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Genfer Autosalon 2016: Diese Neuheiten sind salonfähig

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VWs Diesel-Skandal überschattet Genfer Autosalon Diese Schlüsse ziehen Audi, BMW und Mercedes aus Dieselgate

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Genfer Autosalon 2016: Diese Neuheiten sind salonfähig

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Dutzende Modellpremieren, perfekt ausgeleuchtete Messestände, PS-starke Sportwagen: Am 3. März öffnet der Genfer Autosalon seine Pforten, und die Autobranche will sich wieder von ihrer gleißendsten Seite zeigen. Doch diesmal liegt ein Schatten über der schönen Autowelt: Der Skandal rund um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen beschäftigt längst nicht nur den Wolfsburger Autoriesen, sondern die gesamte Branche.

Besonders für die deutschen Nobelmarken steht viel auf dem Spiel. VWs Nobeltochter Audi  und BMW  verkaufen rund drei Viertel ihrer Neuwagen in Europa mit Dieselantrieb, bei Mercedes ist die Situation ähnlich. Noch, so heißt es bei allen dreien gebetsmühlenartig, schlägt der Diesel-Skandal nicht auf die Absatzzahlen der Selbstzünder durch. Doch zuletzt geriet auch Daimler  wegen hoher Abgaswerte bei C-Klasse-Dieselmotoren unter Druck. Audi hat in den USA noch immer keine Zusage der Umweltbehörden für seine Rückrufpläne.

Welche Schlüsse ziehen die Nobelmarken aus dem Diesel-Skandal, dessen Fragen sie auch in jedem Gespräch in Genf begleiten werden? Im Vorfeld des Genfer Autosalons hat manager-magazin.de zusammengetragen, was die Chefs der drei Automarken zum Thema Selbstzünder zu sagen haben - und wo sie die bisherige Marschroute ändern.

Audi: Lieber Digitalisierung als Diesel

Audi-Chef Stadler will den Diesel-Skandal für seine Marke schnell abhaken - und sieht im laufenden Geschäft keine großen Auswirkungen: "Die Marke hat nach meiner Einschätzung keinen Kratzer bekommen", sagte der Audi-Chef in einem Interview mit dem Handelsblatt. Das gilt auch für die USA, die Stadler vor kurzem bereiste. Dort investieren Audi-Partner in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro in den Ausbau des Händlernetzes. "Die legen doch nicht 30 Millionen Dollar für einen neuen Showroom auf den Tisch, wenn sie nicht an die Zukunft von Audi in den USA glauben würden", erklärte Stadler in dem Gespräch.

Allerdings hat Audi in den USA noch kein grünes Licht für den Rückruf von zehntausenden Fahrzeugen bekommen, deren Motorensoftware auf dem Prüfstand viel niedrigere Abgaswerte vorgaukelt als auf der Straße. "Wir haben unseren Rückrufplan eingereicht. Jetzt müssen wir abwarten, wie die US-Behörden entscheiden", sagte Stadler. Man sei in "konstruktiven" Gesprächen. In Europa sind die Pläne für die Reparaturen genehmigt, der Rückruf läuft im März an.

Audi hofft auf großen Umsatz mit Mobilitätsdiensten

Die größte Herausforderung der nächsten Jahre sieht Stadler aber ohnedies nicht in der Aufarbeitung des Diesel-Skandals - sondern im Umbruch der Branche. Neue Konkurrenten aus dem Silicon Valley machen den Wettbewerb härter als je zuvor, meint Stadler. Deshalb wollen die Ingolstädter die Vernetzung stärker vorantreiben.

Bis Mai soll ein neuer Marschplan für die Digitalisierung, künftige Antriebe und neuer Geschäftsmöglichkeiten stehen. Stadler will zudem künftig einen "Chief Digital Officer" direkt beim Vorstand installieren, der sämtliche Geschäftsprozesse auf digitale Tauglichkeit prüfen solle. Kleine Entwicklungsteams sollen neue Produkte rund um das vernetzte Fahren entwickeln. Und laut Stadler wollen die Ingolstädter künftig auch etwas wagemutiger investieren - in Technologiefelder, mit denen Audi erstmal keine große Renditeerwartung verknüpft.

Denn künftig muss Audi nicht mehr nur Autos mit sparsamen und abgasarmen Motoren bauen, sondern Mobilität vermitteln, ist Stadler überzeugt. Als Autohersteller müsse man dann beide Welten beherrschen, eines Tages werde Audi wohl die Hälfte seines Umsatzes mit Mobilitätsdiensten erwirtschaften. Einen Zeitpunkt dafür nannte Stadler allerdings nicht.

Daimler: Viele Hybride - und eine Milliardenspritze für sauberen Dieselmotor

Seit Monaten müht sich Daimler darum, nicht in den Sog des Diesel-Skandals von Konkurrent Volkswagen zu geraten. Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärte kurz nach Auffliegen der Manipulationen bei VW-Dieselmotoren, dass die Stuttgarter keine Vorrichtungen einsetzen, mit denen die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig eingeschränkt würde. Solche Defeat Devices gebe es bei Mercedes nicht, hieß und heißt es bei den Stuttgartern.

Zuletzt gerieten jedoch auch Daimler in die Schlagzeilen: Denn die Abgasreinigung mancher Mercedes-Dieselmotoren reagiert sensibel auf Außentemperaturen. Unter zehn Grad Celsius stieß etwa eine C-Klasse bei einem Alltagstest ein Vielfaches der offiziell angegebenen Stickoxid-Werte aus. In den USA haben Anwälte Mitte Februar deshalb eine Sammelklage gegen Daimler eingereicht. Sie werfen dem Konzern Verstöße gegen Umweltgesetze und eine Irreführung der Verbraucher vor.

Deshalb fordert die US-Umweltbehörde EPA nun von Mercedes Testergebnisse für die amerikanischen Dieselmotoren ein. Die EPA reagiert damit auf die Klage, Manipulations-Vorwürfe erhebt sie nicht. Doch das Thema ist heikel für die Stuttgarter, entsprechend deutlich fällt die Reaktion aus. Daimler wiederholte, dass der Konzern keine Schummelsoftware einsetze. Die Sammelklage sei unbegründet, der Autohersteller werde sich mit allen juristischen Mitteln verteidigen, hieß es.

2,6 Milliarden Euro für neuen Selbstzünder

In Europa, dem wichtigsten Markt für Mercedes-Dieselmodelle, schlägt der Abgasskandal laut Daimler-Chef Zetsche noch nicht auf die Verkaufszahlen durch. "Wir verkaufen mehr Fahrzeuge denn je und der Dieselanteil bleibt dabei konstant", sagte Zetsche vor kurzem der Zeitschrift Euro. "Die Kunden können also sehr wohl differenzieren". In den USA jedoch sind die - allerdings traditionell sehr geringen - Verkaufszahlen von Diesel-Fahrzeugen nochmals deutlich zurückgegangen.

Daimler, so meint Zetsche, brauche den Diesel, um die Flottenemissionsziele der EU einzuhalten. Die Nachfrage nach Elektroantrieben müsste ohne Selbstzünder deutlich stärker steigen, dafür gibt es laut Zetsche allerdings nicht die Kundennachfrage. Daimler versucht es deshalb mit einer Doppelstrategie: Bis 2017 will Daimler zehn Modelle mit Plugin-Hybridtechnik anbieten, die bis zu 30 Kilometer rein elektrisch fahren können. Zudem wollen auch die Stuttgarter in den kommenden Jahren mehrere reine Elektroautos mit Reichweiten von mehreren hundert Kilometern je Akkuladung auf den Markt bringen.

Gleichzeitig steckt Daimler aber auch 2,6 Milliarden Euro in einen neuen Dieselmotor, der selbst bei niedrigeren Temperaturen wenig Stickoxide ausstoßen soll. Die Manager in Stuttgart bleiben also strikte Selbstzünder-Verfechter. Die strengeren EU-Abgastests für Dieselautos hält Zetsche jedoch für gut. Sie sollen dafür sorgen, die verständliche Verwirrung um den Diesel beseitigen, meinte er vor kurzem.

BMW: Bayern verstärken ihre Elektroauto-Investments

Zum Abgas-Skandal haben sich BMW-Manager in den letzten Monaten kaum zu Wort gemeldet - wohl auch deshalb, weil sie es nicht mussten. Denn die Diesel-Modelle der Münchener schnitten bisher in fast allen Tests unauffällig oder gut ab. Der Druck zur Rechtfertigung war also gering.

Dabei verkaufen die Münchener besonders viele Diesel-Fahrzeuge: Gut vier Fünftel aller neu zugelassenen BMW-Fahrzeuge in Europa hatten zuletzt einen Selbstzünder unter der Haube. BMW-Chef Harald Krüger erklärte im Dezember in einem Interview, dass BMW sich "selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben halte" und alle lokalen Testvorgaben erfülle. Manipuliert werde bei der BMW Group nicht, versicherte er.

Noch wirkt sich der Abgas-Skandal laut Krüger nicht auf BMWs Diesel-Verkäufe aus. Und den Selbstzünder aufgeben kann auch Krüger nicht. Ohne Diesel sind die Abgas-Vorschriften der EU für 2020 schlicht nicht erreichbar, gab der BMW-Chef mehrfach zu Protokoll.

Strengere Gesetzgebung macht Diesel irgendwann unwirtschaftlich

Dennoch bereitet sich BMW auf härtere Zeiten für den Diesel vor. BMW könne reagieren, wenn die Diesel-Nachfrage nachlassen sollte, meinte Krüger. In Zukunft werde es einen Punkt geben, an dem unwirtschaftlich werden, den Dieselantrieb an die "ambitionierte Gesetzgebung" anzupassen, wie Krüger es ausdrückte.

Deshalb legt BMW den Fokus stärker auf Elektromobilität und die Digitalisierung. Beide Themen gehören laut Krüger zusammen, weil das autonome Fahren auch Elektroautos einen echten Schub geben wird. Bis zum Jahr 2020 will BMW ein neues Elektroauto mit 500 Kilometer Reichweite in den Handel bringen, wie manager magazinvor kurzem berichtete. Damit wollen auch die Bayern dem kalifornischen E-Auto-Spezialisten Tesla Paroli bieten.

Zudem arbeitet auch BMW an einer neuen Strategie für das vernetzte Fahren der Zukunft, die der Autohersteller noch im März präsentieren will. Von geplanten größeren Investitionen in den Motorenbau oder gar bei Dieselmotoren hat BMW zuletzt jedenfalls nichts verlauten lassen. Den hält BMW-Chef Krüger wohl eher für ein Auslaufmodell.