Synthetische Kraftstoffe VW-Aufsichtsrat Weil sieht E-Fuels skeptisch

Ex-Volkswagen-Chef Diess kritisierte die sogenannten E-Fuels, sein Nachfolger Blume hingegen ist ein Befürworter. VW-Aufsichtsrat Weil hält den baldigen Einsatz synthetischer Kraftstoffe im Pkw-Bereich dennoch für unrealistisch.
Stephan Weil sieht den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen für Benzin- und Dieselmotoren wegen des hohen Energieverbrauchs bei deren Herstellung kritisch

Stephan Weil sieht den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen für Benzin- und Dieselmotoren wegen des hohen Energieverbrauchs bei deren Herstellung kritisch

Foto: Fabian Bimmer/REUTERS

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (63) hält E-Fuels für interessant, rechnet in der nächsten Zeit aber nicht mit dem Einsatz synthetischer Kraftstoffe bei Autos. Die sogenannten E-Fuels wären interessant, wenn man einen Otto-Motor damit zu bezahlbaren Preisen CO2-neutral nutzen könnte, sagte der SPD-Politiker, der auch im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns sitzt, der Deutschen Presse-Agentur.

"E-Fuels haben allerdings auch einen entscheidenden Nachteil: Sie sind enorm energieintensiv, und wir benötigen erneuerbare Energien in Deutschland auf absehbare Zeit für andere Zwecke. Im Pkw-Bereich werden wir E-Fuels aus diesem Grund so schnell nicht sehen."

"Im Pkw-Bereich werden wir E-Fuels [...] so schnell nicht sehen"

Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsrat beim Volkswagen-Konzern

Weil sagte weiter: "Es hat schon seinen Grund, dass sich nahezu die gesamte weltweite Pkw-Industrie auf den Weg gemacht hat, batteriegestützte Elektromobilität zu organisieren." Das sei der technologische Stand jetzt. "Aber wer weiß, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden."

Der neue VW -Chef Oliver Blume (54) ist ein Befürworter der E-Fuels. Nur mit Elektromobilität seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht zu erreichen, hatte Blume Ende August der "Automobilwoche" gesagt. Vorgänger Herbert Diess (63) hatte E-Fuels hingegen wegen ihrer schlechten Effizienz abgelehnt und den hohen Stromverbrauch bei der Herstellung bemängelt.

E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe für Benzin- und Dieselmotoren, die weniger umweltschädliche Abgase erzeugen als herkömmlicher Treibstoff. Anders als bei Elektrofahrzeugen wird bei der Verbrennung von E-Fuels immer noch CO2 ausgestoßen – allerdings in der Menge, die bei seiner Herstellung vorher der Umgebung entzogen worden ist. Daher werden E-Fuels auch als CO2-neutral bezeichnet. Voraussetzung ist jedoch, dass zur Herstellung ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird und das CO2 aus der Umwelt stammt.

Kritiker oder auch Skeptiker wie Weil monieren allerdings, dass für die Herstellung extrem viel (grüne) Energie benötigt wird, was die Kraftstoffe recht teuer macht. Zugleich bemängeln Kritiker, dass aufgrund der zahlreichen einzelnen Schritte bei der Herstellung von E-Fuels hohe Wirkungsverluste anfallen. Von der im Prozess eingesetzten Energie blieben letztlich nur 15 Prozent übrig. Im Elektroauto kämen 70 bis 80 Prozent der Ausgangsenergie am Rad an, wie auch der ADAC vorrechnet . Ob es bei dieser Betrachtung sinnvoll ist, so viel grünen Strom zu verwenden, dürfte nicht zuletzt auch eine politische Frage sein.

rei/dpa-afx
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