Freitag, 20. September 2019

Vorstellung des Solar-Elektroautos Sion Ein Weltverbesserer-Auto als Warnschuss für die Autoriesen

3. Teil: Wo es noch hakt - und warum die Serienfertigung noch nicht gesichert ist

Noch ist der Sion noch einen ganzes Stück von der Serienfertigung entfernt. Denn wie Sono Motors bei seiner Präsentation verriet, sind 5000 Vorbestellungen nötig, um das Auto tatsächlich in Serie gehen zu lassen. 1200 Bestellungen habe man bereits, versicherten die Gründer. Und potenzielle Kunden zu überzeugen, startet Sono Motors nun Probefahrten in 12 europäischen Städten.

Kosten haben die Sono-Gründer auch dadurch gespart, dass sie etwa im Innenraum Teile verwenden, die ursprünglich für Modelle von großen Autoherstellern entwickelt wurden. Wer in den Innenraum lugt, findet dort etwa Klimaanlagen-Schalter, die auch in einem VW oder einem Audi älteren Baujahrs sitzen könnten. "Wir müssen das Rad nicht neu erfinden", hieß es dazu von Sono Motors.

Ein eigenes Autowerk will das Startup ohnedies nicht betreiben. Stattdessen soll ein Auftragsfertiger aus Europa die Fahrzeuge herstellen. Wer das ist, will Sono Ende dieses Jahres verraten - und wohl auch erst dann, wenn ausreichend Bestellungen eingegangen sind.

Welche Hürden die Gründer noch nehmen müssen

Ob ein solche mutige Mischung aus Crowdsourcing, Open-Source-Elementen, erneuerbarer Energie und Carsharing-Ansätzen tatsächlich den Durchbruch schafft, ist zwar unsicher. Doch die Investoren zeigten sich natürlich zuversichtlich. Die Sono-Gründer hätten sehr viel richtig gemacht, meinte eine von ihnen.

Doch es muss sich noch weisen, ob deutsche Autokäufer in Massen ein Günstig-Elektroauto einer bislang unbekannten Marke mit einem sehr gewagten Service-Konzept erwerben. Noch liegt allerdings ein weiter Weg vor Sono Motors: Dass ein Auto mit einer Außenhaut aus Polykarbonat den Euro-NCAP-Crashtest gut besteht, muss sich erst noch weisen. Sono Motors peilt dabei eine Viersterne-Bewertung an, mehrere Airbags hat das Auto wohl auch deshalb an Bord.

Der schwerste Schritt dürfte jener in die Massenfertigung werden. Denn immerhin peilen die Gründer in den Jahren nach 2019 insgesamt sechsstellige Absatzzahlen an, ließen sie in der Pressekonferenz durchblicken. Wie genau das Auto vertrieben werden soll, was im Fall einer Panne passiert, wer dann ein Ersatzauto stellt - darauf haben die Sono-Gründer bislang noch keine überzeugenden Antworten parat.

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