VW-Großaktionäre debattieren über Dividenden-Hebel Familien Porsche und Piëch entscheiden über Entmachtung Niedersachsens

Von mm-newsdesk
Was hat er vor? Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch, hier auf der VW-Hauptversammlung 2009

Was hat er vor? Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch, hier auf der VW-Hauptversammlung 2009

Foto: Marcus Brandt/ picture alliance / dpa
Fotostrecke

Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Die Familien Porsche und Piëch wollen im Streit um die Zahlung einer Dividende bei Volkswagen über ein gemeinsames Vorgehen beraten. Am Montag sei eine Sitzung des Aufsichtsrats der Porsche SE anberaumt, auf der das Abstimmungsverhalten für die am 22. Juni angesetzte VW-Hauptversammlung festgelegt werden solle, sagten zwei mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei, eine gemeinsame Linie zu finden. Sollte schon vorher eine Einigung erzielt werden, könne die Aufsichtsratssitzung auch entfallen, sagte eine der Personen. Die Stimmrechte der Porsche SE werden auf der VW-Hauptversammlung üblicherweise von einem Vertreter ausgeübt.

Der VW-Kontrollrat hatte Ende April gegen den Willen mehrerer Familienmitglieder beschlossen, den Aktionären trotz des höchsten Verlusts in der Unternehmensgeschichte im Zuge des Dieselskandals eine Minidividende von elf Cent je Stamm- und 17 Cent je Vorzugsaktie vorzuschlagen. Im Vorjahr waren an die Eigner noch 4,80 je Stamm- und 4,86 Euro zu Vorzugsaktie gezahlt worden.

Über die Porsche SE halten die Familien Porsche und Piëch gut 52 Prozent der Stimmrechte. Weitere VW-Eigner sind das Land Niedersachsen mit 20 Prozent und das Emirat Katar mit 17 Prozent.

Warum sich Niedersachsen für eine Ausschüttung stark macht

Seit der VW-Aufsichtsratssitzung Ende April steht die Drohung von Teilen der Familien im Raum, auf der Hauptversammlung gegen die Ausschüttung einer Dividende zu stimmen. Ein nicht genanntes Mitglied des Porsche-Piëch-Clans soll aus Verärgerung über die Entscheidung damit gedroht haben, berichteten zwei Insider. Eine weitere Person mit Kenntnis der Beratungen bestätigte den Streit. Für eine Ausschüttung hatten den Eingeweihten zufolge die zwölf Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes im Aufsichtsrat gestimmt. Dagegen seien vier Familienvertreter und die beiden Entsandten Katars gewesen. Am Ende haben nach Informationen von manager-magazin.de aber sämtliche Familienvertreter für die Dividende gestimmt.

Über die Motive für das Lager der Opponenten wird seither gerätselt. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte sich den Insidern zufolge der Stimme enthalten. Weder Volkswagen  noch Porsche äußerten sich.

Die Frage einer Dividendenzahlung ist kritisch, weil dahinter die Absicht einer Entmachtung Niedersachsens als VW-Aktionär vermutet wird. Sollte die Dividende zwei Jahre nacheinander ausfallen, erhalten die stimmrechtslosen Vorzugsaktien einmalig ein Stimmrecht. Der Anteil Niedersachsens würde dann unter die wichtige Schwelle von 20 Prozent fallen und das Land seine Sonderstellung als VW-Aktionär verlieren. Es wäre womöglich der Beginn einer Umwälzung der Machtverhältnisse bei Europas größtem Autokonzern.

Die Macht des Ex-Patriarchen Ferdinand Piëch

Sinn machte dieses Unterfangen nach Meinung von Experten allerdings nur, wenn die Verwässerung der Anteile dazu genutzt würde, eine Kapitalerhöhung durchzusetzen. "Man kann davon ausgehen, dass das Land dabei nicht mitziehen kann", sagte einer der Insider. Dann könnte Niedersachsen sein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen dauerhaft verlieren.

Ein solches Vorgehen würde allerdings die Bundesregierung und die mächtige IG Metall auf den Plan rufen. Denn die Sonderstellung Niedersachsens bei Volkswagen ist im VW-Gesetz verankert. Der Grund für die starke Stellung der Arbeitnehmer bei dem Wolfsburger Unternehmen liegt ebenfalls in der Geschichte des Autobauers. Diese Grundpfeiler von Volkswagen würde niemand antasten, glauben Kenner des Unternehmens. Auch Ferdinand Piëch nicht.

Allerdings könnte er Interesse haben, mit einem zumindest einmaligen Dividenden-Ausfall einen Warnschuss in Richtung Niedersachsen abzufeuern - etwa um deren enges Zusammenspiel mit den Arbeitnehmern zu lockern. Folgte die SPD-Regierung diesem Kalkül, käme das einer Entmachtung zumindest auf Zeit gleich.

Dem im Groll bei Volkswagen ausgeschiedene VW-Patriarchen Piëch werden nach wie vor Rachegelüste nachgesagt, nachdem er im April 2015 einen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn verlor. Piëch unterlag damals im Aufsichtsratspräsidium gegen die Stimmen Niedersachsens, der Arbeitnehmer und seines Cousins Wolfgang Porsche. Er legte daraufhin alle Ämter in dem von ihm über Jahrzehnte geprägten Konzern nieder, ist aber weiterhin auch privat Großaktionär mit erheblichem Einfluss auf die Familien.

Fotostrecke

Volkswagen-Bilanz 2015: Das haben die VW-Vorstände im Krisenjahr verdient

Foto: Getty Images
Reuters, soc