Freitag, 15. November 2019

VW-Patriarch streut Zweifel an VW-Chef Piëch: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"

Piëch, Winterkorn (im Hintergrund): Der VW-Patriarch streut Zweifel daran, dass ihm der amtierende VW-Chef an der Spitze des Aufsichtsrats nachfolgen wird

VW-Chef Martin Winterkon hat einem Bericht des SPIEGEL zufolge keine Chancen mehr, in den Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer zu wechseln. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch geht auf Distanz.

"Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", zitierte der "SPIEGEL" den mächtigen VW-Aufsichtsratschef am Freitag in einem Vorabbericht. Der 77-jährige Firmenpatriarch streute damit Zweifel, ob Winterkorn ihn nach seiner Amtszeit an der Konzernspitze im Aufsichtsrat beerben kann.

Bislang waren Insider davon ausgegangen, dass Winterkorn, dessen Vertrag noch bis Ende 2016 läuft, auch danach noch ein, zwei Jahre an der Spitze des Zwölf-Markenkonzerns bleibt, bevor er Piëch als Aufsichtsratschef ablöst.

Den beiden Ingenieuren Piëch und Winterkorn wurde bislang ein besonders vertrauensvolles Verhältnis nachgesagt. Deshalb sind Piëchs Äußerungen eine Überraschung. VW-Kenner gehen davon aus, dass Piëchs Äußerungen Winterkorns Stellung im Konzern erheblich schwächen dürften. Damit stellt sich die Frage, ob der 67-Jährige seinen Vertrag tatsächlich noch einmal verlängert. VW wollte sich nicht dazu äußern.

Kritik an Winterkorn wegen Probleme in den USA

Dem Bericht des SPIEGEL zufolge mehrt sich im Aufsichtsrat Kritik an dem VW-Boss, der den Konzern seit 2007 führt. So werfe Piëchs Bruder Hans Michel, der ebenfalls im VW-Aufsichtsrat sitzt, Winterkorn Versäumnisse vor. Zu Piëchs Kritikpunkten zählt demnach, dass Winterkorn die Probleme im US-Geschäft bislang nicht in den Griff bekommen hat und die Hauptmarke VW bei der Ertragskraft schwächelt.

Der Konzernchef hatte im vergangenen Sommer ein Sparprogramm aufgelegt, um VW bei der Rendite auf die Sprünge zu helfen. Bis 2017 sollen fünf Milliarden Euro eingespart werden. Drittes Problemfeld ist, dass VW seit Jahren zwar über den Einstieg ins Billigsegment diskutiert, bislang aber keine Entscheidung getroffen hat.

AR-Spitze: "Keine Familienmitglieder, auch nicht meine Frau"

Spekulationen, er könne seine Ehefrau Ursula Piëch zu seiner Nachfolgerin küren, erteilte der VW-Patriarch eine Absage. "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen und das sind keine Familienmitglieder, das ist auch nicht meine Frau", zitierte der "SPIEGEL" Piëch weiter. Ursula Piëch ist bislang Mitglied des VW-Aufsichtsrats. "Mehr wird sie nicht machen", fügte Piëch hinzu. Er wolle nicht durch seine Frau weiterregieren.

Piëch hat in der Vergangenheit bereits einige Male durch Äußerungen im "Spiegel" Entwicklungen im Unternehmen beeinflusst. So war das Nachrichtenmagazin einige Zeit sehr gut über Piëchs Pläne zur Eingliederung von Porsche bei Volkswagen informiert. Vor acht Jahren sorgte Piëch zudem dafür, dass VW-Chef Bernd Pischetsrieder den Hut nehmen musste. Dabei nutzte der Porsche-Enkel die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer, um den früheren BWM-Chef loszuwerden.

la/reuters

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