Freitag, 26. April 2019

Technologie-Streit zwischen BMW und VW Autobosse legen Elektro-Konflikt vorerst bei

Hat den Streit ausgelöst: VW-Chef Herbert Diess (Archiv)

VW-Chef Diess will staatliche Förderungen ausschließlich auf E-Autos konzentrieren, hat mit dem Vorstoß allerdings BMW vergrätzt. Nun haben sich die Konzerne geeinigt, gemeinsam eine Strategie vorzubereiten.

Die VW-Forderung nach einem radikalen Wechsel zur batteriebetriebenen Elektromobilität hat die deutsche Autoindustrie gespalten. Im Kern geht es darum, ob sich staatliche Förderung - wie es VW-Chef Herbert Diess vorschwebt - künftig ausschließlich auf Batteriefahrzeuge konzentrieren soll.

Am Mittwochabend einigten sich Diess sowie BMW-Chef Harald Krüger und Daimler -Boss Dieter Zetsche im Gespräch mit dem Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, darauf, dass batterieelektrische Autos und Hybride das "Gebot der Stunde" seien. Das melden sowohl die Nachrichtenagentur dpa als auch das "Handelsblatt". Darüber hinaus müsse die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut werden, hieß es.

BMW-Chef Harald Krüger hatte der Forderung von Diess zuvor entschieden widersprochen. Auch an anderer Stelle spürte der VW-Chef Gegenwind: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 und machte klar, Gespräche über "Effizienzsteigerungen" werde es nur unter Bedingungen geben. Diess' Äußerungen hatten für massive Unruhe bei VW gesorgt.

BMW-Chef Krüger sagte mit Blick auf den Vorstoß der VW-Spitze: "Wo ich ganz klar anderer Meinung bin, ist Technologieoffenheit." Diess dagegen will Subventionen vor allem auf kleine vollelektrische Autos konzentrieren und sagte: "Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole." Was bedeutet das? Neben batterieelektrischen Autos gibt es weitere denkbare Antriebsvarianten - etwa die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle, Hybride oder synthetische Kraftstoffe. Diess dagegen will alles auf eine Karte, nämlich Batterien fürE-Autos, setzen.

Krüger: "Wir stehen zum VDA"

Aber: Die Entwicklung in verschiedenen Teilen der Welt sei unterschiedlich, es gebe unterschiedliche Auffassungen, wie schnell die Infrastruktur für reine vollelektrische Fahrzeuge entstehen werde. "Das sehe ich anders", erklärte Krüger. In einigen Ländern sei Wasserstoff eine Alternative zum Batterieauto. Daraus ergebe sich Diskussionsbedarf, sagte er.

Krüger schloss nicht aus, dass die Politik in einem wichtigen Land die Hersteller dazu verpflichten könnte, Brennstoffzellen-Autos anzubieten und sie andernfalls überhaupt keine Autos mehr dort verkaufen dürften. Deshalb sei Technologieoffenheit wichtig.

Der am Mittwochabend erzielten Einigung zufolge gehen die Autobosse nun davon aus, dass mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenautos in den nächsten etwa zehn Jahren nicht marktreif sein würden. Ein VDA-Sprecher sagte, es habe "ein kurzes, sehr konstruktives und gutes Gespräch" gegeben. Nach Angaben des "Handelsblatts" habe das Telefonat etwa 40 Minuten gedauert.

Weitergehende Details der Einigung wurden offiziell bislang nicht bekannt gegeben. Das "Handelsblatt" berichtet allerdings unter Verweis auf nicht näher identifizierte Branchenkreise, BMW, VW und Daimler hätten zunächst vereinbart, ihre jeweiligen Konzepte dem VDA zu schicken. Dieser solle dann daraus ein Konsenspapier ausarbeiten - und dies gegenüber der Politik vertreten.

Der Streit hatte auch Spekulationen über ein mögliches Auseinanderbrechen des mächtigen Branchenverbands VDA ausgelöst. Diese Gefahr scheint nun zunächst gebannt.

Scheuer: Deutschland braucht bis zu zehn Millionen E-PKW bis 2030

Diess hatte den Konflikt mit einem Strategiepapier ausgelöst, das in der Branche und auch in der Politik heftig umstritten ist. Kritiker monieren, die Vorschläge seien zu sehr auf Volkswagen gemünzt. In dem Papier heißt es, die bisherigen Pläne zur Verkaufsförderung sowie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos reichten nicht aus. Das Bundeskanzleramt hat dem Vernehmen nach eine Prüfung der Vorschläge zugesagt und will sich mit Blick auf eine erste Spitzenrunde zur Zukunft der Mobilität bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im April äußern. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) lässt die Vorschläge nach dpa-Informationen bereits intensiv prüfen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bekräftigte im Bundestag, dass es bis 2030 "bis zu zehn Millionen Elektro-Pkw" brauche, 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge und 300.000 Ladepunkte. Er nannte aber auch Wasserstoff- und Gasantriebe, deren Hochlauf notwendig sei. Im Auftrag der Regierung beraten derzeit Experten über die Zukunft der Mobilität, besonders auch mit Blick auf Klimaschutz. Am 29. März soll ein Zwischenbericht vorliegen.

Diess warnt: E-Autos erfordern weniger Arbeitskraft

Auch vor rund 20.000 Beschäftigten auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg betonte Diess: "Die Elektromobilität ist der richtige Weg." Aber: ein E-Auto erfordere etwa 30 Prozent weniger Arbeit als ein Verbrenner. "Es wird schwer, das nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu bewältigen", warnte er. Die Digitalisierung werde Arbeitsplätze kosten, moderne IT erlaube es, viele Routinearbeiten und Prozesse etwa in der Verwaltung zu automatisieren. Zuvor hatte der bei der Kernmarke VW Pkw fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter angekündigt, dass in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen wegfallen sollen.

Das führte zu massivem Ärger beim mächtigen VW-Betriebsratsboss Osterloh. Der Zahl fehle jede Grundlage, sagte er auf der Versammlung. Zwar sei der Betriebsrat bereit, Wege zu verhandeln, die Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit gleichrangig behandelten. Aber erst müsse der Vorstand seine Hausaufgaben machen. "Bevor all diese Fragen nicht beantwortet und mit klaren Vereinbarungen versehen sind, wie wir diese Fehler beheben, werden hier keinerlei Gespräche zu weiteren Effizienzsteigerungen stattfinden."

lie/beb/dpa

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