Donnerstag, 22. August 2019

VW-Chef Winterkorn "Das Auto darf nicht zur Datenkrake werden"

Steuereinheit zum automatischen Fahren: VW-Chef Martin Winterkorn

Autos sammeln und senden zunehmend Daten. VW-Chef Winterkorn fordert auf der CeBIT eine Selbstverpflichtung der Industrie, um Kunden vor Datenmissbrauch zu schützen. Dabei gibt es allerdings noch offene Fragen.

Hannover - Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat eine Allianz der Autobauer für den Schutz von Nutzerdaten in vernetzten Fahrzeugen gefordert. "Das Auto darf nicht zur Datenkrake werden", sagte Winterkorn zur Eröffnung der weltgrößten Computermesse CeBIT.

Die Autobauer schützten ihre Kunden vor Gefahren wie Aquaplaning, Sekundenschlaf oder Staus. "Und mit dem gleichen Pflichtbewusstsein werden wir unsere Kunden auch vor dem Missbrauch ihrer Daten schützen", sagte der VW-Chef. "Wir brauchen eine Art Selbstverpflichtung der Automobilindustrie."

In der Autobranche ist das zunehmend vernetzte Fahren derzeit ein großer Trend, bei dem immer mehr Datenströme entstehen. Im VW-Erfolgsmodell Golf beispielsweise steckten inzwischen rund 1,5 Kilometer Kabel und mehr als 50 Steuergeräte. "Das Auto besteht schon heute zu einem guten Teil aus Bits und Bytes", sagte Winterkorn. Und das sei erst der Anfang. "Mit dem rasanten Fortschritt bei Bandbreiten und Datenverarbeitung öffnen sich für die Mobilität jetzt natürlich noch ganz andere Türen."

Die Szenarien: Fahrzeuge kommunizieren miteinander, tauschen sich mit Rechenzentren aus, greifen auf Verkehrsinformationssysteme zu oder senden ihre Daten zu Wartungszwecken an Werkstätten.

Das ist zum Beispiel für Versicherungen hochinteressant. Sie könnten Tarife auf Basis des Fahrverhaltens und zurückgelegter Strecken anbieten.

Auch für die Hersteller selber wäre es wünschenswert, Daten aus den Wagen automatisiert gesendet zu bekommen. Das könnte ihnen helfen, ärgerliche Fälle teurer Garantieleistungen zu verhindern. Denkbar ist es auch, in Forschung und Entwicklung mit Echtzeit-Daten aus dem täglichen Gebrauch auszuwerten.

Eine Frage ist, wem solche Daten gehören würden. Dem Fahrer oder Fahrzeughalter? Dem Hersteller? Oder den Dienstleistern wie Versicherungen oder Handynetzbetreibern?

Winterkorn sagte in seiner CeBIT-Rede: "Ja zu Big Data! Ja zu mehr Sicherheit und Komfort! Aber Nein zu Bevormundung und Big Brother!"

Das Auto als rollendes Rechenzentrum - laut VW-Chef Martin Winterkorn ist das heutzutage schon Realität.

ts/dpa-afx

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