Donnerstag, 19. September 2019

Vorstellung des Solar-Elektroautos Sion Ein Weltverbesserer-Auto als Warnschuss für die Autoriesen

2. Teil: Wer den jungen Gründern Geld und gute Ratschläge gibt

Für den Start Richtung Solar-Elektroauto hat das gereicht, für die Entwicklung des Sion nicht so ganz. Denn wie die Gründer später im Pressegespräch zugaben, haben die Sion-Prototypen einen einstelligen Millionenbetrag verschlungen. Möglich machten das mehrere Investoren, die bei Sono Motors eingestiegen sind. Zu ihnen zählen etwa der Autozulieferer Böllinger Group, der sich auf die Entwicklung von Prototypen und Entwicklungsteilen vor allem in der Antriebstechnik spezialisiert hat. Auch eine auf Elektromobilitäts-Veranstaltungen spezialisierte Eventagentur ist bei Sono Motors an Bord.

Schillerndster Sono Motors-Investor ist wohl Matthias Willenbacher, der sich auf seiner Visitenkarte als "Gründer und Visionär" ausweist. Willenbacher hob im Jahr 1996 gemeinsam mit seinem Partner Fred Jung den Projektentwickler Juwi aus der Taufe und baute das Unternehmen zu einem der größten Solarpark- und Windanlagenbauer aus. Im Jahr 2015 schied Willenbacher aus dem Juwi-Vorstand aus und berät nun Windpark-Bauer und -Betreiber bei der Optimierung ihrer Ökostrom-Anlagen.

Die jungen Sono Motors-Gründer lassen sich aber auch von Autobranchen-Kennern unter die Arme greifen. Als Chefberater für Produktionstechnologie an Bord ist etwa Thomas P. Meichsner an Bord, ein ehemaliger Manager bei ThyssenKrupp und Karmann und ausgewiesener Fertigungsexperte.

Ein Mobil etwa für Heimwerker in der Wildnis - und mobile DJs

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Was will Sono Motors nun anders machen als die etablierten Autoriesen? Zum einen lädt sich ihr Sion selbst auf, während er auf dem Parkplatz steht. Strom für bis zu 30 Fahrkilometer pro Tag pumpen die über das Auto verteilten Solarzellen in den Akku, verspricht Sono Motors.

Dafür haben sie Panele mit 24 Prozent Wirkungsgrad an dem Fahrzeug befestigt, die sogar auch bei indirekter Sonneneinstrahlung Energie liefern und sich auch in die gewünschte Auto-Form biegen lassen. Ein angenehmer Nebeneffekt dabei: Teure Werkzeuge für die Blechumformung braucht Sono nicht. Zwar besteht der Rahmen des Autos aus Aluminium, doch das Chassis ist komplett aus Polykarbonat.

Das trägt dazu bei, dass der Wagen mit 1400 Kilogramm Gesamtgewicht inklusive Batterie ziemlich leicht ist. Zudem lässt sich der Sion auch als stationärer Stromspeicher nutzen: Ein vollgeladener Sion kann bei Wunsch an andere Elektroautos Energie abgeben, als mobiler Stromversorger für Haushaltsgeräte wie etwa eine Flex-Schleifmaschine oder eine DJ-Anlage dienen.

Zudem soll sich der Sion mit wenigen Klicks in einer App zum Carsharing-Auto ummodeln lassen, erklärte Hahn auf der Bühne. Auch Mitfahrgelegenheiten im Sion lassen sich mit der App unkompliziert anbieten.

Warten und reparieren lassen soll sich der Sion bei unabhängigen Werkstätten - und zwar dank Online-Tutorials und für jeden zugänglichen Werkstatthandbüchern. Und auch für ein besonderes Klima an Bord haben sie sich etwas einfallen lassen: Ein vom Fahrersitz zum Beifahrersitz reichendes, hintergrundbeleuchtetes Panel aus Moosen soll einen Teil des Feinstaubs im Auto binden. Das ist nicht nur ein hübsches, ökologisch einwandfreies Gimmick - es gibt dem Auto auch einen unverwechselbaren Innenraum.

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