Samstag, 25. Januar 2020

Automobilkonjunktur Chinas Autoindustrie verliert auch 2020 an Fahrt

VW hat als einer der wenigen Massenhersteller im vergangenen Jahr seine Verkäufe im Reich der Mitte steigern können.

China fällt als Lokomotive für die weltweite Automobilkonjunktur wahrscheinlich auch in diesem Jahr aus. Nach Schätzungen des chinesischen Branchenverbandes CAAM dürfte die Nachfrage auf dem weltgrößten Automarkt 2020 um 2 Prozent schrumpfen und damit das dritte Jahr in Folge sinken. Analysten und einzelne Hersteller sind dagegen optimistischer.

Der Rückgang fiele aber immerhin nicht so scharf aus wie 2019, als der Handelsstreit mit den USA und schärfere Abgasregeln dafür sorgten, dass die Verkäufe um mehr als acht Prozent sanken, teilte der Verband am Montag weiter mit.

Die Hoffnungen richten sich in diesem Jahr auf die mittelgroßen Städte im Hinterland der großen Küstenmetropolen, wo sich die Menschen nun ebenfalls ein Auto leisten können. Analysten erwarten zudem, dass das Verbrauchervertrauen zurückkehren wird, da sich der Handelsstreit mit den USA entspannt.

Alan Kang vom LMC Automotive hält in diesem Jahr deshalb sogar einen stabilen Autoabsatz für möglich. Die Autobauer selbst bleiben dagegen vorsichtig bei ihren Vorhersagen. Einige haben wegen der Flaute in China bereits die Produktion gedrosselt, Personal abgebaut und Fabriken geschlossen.

GM rechnet mit schwächerem Geschäft in China

"Wir erwarten, dass sich der Marktabschwung im Jahr 2020 fortsetzt und rechnen mit anhaltendem Gegenwind in unserem China-Geschäft", sagte Matt Tsien, Präsident von General Motors of China, bereits vergangene Woche. Der Absatz des größten US-Autobauers in der Volksrepublik schrumpfte im vergangenen Jahr um 15 Prozent.

Ford, Nummer zwei in den USA, meldete in China gar einen Einbruch um mehr als 25 Prozent. Führungskräfte von Geely und Ford-Partner Chongqing Changan Automobile rechnen zudem damit, dass der Verdrängungswettbewerb unter den kleineren Herstellern in China zunehmen wird.

Volkwagen konnte sich vom Negativtrend absetzen

Als einer der wenigen Massenhersteller konnte sich die Kernmarke VW des Volkswagen-Konzerns Börsen-Chart zeigen von dem negativen Trend absetzen und verbuchte im vergangenen Jahr in China ein leichtes Absatzplus von 0,5 Prozent. VW baute damit ihre führende Position in China leicht aus. Dazu trugen vor allem Stadtgeländewagen bei, die sich auch bei Autokäufern in China zunehmender Beliebtheit erfreuen. Zudem kam die neue Marke Jetta offenbar bei vielen Chinesen gut an, mit der VW vor allem jüngere Kunden ködern will. Eingedenk Jetta kletterte laut VW der Absatz im Reich der Mitte um 1,7 Prozent.

Der Premium-Hersteller BMW Börsen-Chart zeigen hatte am Freitag für das vergangene Jahr ein Absatzplus von rund 13 Prozent auf 723.680 Autos vermeldet.

Lichtblicke auch bei Toyota, Honda und Tesla

Lichtblicke gab es auch bei den japanischen Herstellern Toyota und Honda sowie beim US-Elektroautobauer Tesla, der gerade mit der Auslieferung seiner in der neuen Fabrik in Shanghai gebauten Elektroautos begonnen hat.


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Weltweit befindet sich die Autokonjunktur allerdings weiter auf Talfahrt. Der deutsche Branchenverband VDA geht wegen der schärferen CO2-Regulierung für Europa in diesem Jahr von einem Absatzrückgang um 2 Prozent aus. In den USA dürften laut der Prognose von Dezember voraussichtlich 3 Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert werden.

Das hat Folgen für die Konjunktur in den jeweiligen Ländern: So hat die Autokrise die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts im vergangenen Jahr um einen dreiviertel Prozentpunkt gedrückt.

rei/Reuters

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