Volvo zieht Konsequenz aus Abgasskandal Erster Autobauer entwickelt keine Dieselmotoren mehr

Volvo XC90: Elfmal mehr Abgase als erlaubt

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Kaum ein Autobauer ist so auf den Dieselantrieb fixiert wie Volvo. Doch damit ist nun offenbar bald Schluss.

Als erster namhafter Automobilhersteller mit langer Diesel-Tradition bereitet Volvo den Abschied von dieser Technik vor. "Aus heutiger Sicht werden wir keine neue Generation Dieselmotoren mehr entwickeln", sagte Vorstandschef Hakan Samuelsson in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Dabei wollten die Schweden zwar ihren erst 2013 eingeführten derzeitigen Diesel weiterentwickeln und an die Abgasgrenzwerte anpassen. Danach werde jedoch der finanzielle Aufwand für eine Neukonstruktion zu hoch. Volvo gehört seit 2010 dem chinesischen Konzern Geely.

Wie lange die bestehende Motorengeneration im Programm bleiben kann, darauf wollte sich Samuelsson noch nicht festlegen. Man dürfte noch bis etwa ins Jahr 2023 rechnen, schreibt die Zeitung. Volvo will stattdessen auf die Elektrifizierung der gesamten Modellpalette setzen.

Ein erstes rein elektrisches Auto will Volvo 2019 auf den Markt bringen, wobei die Schweden ein Oberklasseprodukt im Auge haben. Samuelsson misst sich dabei an dem Elektroauto-Vorreiter Tesla (Kurswerte anzeigen). In diesem Bereich sollte auch für ein Volvo-Modell Platz sein, sagte er.

Bisher setzt Volvo voll auf den Diesel. In Deutschland waren zuletzt 83 Prozent der zugelassenen Wagen des schwedischen Herstellers Selbstzünder.

Allerdings hat Volvo auch besonders große Probleme mit der Abgasbehandlung. Vor allem der XC 90 D5 ist laut dem britischen Institut Emissions Analytics auch als Euro-6-Diesel eine Extrem-Dreckschleuder. Der Wagen stößt demnach elfmal mehr Stickoxide aus als gesetzlich vorgesehen.

Kunden laufen dem Diesel in Scharen davon

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Volvo V90: Großer Wagen, wenig Zylinder

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Andere Autohersteller halten unterdessen klar an der Technologie fest. Eine komplette Kehrtwende können sich jedoch die meisten von ihnen nicht leisten. Denn um die strengen CO2-Ziele der Europäischen Union für das Jahr 2021 zu erreichen, brauchen sie den Diesel.

Dessen Ruf leidet zwar wegen hoher Abgaswerte bei Stickoxiden, angesichts ihres geringeren Kraftstoffverbrauchs punkten sie andererseits aber beim CO2. Ohne Dieselautos seien die Klimaziele der EU nicht erreichbar, betonte BMW-Chef Harald Krüger Anfang Mai in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Der saubere Diesel hat noch eine lange Zukunft vor sich."

VW investiert in die Weiterentwicklung des Diesels in den nächsten Jahren Milliarden. Zudem ist eine aufwändige Kampagne für den Selbstzünder geplant. Und Daimler ist gerade erst dabei, eine neue Diesel-Motorenfamilie auf den Markt zu bringen.

Konzernchef Dieter Zetsche erklärte bei der Hauptversammlung Ende März, niemand könne heute mit Gewissheit sagen, wann sich Elektroautos am Markt durchsetzten. "Schon deshalb sind effiziente Verbrenner in der Übergangszeit ein wesentlicher Teil der Lösung."

Dabei ist die Verunsicherung bei den Autokäufern bereits spürbar. Der Diesel-Marktanteil in Deutschland ging im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,7 Prozentpunkte auf 41,3 Prozent zurück.

In absoluten Zahlen sackte die Zahl der neu zugelassenen Dieselfahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19,3 Prozent ab, im bisherigen Jahresverlauf sank sie um 8,1 Prozent. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger dürfte der Diesel-Anteil bei Mittel- und Oberklasseautos in Europa bis 2030 auf ein Drittel, bei Kleinwagen sogar gegen Null fallen.

nis/dpa-afx