen Auflagen verstößt, hat dort das Image eines Brunnenvergifters.

Grund Nr. 5: Die gerade erzeugte Aufbruchstimmung bei Volkswagen ist dahin.

Der Konzern wollte gerade mit neuen Autos und neuen Topmanagern durchstarten. Auf der IAA präsentierte das Unternehmen seine Idee von umweltfreundlichen Autos der Zukunft (im Bild der Audi E-Tron Quattro Concept mit Audi-Chef Rupert Stadler). Zudem hat das Unternehmen gerade wichtige Personalien geregelt. So führt Hans Dieter Pötsch den Aufsichtsrat und Herbert Diess die Marke Volkswagen. Sie müssen sich jetzt als Krisenmanager bewähren.

Grund Nr. 6: Der Skandal wird sich nicht auf die USA beschränken.

Volkswagen hat nun ein generelles Glaubwürdigkeitsproblem. Schon wollen Experten wissen, ob der Konzern auch in Europa oder China getrickst hat, wo Luftverschmutzung tausende Tote im Jahr fordert. Die deutsche Umwelthilfe fordert bereits ein Fahrverbot für Diesel-Autos in Deutschland.

Grund Nr. 7: Außer Strafzahlungen drohen Volkswagen in den USA Klagen in milliardenhohem Streitwert.

Autokäufer, Händler, Aktionäre - bereits einen Tag, nachdem Volkswagen die Manipulationen eingeräumt hat, melden sich vermeintlich Geschädigte zu Wort.

Grund Nr. 8: Volkswagen droht eine Vertrauens-Abwärtsspirale.

Investoren wissen nicht mehr, wie sie die VW-Aktie bewerten sollen. Sie wird faktisch zum Zockerpapier. Das belastet auch die Bonität des Unternehmens.

Die Unsicherheit liegt wie ein dunkler Schatten über Aktie und Unternehmen: Da derzeit niemand beziffern kann, auf welche Summe sich mögliche Strafzahlungen und Folgeschäden - nicht nur in den USA - beziffern, werden viele institutionelle Anleger sehr vorsichtig mit der VW-Aktie sein. Offen ist derzeit auch, welche personellen Konsequenzen der Skandal haben wird und wie er sich auf die Führungsstruktur von Europas größtem Autobauer auswirken wird - zumal das US-Recht auch Gefängnisstrafen für Verstöße gegen die Umweltgesetze vorsehen.

ts/rei/dpa/Reuters/AFP

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