Aiways U5 konkurriert ab April 2020 gegen VW ID.3 Mit diesem Elektro-SUV will China in Europa punkten

Ein Elektroauto zum "äußerst konkurrenzfähigen Preis" - das will Aiways mit seinem U5 in Europa liefern

Ein Elektroauto zum "äußerst konkurrenzfähigen Preis" - das will Aiways mit seinem U5 in Europa liefern

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Die Fachpresse bedachte sie mit der wenig schmeichelhaften Beschreibung "China-Kracher": Vor einem Jahrzehnt scheiterten Modelle der chinesischen Autohersteller Landwind und Brilliance ebenso spektakulär wie deutlich an europäischen Crashtest-Normen. Seither haben Autos made in China in Europa ein Imageproblem. Die Folge: Chinas aufstrebende Autokonzerne haben sich trotz globaler Ambitionen noch nicht so recht an den alten Kontinent herangewagt.

Doch das ändert sich nun. Bei Elektroantrieben wittern Chinas Autohersteller die Chance, endlich in Europa Fuß zu fassen. Das 2017 gegründete chinesische Elektroauto-Start-up Aiways soll dabei offenbar den Vorboten spielen. Im März 2019 präsentierte Aiways seinen Elektro-SUV U5 in Genf. Schon damals hieß es, dass Aiways mit seinem SUV U5 noch im Jahr 2020 nach Europa wolle. Nun hat Firmen-Mitgründer Fu Qiang in einem Interview das Startdatum präzisiert. Das Unternehmen hat zudem klargestellt, dass Aiways mit einem niedrigen Preis in den Markt gehen will.

Sämtliche Zertifizierungen für Europastart gesichert

In China liefert Aiways Ende dieses Monats die ersten U5-Modelle aus. Doch laut Fu hat das Unternehmen sich bereits sämtliche Zertifizierungen für einen Europastart gesichert und will bereits im zweiten Quartal 2020 in Europa loslegen. "Ich glaube, wir werden die ersten sein", erklärte Fu laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg . Konkurrenten seien noch in der Vorbereitungsphase - oder noch nicht einmal das.

Norwegen, Niederlande und Deutschland im Blick

Als Hauptmärkte in der EU nimmt Fu die Elektroauto-Hochburgen Norwegen und die Niederlande in den Blick, aber auch Deutschland. In China werde die Basisversion des U5 für 200.000 bis 300.000 Yuan (26.000 bis 38.000 Euro) erhältlich sein, heißt es in dem Bericht. Allerdings ist diese ausschließlich in China erhältliche Version mit einem Akku mit vergleichsweise geringer Kapazität ausgestattet, präzisierte Aiways nun in einer E-Mail.

In Europa will Aiways mit einer besser ausgestatteten Basisversion starten, in der ein leistungsstärkerer Akku für große Reichweiten verbaut sein wird. Auch wegen Transportkosten und Einfuhrzöllen werde der Preis höher liegen, jedoch "äußerst konkurrenzfähig" sein, kündigte Aiways an. Geplant sei ein europäischer Basispreis von rund 35.000 Euro, präzisierte eine Aiways-Sprecherin auf Nachfrage. Denn endgültigen Startpreis will Aiways im kommenden Frühjahr auf dem Genfer Autosalon bekanntgeben.

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Der vergleichsweise niedrige Preis ist aber dennoch ein Stück weit eine Kampfansage an Volkswagens Elektroauto-Hoffnung ID.3, die ab April 2020 ausgeliefert wird und deren Basisversion ab 30.000 Euro (inklusive deutscher Mehrwertsteuer, exklusive Umweltprämie) kosten soll.

Aiways fährt in eine noch unbesetzte Nische

Nach Aiways wollen auch weitere chinesische E-Auto-Bauer ihre Modelle nach Europa bringen: Der chinesische E-Auto-Hersteller Nio will seine Elektro-SUVs ab kommenden Jahr in Europa verkaufen, hat dafür aber noch kein präzises Start-Datum genannt. Zuletzt fuhr Nio, das in München ein Design- und Markententwicklungszentrum betreibt, in China allerdings hohe Verluste ein und kämpft laut Analysten mit massiven Geldproblemen. Das könnte die Europa-Expansionspläne verschieben oder gar ganz ausbremsen.

Das von ehemaligen deutschen BMW-Managern mitgegründete Start-Up Byton will seinen M-Byte, ein Elektro-SUV mit Bildschirm im XXL-Breitformat, im ersten Halbjahr 2021 in EU-Ländern verkaufen. Ein ähnliches Startdatum peilt die zu Great Wall Motors gehörende Nobelmarke Wey für ihre Elektro-SUV an.

Aiways wird in Europa um ein Jahr früher dran sein als seine chinesischen Konkurrenten - und das erst 2017 gegründete Unternehmen nimmt sich gleich eine vielversprechende Nische vor. Der 4,7 Meter lange U5 bietet bis zu sieben Personen Platz, ist aber viel günstiger als seine unmittelbaren Konkurrenten. Denn Audi e-tron, Mercedes EQC oder Teslas Model X fahren in der Oberklasse und kosten ab 80.000 Euro. Preislich ähnlich positionierte E-SUVs wie Hyundais Kona sind innen und außen deutlich kleiner aus als der U5.

Qualitativ dürfte der U5 - anders als Landwind und Brilliance vor zehn Jahren - durchaus mit europäischen Mittelklasse-Fabrikaten mithalten können. Die Verarbeitung wirke "hochwertig", schrieb ein deutscher Journalist, der einen U5-Prototypen auf einer Etappe einer Langstreckenfahrt fuhr. Und mit dem in den Prototypen verbauten 64 kWh-Akkus seien wohl 400 Kilometer Fahrt bei gemächlichem Autobahntempo möglich, meinte ein anderer.

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Dem nach wie vor vielfach schlechten Image chinesischer Produkte begegnet Aiways auch durch ein eher ungewöhnliches Verkaufsmodell. Statt den U5 über Autohändler zu offerieren, wollen die Chinesen ihr erstes Modell in Europa ausschließlich zum Leasing anbieten. Dafür arbeiten sie mit dem deutschen Start-up Vehiculum zusammen. Interessenten können sich den U5 künftig in Pop-up Stores und bei ausgesuchten lokalen Partnern ansehen, abschließen lassen sich die Leasing-Verträge für den U5 aber nur online.

Das Gründungsteam von Aiways besteht aus chinesischen Managern, die zuvor bei etablierten Autoherstellern wie Volkswagen, Volvo oder GM oder deren chinesischen Jointventure-Partnern SAIC und FAW gearbeitet haben. Finanziert wird Aiways bislang vorwiegend über staatliche Fonds - anders als zahlreiche chinesische Konkurrenten, denen die chinesischen Techkonzerne Tencent und Alibaba viel Geld gegeben haben.

Methanol-Brennstoffzelle als nächste Technologiestufe

Die Chinesen gehen bei der Vermarktung also für die Branche eher ungewöhnliche Wege. Sie haben aber auch starke Verbindungen nach Deutschland, der das schnelle Durchlaufen der EU-Genehmigungsprozesse wohl erleichtert hat. Denn Produktchef von Aiways ist der langjährige Audi-Ingenieur Roland Gumpert. Der 74-jährige Miterfinder des Quattro-Allradantriebs führt zudem auch das in Ingolstadt angesiedelte Gemeinschaftsunternehmen Gumpert Aiways, das als Europasparte und Entwicklungszentrum der Chinesen fungiert. Laut Eigenangaben "betreut" Gumpert Aiways SUV-Vorstoß in Europa, hat also an der europäischen Zulassung des U5 mitgewirkt.

Aiways hat sich deutsches Automobil-Know-How an Bord geholt; das dürfte nicht nur beim Europa-Start helfen, sondern die Fahrzeuge auch in den USA erfolgreicher machen.

Gumpert selbst ist allerdings schon eine Technologiestufe weiter: Er hat einen Sportwagen zur Serienreife entwickelt, dessen Elektroantrieb von einer Methanol-Brennstoffzelle gespeist wird. Auch der U5 soll künftig mit einem solchen Antrieb als Reichweitenverlängerer angeboten werden, wie Aiways vor kurzem verlautete. Die Flüssigkeit Methanol lässt sich wie Benzin in wenigen Minuten nachtanken, sie kann zu zudem nachhaltig aus Pflanzen gewonnen werden. Es gibt allerdings noch kaum Methanol-Tankstellen, doch laut Gumpert ließen sich bestehende Benzin- oder Dieselzapfsäulen kostengünstig auf Methanol umrüsten.

Gut möglich, dass sich Aiways mit Gumpert im Hintergrund nicht nur als Günstig-Elektroautoanbieter etabliert, sondern auch besonders langstreckentaugliche Fahrzeuge mit Methanoltank anbieten kann.

Anm. d Red: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Basisversion des U5 in Europa nur 25.000 Euro kosten solle. Aiways schickte uns dazu eine Richtigstellung, die wir hier gekürzt wiedergeben:

Der von Fu Qiang ursprünglich in dem Interview genannte Preis von 25.000 Euro beziehe sich auf eine ausschließlich in China erhältliche, "spezielle Flottenversion" des U5 mit "geringer" Batteriekapazität. Diese Version werde "außerhalb Chinas nicht verfügbar" sein. In Europa wird Aiways eine umfangreicher ausgestattete Einstiegsversion mit "marktgerechter Kapazität für große Reichweiten" anbieten. Den genauen Preis werde Aiways knapp vor der Markeinführung im Frühjahr 2020 nennen, er werde "im Marktsegment jedoch äußerst konkurrenzfähig" sein. Auf Nachfrage präzisierte Aiways, dass für die europäische Basisversion des U5 ein Preis um 35.000 Euro geplant sei.

Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.