Freitag, 18. Oktober 2019

Trotz des VW-Abgasskandals VW-Manager bestehen auf Boni, Betriebsrat will Job-Pakt

VW-Chef Matthias Müller (rechts), Chefaufseher Hans Dieter Pötsch: Topmanager wollen Boni, die Mitarbeiter Garantien für sichere Jobs

Im VW -Konzern gibt es Streit um Bonuszahlungen für die Vorstände des kriselnden Autobauers. Laut "Spiegel online" wollen Top-Manager trotz drohender Milliardenstrafen im Abgas-Skandal nicht auf ihre Boni verzichten.

Ein VW-Sprecher bezeichnete den Bericht am Donnerstag als "pure Spekulation". Der Konzern lege seine Geschäftszahlen am 28. April vor. Im Geschäftsbericht informiere man dann auch über Gehalt und Boni für die Manager. "Spiegel Online" zitiert einen VW-Betriebsrat mit den Worten: "Dem Management fehlt offenbar jedes Gespür für den Ernst der Lage."

Auch von einer Zahlung an den früheren VW-Finanzchef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch berichtet das Magazin. Pötsch habe eine Entschädigung von knapp zehn Millionen Euro dafür erhalten, dass er vom besser dotierten Vorstandsposten in den Aufsichtsrat gewechselt sei.

Ein VW-Sprecher sagte dazu lediglich: "Der Volkswagen -Konzern steht dazu, die eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen aus dem Arbeitsverhältnis jedes Mitarbeiters zu erfüllen - das schließt das Vertragsverhältnis mit Herrn Pötsch als Vorstand ein."

Vorstandschef Matthias Müller hatte sich Ende des vergangenen Jahres für eine konzernweite Kürzung der Boni ausgesprochen. "Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen, auf allen Ebenen, vom Vorstand bis zum Tarif-Mitarbeiter", sagte er damals der "Wirtschaftswoche". Auch hier müsse die Unternehmensspitze Vorbild sein.

VW-Betriebsrat will Zusagen über jahrelange Jobsicherheit

Auch der VW-Betriebsrat tritt inmitten des Abgasskandals die Flucht nach vorn an: Die Arbeitnehmer fordern den Vorstand der VW-Kernmarke Verhandlungen über einen "Zukunftspakt" auf. Der soll die Jobängste beenden und Gewissheit auf Jahre bringen.

Nach einer monatelangen Konfrontation mit dem Vorstand der VW-Kernmarke sieht der Betriebsrat keine Basis mehr für die Zusammenarbeit über den vom Konzern geplanten Sparkurs in der bisherigen Form. Da ein "gravierendes Vertrauensproblem" vorliege, geht die Arbeitnehmervertretung um Chef Bernd Osterloh in die Offensive und rüstet sich für eine Machtprobe - mitten in der Abgas-Krise.

Um die aktuellen Spekulationen über die Sicherheit von Jobs und Werken in Deutschland zu beenden, fordert die Arbeitnehmerseite das Management zu Verhandlungen für einen "Zukunftspakt" auf. "Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben", schrieb der Betriebsrat an die VW-Belegschaft.

Der mit dem Schreiben in die Belegschaft getragene Konflikt markiert eine neue Qualität. Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess gerieten seit dem Ausbruch der Diesel-Krise schon mehrfach aneinander, es knallte heftig. Ein offener Bruch blieb aber aus. Das ist nun anders.

Der Vorwurf des Betriebsrates wiegt schwer: Er fürchtet, dass das Management angesichts der Abgas-Affäre den Renditedruck verschärft und die Lage bewusst ausnutzt, um gezielt auch die Axt an den Stellen anzusetzen. "So haben wir den Eindruck, dass der Diesel-Skandal hinterrücks dazu genutzt werden soll, personelle Einschnitte vorzunehmen, die bis vor wenigen Monaten kein Thema waren", heißt es in dem Brief, den auch die Betriebsratschefs aus Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Braunschweig und VW-Sachsen unterschrieben haben.

Pakt für sichere Job gab es zuletzt vor 10 Jahren

Einen Pakt für sichere Jobs gab es zuletzt vor zehn Jahren, als VW die Viertagewoche zu Grabe trug und Zugeständnisse mit Mehrarbeit ohne vollen Lohnausgleich errang. "Auch in der damaligen schwierigen Zeit ist es uns über verbindliche Vereinbarungen gelungen, die Zukunft für Unternehmen und Beschäftigte positiv zu gestalten. Dies ist auch heute unser Angebot an den Markenvorstand von Volkswagen", heißt es in dem Brief. "Wir wollen ein Ende der Spekulationen über die Zukunft von Menschen und Standorten von Volkswagen!"

Osterlohs Team hegt offenbar großes Misstrauen. So spricht es dem Markenvorstand die sprichwörtliche "Handschlag-Qualität" ab. "Ständige wechselnde Zielvorgaben, das Fehlen einer verlässlichen, langfristigen Strategie für die Marke Volkswagen oder pauschale, nicht zu Ende gedachte Sparvorgaben sind hierfür nur einige Beispiele." Nötig sei deswegen ein "klarer Richtungswechsel".

la/dpa/reuters

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung