Volkswagen kündigt Verlust für zweites Quartal an Volkswagen will im Corona-Krisenjahr 2020 Gewinn schreiben

Volkswagen-Chef Herbert Diess (l), und Finanzvorstand Frank Witter (Bild Archiv) wollen das Corona-Krisenjahr für den Autobauer trotz aller Belastungen auf keinen Fall verloren geben.

Volkswagen-Chef Herbert Diess (l), und Finanzvorstand Frank Witter (Bild Archiv) wollen das Corona-Krisenjahr für den Autobauer trotz aller Belastungen auf keinen Fall verloren geben.

Foto: Christophe Gateau / DPA

Der Volkswagen-Konzern rechnet zwischen April und Ende Juni wegen der Coronavirus-Pandemie mit einem Verlust im Tagesgeschäft. "Das operative Ergebnis im zweiten Quartal wird negativ sein", sagte VW -Finanzchef Frank Witter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz.

VW hatte im ersten Quartal bereits einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen müssen, weil ab Mitte März die meisten Werke in Europa und Nordamerika heruntergefahren wurden und Händler kaum noch Autos verkaufen konnten. Das zweite Quartal dürfte das schwierigste im Jahresverlauf sein, sagte Witter. Auf Jahressicht rechnen die Wolfsburger aber noch mit einem positiven operativen Ergebnis, wenn auch "gravierend" unter dem Vorjahreswert, wie der Konzern bereits am Morgen mitteilte. Damit wagt Volkswagen als einer der wenigen in der Branche eine konkrete Prognose für 2020.

"Wir haben zahlreiche Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken sowie die Liquidität zu sichern und sind finanziell weiter robust aufgestellt", erklärte Finanzchef Frank Witter und fügte hinzu: "Der Volkswagen-Konzern steuert fokussiert und entschlossen durch diese beispiellose Krise."

Nettogewinn bricht ein, Audi schrammt knapp an Verlust vorbei

Den Angaben zufolge sackte der auf die Hauptanteilseigner entfallende Nettogewinn im Vergleich zum ersten Jahresviertel 2019 um mehr als 86 Prozent auf 405 Millionen Euro ab. Der Gewinn vor Steuern sank von 4,1 auf 0,7 Milliarden Euro. Grund war der Stillstand der Werke wegen der Pandemie bei weiter laufenden Kosten. Außerdem schmälerten die Turbulenzen an den Rohstoff- und Kapitalmärkten sowie negative Währungseinflüsse das Ergebnis.

Volksagen schützt sich gegen die Auswirkungen der Corona-Krise so gut es geht - sagt Konzernvorstand Herbert Diess (links, hier im Gespräch mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Minister Stephan Weil zum Re-Start der Fabrik in Wolfsburg vor wenigen Tagen).

Volksagen schützt sich gegen die Auswirkungen der Corona-Krise so gut es geht - sagt Konzernvorstand Herbert Diess (links, hier im Gespräch mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Minister Stephan Weil zum Re-Start der Fabrik in Wolfsburg vor wenigen Tagen).

Foto: Swen Pfoertner/Pool via REUTERS

Die Konzerntochter Audi schrammt nur knapp an den roten Zahlen vorbei: Das operative Ergebnis von 15 Millionen Euro lag im ersten Quartal deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,1 Milliarden Euro.

Bei der Hauptmarke VW Pkw halbierte sich das Ergebnis im laufenden Geschäft im Vergleich zum Vorjahr fast, es sank von 821 auf 481 Millionen Euro. Nicht viel besser sieht es bei Porsche aus, wo der Betriebsgewinn mit 529 Millionen Euro im ersten Quartal über ein Drittel (36 Prozent) geringer ausfiel als im Vorjahreszeitraum.

Konzernweit gingen die Auslieferungen um 23 Prozent auf rund 2 Millionen Fahrzeuge zurück. Das Verkaufsminus erstreckte sich dabei über fast alle Marken, lediglich Bentley konnte leicht zulegen.


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Die Nettoliquidität im Auto-Kerngeschäft sank in den ersten drei Monaten um 3,5 auf 17,8 Milliarden Euro - Ende Dezember 2019 hatte sie noch bei 21,3 Milliarden Euro gelegen. Damit sei die Zahlungsfähigkeit "weiter solide". Konzernchef Herbert Diess hatte jüngst geschätzt, dass während des Corona-Lockdowns bis zu 2 Milliarden Euro pro Woche an Liquidität verloren gingen.

"Wir werden um jeden Kunden kämpfen"

Finanzchef Witter erklärte, man werde wohl nicht in allen Märkten gleichermaßen zum Vorkrisen-Niveau zurückkehren können. Es sei aber schon möglich, von einer "gewissen Erholung" zu sprechen. "Wir werden um jeden Kunden kämpfen. Wir werden das Jahr nicht abschreiben."

Inzwischen fahren Volkswagen und andere Autobauer die Produktion in ihren Werken langsam wieder an. Die Talsohle dürfte nach Meinung von Analysten aber erst im laufenden zweiten Quartal erreicht werden, weil kaum jemand in der Krise ein Auto kauft. Der US-Autobauer Ford, der schon zu Jahresbeginn tief in die roten Zahlen gefahren war, erwartet im zweiten Quartal einen Verlust von mehr als fünf Milliarden Dollar.

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Foto: Uwe Anspach/ dpa

Volkswagen hat nach knapp sechs Wochen Zwangspause damit begonnen, seine Werke im In- und Ausland schrittweise zu starten. Bevor die Produktion wieder rund läuft, dürften aber noch einige Wochen vergehen. Denn bisher ist nicht absehbar, wann wieder so viele Autos verkauft werden, dass die Produktion ausgelastet werden kann.

Die großen deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler hoffen daher auf staatliche Kaufanreize nicht nur für Elektroautos. Einzelheiten wollen die Regierungschefs der drei Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen heute besprechen. VW-Chef Herbert Diess forderte zuletzt ein umfassendes Konjunkturprogramm, durch das die Autoindustrie als Zugpferd wieder auf die Beine kommen soll.

rei/Reuters/dpa
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