Donnerstag, 5. Dezember 2019

Aiways U5 konkurriert ab April 2020 gegen VW ID.3 Mit diesem Elektro-SUV will China in Europa punkten

Ein Elektroauto zum "äußerst konkurrenzfähigen Preis" - das will Aiways mit seinem U5 in Europa liefern
imago images / CTK Photo
Ein Elektroauto zum "äußerst konkurrenzfähigen Preis" - das will Aiways mit seinem U5 in Europa liefern

Die Fachpresse bedachte sie mit der wenig schmeichelhaften Beschreibung "China-Kracher": Vor einem Jahrzehnt scheiterten Modelle der chinesischen Autohersteller Landwind und Brilliance ebenso spektakulär wie deutlich an europäischen Crashtest-Normen. Seither haben Autos made in China in Europa ein Imageproblem. Die Folge: Chinas aufstrebende Autokonzerne haben sich trotz globaler Ambitionen noch nicht so recht an den alten Kontinent herangewagt.

Doch das ändert sich nun. Bei Elektroantrieben wittern Chinas Autohersteller die Chance, endlich in Europa Fuß zu fassen. Das 2017 gegründete chinesische Elektroauto-Start-up Aiways soll dabei offenbar den Vorboten spielen. Im März 2019 präsentierte Aiways seinen Elektro-SUV U5 in Genf. Schon damals hieß es, dass Aiways mit seinem SUV U5 noch im Jahr 2020 nach Europa wolle. Nun hat Firmen-Mitgründer Fu Qiang in einem Interview das Startdatum präzisiert. Das Unternehmen hat zudem klargestellt, dass Aiways mit einem niedrigen Preis in den Markt gehen will.

Sämtliche Zertifizierungen für Europastart gesichert

In China liefert Aiways Ende dieses Monats die ersten U5-Modelle aus. Doch laut Fu hat das Unternehmen sich bereits sämtliche Zertifizierungen für einen Europastart gesichert und will bereits im zweiten Quartal 2020 in Europa loslegen. "Ich glaube, wir werden die ersten sein", erklärte Fu laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Konkurrenten seien noch in der Vorbereitungsphase - oder noch nicht einmal das.

Norwegen, Niederlande und Deutschland im Blick

Als Hauptmärkte in der EU nimmt Fu die Elektroauto-Hochburgen Norwegen und die Niederlande in den Blick, aber auch Deutschland. In China werde die Basisversion des U5 für 200.000 bis 300.000 Yuan (26.000 bis 38.000 Euro) erhältlich sein, heißt es in dem Bericht. Allerdings ist diese ausschließlich in China erhältliche Version mit einem Akku mit vergleichsweise geringer Kapazität ausgestattet, präzisierte Aiways nun in einer E-Mail.

In Europa will Aiways mit einer besser ausgestatteten Basisversion starten, in der ein leistungsstärkerer Akku für große Reichweiten verbaut sein wird. Auch wegen Transportkosten und Einfuhrzöllen werde der Preis höher liegen, jedoch "äußerst konkurrenzfähig" sein, kündigte Aiways an. Geplant sei ein europäischer Basispreis von rund 35.000 Euro, präzisierte eine Aiways-Sprecherin auf Nachfrage. Denn endgültigen Startpreis will Aiways im kommenden Frühjahr auf dem Genfer Autosalon bekanntgeben.

Der vergleichsweise niedrige Preis ist aber dennoch ein Stück weit eine Kampfansage an Volkswagens Elektroauto-Hoffnung ID.3, die ab April 2020 ausgeliefert wird und deren Basisversion ab 30.000 Euro (inklusive deutscher Mehrwertsteuer, exklusive Umweltprämie) kosten soll.

Aiways fährt in eine noch unbesetzte Nische

Nach Aiways wollen auch weitere chinesische E-Auto-Bauer ihre Modelle nach Europa bringen: Der chinesische E-Auto-Hersteller Nio will seine Elektro-SUVs ab kommenden Jahr in Europa verkaufen, hat dafür aber noch kein präzises Start-Datum genannt. Zuletzt fuhr Nio, das in München ein Design- und Markententwicklungszentrum betreibt, in China allerdings hohe Verluste ein und kämpft laut Analysten mit massiven Geldproblemen. Das könnte die Europa-Expansionspläne verschieben oder gar ganz ausbremsen.

Das von ehemaligen deutschen BMW-Managern mitgegründete Start-Up Byton will seinen M-Byte, ein Elektro-SUV mit Bildschirm im XXL-Breitformat, im ersten Halbjahr 2021 in EU-Ländern verkaufen. Ein ähnliches Startdatum peilt die zu Great Wall Motors gehörende Nobelmarke Wey für ihre Elektro-SUV an.

Aiways wird in Europa um ein Jahr früher dran sein als seine chinesischen Konkurrenten - und das erst 2017 gegründete Unternehmen nimmt sich gleich eine vielversprechende Nische vor. Der 4,7 Meter lange U5 bietet bis zu sieben Personen Platz, ist aber viel günstiger als seine unmittelbaren Konkurrenten. Denn Audi e-tron, Mercedes EQC oder Teslas Model X fahren in der Oberklasse und kosten ab 80.000 Euro. Preislich ähnlich positionierte E-SUVs wie Hyundais Kona sind innen und außen deutlich kleiner aus als der U5.

Qualitativ dürfte der U5 - anders als Landwind und Brilliance vor zehn Jahren - durchaus mit europäischen Mittelklasse-Fabrikaten mithalten können. Die Verarbeitung wirke "hochwertig", schrieb ein deutscher Journalist, der einen U5-Prototypen auf einer Etappe einer Langstreckenfahrt fuhr. Und mit dem in den Prototypen verbauten 64 kWh-Akkus seien wohl 400 Kilometer Fahrt bei gemächlichem Autobahntempo möglich, meinte ein anderer.

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