Aufsichtsrat spricht über Zukunftsplan VW-Aufseher beraten über Umbau der Kernmarke VW

Diskussionsbedarf: VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (links), mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (rechts), der ebenfalls im VW-Aufsichtsrat sitzt

Diskussionsbedarf: VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (links), mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (rechts), der ebenfalls im VW-Aufsichtsrat sitzt

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Der Streit über den Umbau der Kernmarke Volkswagen ist Insidern zufolge am Freitag Thema bei einer Sitzung der Spitze des VW-Aufsichtsrates in Wolfsburg. Das Treffen des Präsidiums am Nachmittag zur Umsetzung des Zukunftspaktes, mit dem VW vor allem über massiven Personalabbau profitabler werden soll, sei schon länger geplant gewesen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Zwischen dem Betriebsrat und VW-Markenchef Herbert Diess ist unterdessen ein neuer Streit über den Umbauplan entbrannt. Die Arbeitnehmervertretung wirft Diess vor, die Vereinbarung nicht einzuhalten. Nach Informationen von manager magazin zufolge will Diess den Stellenabbau schneller vorantreiben als geplant. Das Unternehmen erklärte daraufhin, es gebe zwar Diskussionen, der Pakt werde aber umgesetzt.

Volkswagen hatte sich erst im November nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat auf einen tiefgreifenden Umbau der ertragsschwachen Hauptmarke VW geeinigt. An den deutschen VW-Standorten sollen 23.000 Arbeitsplätze und damit rund ein Fünftel der Stellen wegfallen, vor allem über Fluktuation und Altersteilzeit. Im Gegenzug sollen 9000 neue Jobs etwa in der Software-Entwicklung und Elektromobilität entstehen. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro sinken. Zugleich werden 3,5 Milliarden Euro investiert. Mit dem Programm will VW die operative Rendite bis 2020 auf vier Prozent steigern, etwa doppelt soviel wie bisher.

Osterloh macht Druck, Piech sorgt für Ärger

Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangt bis Montag eine schriftliche Erklärung, wie sich der Vorstand die künftige Zusammenarbeit vorstellt. Zudem sollen Diess und Personalvorstand Karlheinz Blessing dann an einer Sitzung des Betriebsausschusses teilnehmen.

Überschattet wird das Treffen des führenden Aufsichtsratsausschusses auch vom Streit zwischen VW und dem früheren Aufsichtsratschef Ferdinand Piech über die Frage, wer wann über den Abgasskandal Bescheid wusste. Der Konzern wies Vorwürfe zurück, die damaligen Präsidiumsmitglieder des Aufsichtsrates hätten schon im Frühjahr 2015 von der Abgasmanipulation in den USA erfahren.

Gegenspieler: VW-Markenchef Diess, BR-Chef Osterloh

Gegenspieler: VW-Markenchef Diess, BR-Chef Osterloh

Foto: Peter Steffen/ dpa

Piech soll das nach Medienberichten in einer Zeugenaussage gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärt haben. Der Konzern blieb dabei, dass die Manipulation erst Mitte September 2015 durch die US-Behörden bekanntwurde. VW prüft nun, den früheren Aufsichtsratschef in Haftung zu nehmen. Von den betroffenen Mitgliedern des damaligen Präsidiums gehören Piechs Cousin Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Betriebsratschef Bernd Osterloh und sein Stellvertreter Stephan Wolf dem Gremium auch heute an.

la/reuters
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