Dienstag, 25. Februar 2020

Jurist erklärt VW-Kehrtwende bei Dieselskandal-Klage Kläger-Anwalt erwartet Vergleich mit VW "spätestens Ende April"

Auspuff eines Volkswagen vor dem Verwaltungshochhaus des VW-Werks

Ein neues Jahr läuft an, die alten Probleme bleiben: Diesen Kreislauf will der Volkswagen-Konzern nun offenbar beim leidigen Dauerthema Diesel durchbrechen. Einen Tag nach dem Jahreswechsel hat der Autokonzern erklärt, mit dem Verbraucherverband VZBV über einen Vergleich in der leidigen Dieselthematik verhandeln.

Konkret soll es dabei darum gehen, über 400.000 deutschen Autofahrern eine finanzielle Entschädigung für den Kauf eines "Schummeldiesel" anzubieten - also eines jener zahlreichen Konzernmodelle, in denen Volkswagen eine illegale Software einsetzte, die auf dem Prüfstand niedrige Emissionswerte vorgaukelte.

In den USA hat der Volkswagen-Konzern mehrere Milliarden Dollar Entschädigungen bezahlt und zahlreiche Dieselautos einfach zurückgekauft. In Deutschland vertraten Konzernjuristen aber bisher die Auffassung, das die Fahrzeuge durch die seit 2016 aufgespielten Softwareupdates wieder regelkonform seien - und Kunden damit nicht geschädigt wurden, womit ihnen auch keine Entschädigungszahlungen zustehen.

Gegen Volkswagen laufen deshalb in Deutschland dutzende Klagen - unter anderem auch eine sogenannte Musterfeststellungsklage, mit der sich aktuell das Braunschweiger Oberlandesgericht befasst. Diese Sammelklage, an der rund 444.000 Kläger teilnehmen, hat der VZBV mit auf den Weg gebracht.

Welche Rolle der 5. Mai 2020 für die Vergleichsverhandlungen spielt

Mit den Vergleichsverhandlungen zwischen dem VZBV und Volkswagen erhöht sich nun die Chance der teilnehmenden Kläger, von VW für den Wertverlust an ihren Fahrzeugen entschädigt zu werden. Das Verfahren könnte also ein relativ schnelles Ende finden, der Weg dahin ist allerdings nicht ganz einfach.

Aktuell sind die Verhandlungen in einem sehr frühen Stadium, wie beide Seiten betonen. Zu möglichen Entschädigungshöhen je Fahrzeug halten sich die an dem Verfahren beteiligten Juristen noch bedeckt. "Noch gibt es keine inhaltlichen Verhandlungen", erklärte Ralph Sauer, Geschäftsführer und Mitinhaber der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer, gegenüber manager-magazin.de. Sauer ist außerdem Mitinhaber der RUSS Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft, die die Musterfeststellungsklage für den VZBV führt.

Zur angestrebten Höhe der Entschädigungen will Sauer noch nichts sagen. VZBV-Verbandschef Müller hatte aber Ende September 2019 signalisiert, dass er die von Volkswagen in Australien gezahlte Entschädigung für zu gering hält. In Australien zahlt Volkswagen im Rahmen eines Vergleichs Dieselkäufern umgerechnet etwa 870 Euro je Fahrzeug.

Sauer kann aber einen ungefähren Zeitfahrplan nennen: Innerhalb von knapp vier Monaten sollte ein von beiden Seiten fertig verhandeltes Vergleichsangebot vorliegen, meint er. Der Grund für die Zeitspanne hat mit einem weiteren Verfahren zu tun: Am 5. Mai wird das erste Dieselverfahren gegen Volkswagen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung