Radikal-Umbau der Volkswagen AG "Wir stellen hier einen traditionellen Konzern auf den Kopf"

75 Minuten lang hat Konzernchef Matthias Müller seine neue Strategie der Öffentlichkeit vorgestellt - mit einer rund 45minütigen Rede, gefolgt von rund 30 Minuten Fragen und Antworten mit Journalisten. Die Investoren überzeugte er zumindest nicht: Die Aktien von Volkswagen (Vorzüge)  glitten am Nachmittag um mehr als 2,5 Prozent ins Minus.

Nachfolgend die wichtigsten Punkte der neuen Volkswagen-Strategie:

  • Volkswagen baut einen eigenen Geschäftsbereich für Mobilitätsdienste auf, der zur zweiten Säule des Konzerns neben dem klassischen Kerngeschäft werden soll. Mit solchen Diensten will der Konzern bis 2025 einen "Umsatz in substanzieller Milliardenhöhe" machen.
  • Elektroautos sollen im Jahr 2025 rund 20 bis 25 Prozent des Konzern-Gesamtabsatzes ausmachen. Die Bedeutung von Elektromobilität wächst im Konzern also stark. Batterietechnologie wird ein"neues Kompetenzfeld" , VW erwägt auch den Bau einer eigenen Batteriefabrik.
  • Der Konzern soll "in allen Marken und Bereichen effizienter" werden. Jährlich will Müller 8 Milliarden Euro durch Effizienzsteigerungen einsparen . Reduziert wird künftig nicht nur die Zahl der modularen Baukästen von zwölf auf vier. Auch die Gesamtzahl von 340 Modellvarianten will Müller reduzieren. Um wie viel, soll aber erst im November feststehen.
  • Volkswagen will seine Komponentenwerke neu ausrichten und sie möglicherweise aus dem Konzern ausgliedern - als eigenständiges Unternehmen . In dem Bereich arbeiten 67.000 Mitarbeiter an 26 Standorten, das neue Unternehmen wäre also auf einen Schlag einer der größten Autozulieferer in Europa. Details zur möglichen Ausgliederung will Volkswagen aber erst im Herbst bekanntgeben.

Details zu Müllers Aussagen finden Sie in den Newsblog-Einträgen weiter unten.

Der Konzernchef und sein Planer: Volkswagen-Boss Matthias Müller (re.) und Gruppen-Strategievorstand Thomas Sedran (li.)

Der Konzernchef und sein Planer: Volkswagen-Boss Matthias Müller (re.) und Gruppen-Strategievorstand Thomas Sedran (li.)

Foto: AFP

13:16 Uhr: Zuletzt kam noch eine von vielen Fragen zur Neuausrichtung des Komponentenbereichs. Da bittet Müller nun öffentlich um etwas Geduld. Die Grundsatzentscheidung zur Neuausrichtung sei gefallen, die Details dafür werden gerade erarbeitet - und erst im November bekanntgegeben.

13:07 Uhr: Bei einem Thema wird Müller jedoch ziemlich schmallippig. Die Zahl von 340 Modellvarianten weltweit soll schrumpfen, hatte Müller in seiner Rede erklärt. Wie viele Modelle soll es künftig geben, will ein Journalist wissen. Da verweist Müller auf eine Pressekonferenz zu Ende des Sommers oder im November. Da soll es dann klare Zahlen zu den künftigen Modellvarianten geben.

13:03 Uhr: In der Fragerunde bekräftigt Müller auch nochmal eine spannende Zahl: Jährlich soll Volkswagen künftig acht Milliarden Euro durch Effizienzsteigerungen sparen.

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Studie zu innovationsstärksten Automarken: Diese Neuerungen der Autohersteller sind richtig gut

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12:58 Uhr: Wo gab es denn bei der Erarbeitung der neuen Strategie die größten Diskussionen, will ein Journalist wissen. Da lässt Müller einen seltenen Einblick zu. Die Erarbeitung der gesamten Strategie sei sehr anspruchsvoll gewesen. "Wir stellen hier einen traditionellen Konzern auf den Kopf, da gibt es nicht nur Begeisterung", so Müller. Doch der epochale Wandel, stellt der Konzernchef klar, findet jetzt statt. Das sei auch der Grund, weshalb er jetzt den Konzern neu aufstellen will. "In fünf Jahren ist der Zug vielleicht abgefahren."

12:53 Uhr: Wie will VW mit seinem Einstieg bei Gett und Mobilitätsdiensten Geld verdienen, will eine Journalistin wissen: Müllers Antwort geht in die Richtung, dass er das noch nicht ganz exakt wisse, aber mit dem "Ride-Hailing", also derzeit dem Taxi-Rufen per App, ein erster Schritt gemacht sei.

Strategievorstand Sedran gestattet sich noch einen kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz: VW könne mit seinem Einstieg bei Gett viel Einfluss auf das junge Unternehmen nehmen. Das dürfte der Konkurrenz, die bei den Fahrdienst-Anbietern Uber und Lyft eingestiegen ist, angesichts der Größe der Unternehmen deutlich schwerer fallen.

12:47 Uhr: Wenn wir schon bei sportlichen Vergleichen sind: Müller erklärte in seiner Rede, dass VW sich die überschüssigen Pfunde abtrainieren soll. Dieses Sprachbild findet eine Autorin wenig gelungen:

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"Der Wandel ist unser Verbündeter, nicht unser Feind"

Darum geht's gerade: Die Zukunft der Volkswagen Gruppe» steht am 16.06.2016 auf einem Monitor bei der Pressekonferenz

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Subvention für Batteriefahrzeuge: Diese Elektroautos macht die Kaufprämie am billigsten

Foto: YOSHIKAZU TSUNO/ AFP

12:45 Uhr: Jetzt ist die Fragerunde eröffnet. Strebt VW nun weiterhin die Weltführerschaft an - als ökologisch und wirtschaftlich führender Automobilkonzern, fragt ein Jounalist. Die Antwort von Strategievorstand Sedran: Als ehemaliger Leistungssportler wisse er, dass man zwar mit Platz 2 und 3 auch auf dem Podest stehe, aber die Nummer eins zu sein sei schöner.

12:40 Uhr: Müller geht in den Endspurt: Volkswagen soll künftig "kundennäher, innovativer, nachhaltiger" werden und "konsequent auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet". "Der Wandel ist unser Verbündeter, nicht unser Feind", sagt Müller nun.

12:35 Uhr: Und jetzt geht's ums Geld - also darum, wie Müller die schöne neue, flexible VW-als-Dienstleister-Welt finanzieren will. Bei den Vertriebs- und Verwaltungskosten peilt Müller langfristig eine Reduktion auf unter 12 Prozent an. Die operative

12:32 Uhr: Nun erklärt Müller, warum Mobilitätsdienstleistungen künftig ein wichtiger Bestandteil von VW werden sollen. Denn der Bereich - der in Berlin angesiedelt sein wird - soll allen Marken zuarbeiten. Der Einstieg bei Gett war nur der erste Schritt, Müller verspricht Robo-Taxis und Ähnliches. Bis 2025 strebt VW dabei einen "substanziellen Umsatz in Milliardenhöhe" an, sagt Müller nun.

12:25 Uhr: Der Volkswagen-Konzern soll zum E-Auto-Massenanbieter werden: Im Jahr 2025 soll Elektroautos für ein Drittel des Konzern-Gesamtabsatz sorgen. Und auch die Batterietechnik soll neue Kernkompetenz werden. "Diese Grundsatzentscheidung ist gefallen", sagt Müller. Und erstmals nennt er auch Zahlen: VW wird den riesigen Bedarf von 150 Gigawattstunden an Autobatterien haben.

12:23 Uhr: Klare Ansagen macht Müller auch zur Finanzlage: Die Neuausrichtung dürfte einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag kosten. Das muss durch Effizienzsteigerungen aller Marken im Konzern finanziert werden. Deutlich wird Müller auch bei der Kernmarke VW: Deren Profitabilität und Rentabilität wird deutlich steigen, verspricht er.

12:21 Uhr: Müllers Initiativen auf einem Blick:

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12:20 Uhr: Eine neue Richtung schlägt Müller auch beim Billigauto ein: Das soll künftig mit regionalen Partnern entwickelt werden. Autonomes Fahren soll bei Volkswagen viel wichtiger werden, Batterietechnologien sollen künftig Kernkompetenz von VW werden.

12:15 Uhr: Jetzt geht's in die Details: Erster Eckpfeiler der Strategie ist die Transformation des Kerngeschäfts: Die Gesamtzahl der derzeit 340 verschiedenen Modelle will Müller künftig reduzieren, die Elektrifizierung beschleunigen, und Verschlankt werden auch die modularen Baukästen: Müller will statt zwölf mit nur vier Baukästen auskommen.

"Wir haben gravierende Schwächen"

12:12 Uhr: Ein US-Journalist hält fest: Müller tritt implizit vom Anspruch zurück, weltgrößter Hersteller sein zu wollen.

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

12:07 Uhr: Jetzt muss Müller gleich zu Anfang den Abgasskandal erwähnen - in seiner Bestandsaufnahme, die von der "Diesel-Thematik" überschattet wurde. Die Ziele, die sein Vorgänger Martin Winterkorn im Jahr 2007 setzte, wurden aber vorzeitig erreicht. Und Müller gibt ehrlich zu: "Wir haben gravierende Schwächen: Bei der Kultur, der Struktur und der Effizienz." Diese seien seit dem Abgasskandal deutlicher zutage getreten. VW habe aber auch Stärken - wie etwa ein großes Portfolio an Marken, eine sehr breite weltweite Aufstellung und nach wie vor loyale Kunden. Darauf will Müller nun aufbauen.

VW-Chef Matthias Müller vor wenigen Monaten in Genf: Nun weist er den Weg nach vorn mit seiner Strategie 2025

VW-Chef Matthias Müller vor wenigen Monaten in Genf: Nun weist er den Weg nach vorn mit seiner Strategie 2025

Foto: DPA

12:00 Uhr: Fast schon auf die Sekunde genau legen die VW-Leute los. Neben Müller steht VW-Strategievorstand Thomas Sedran. Müller bezeichnet die "Together Strategie 2025" genannte Marschroute als "den größten Veränderungsprozess in der Geschichte von Volkswagen", der nun auf den Weg gebracht wird.

11:55 Uhr: Mit seinem Strategieplan bis zum Jahr 2025 setzt Müller seinen 600.000 Mitarbeitern neue Ziele. Dem Rest der Welt erklärt er damit, wie er den Autoriesen nach dem Abgasskandal wieder flott bekommen und in eine neue, sauberere Zukunft fahren will. Seinen Masterplan hat er übrigens nicht alleine entworfen: 250 VW-Mitarbeiter arbeiten seit Jahresanfang an der neuen Strategie, Federführend an Müllers Seite stehen mit Thomas Sedran und Johann Jungwirth zudem zwei neue Manager, die erst ein halbes Jahr an Bord sind.

11:50 Uhr: Ein schmuckes Logo für die neue Strategie gibt es schon, wie Journalisten vor Ort berichten:

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Leistungsvergleich der Autohersteller: So rutscht VW im Zahlen-Check ab

Foto: Martial Trezzini/ picture alliance / dpa

11:45 Uhr: Schicksalstag für den Volkswagen-Konzern und seinen Chef Matthias Müller: Ab 12 Uhr stellt der Konzernchef die "Strategie 2025" vor, also die Marschroute für die kommenden neun Jahre. Müller will Europas größten Autohersteller zum Klassenbesten in der neuen Autowelt machen. Bislang fuhr VW nicht gerade an vorderster Front bei bezahlbaren Elektroautos, Carsharing- und Mobilitätsdiensten oder digitalen Angeboten für jüngere Kunden. Das soll sich nun ändern.

Volkswagen überträgt Müllers Präsentation live im Internet . Wir greifen die spannendsten Aussagen des VW-Chefs heraus und berichten, wie die Online-Welt auf Müllers Masterplan reagiert.

Bevor's losgeht, empfehlen wir Ihnen - sozusagen als Vorspeise - folgende Stücke:

Leistungsvergleich: Diese Zahlen zeigen, warum VW den Wandel braucht Volkswagens neue Vorlieben: Die Eckpfeiler von VWs Strategie bis 2025

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