Donnerstag, 27. Februar 2020

Die Brandrede von VW-Chef Herbert Diess im Wortlaut "Volkswagen steht mitten im Sturm"

VW-Konzernchef Herbert Diess geht der Umbau von Volkswagen zu langsam voran
Ronny Hartmann/dpa
VW-Konzernchef Herbert Diess geht der Umbau von Volkswagen zu langsam voran

Diese Worte sollten die VW-Führungskräfte wachrütteln: Bei dem "Global Board Meeting" des Volkswagen-Konzerns am 16.01.2020 mahnte Konzernchef Herbert Diess, dass dem Autohersteller "Schnelligkeit und Mut" fehlen würden zum "radikalen Umsteuern". Volkswagen, so Diess, müsse sich zum Digital-Konzern wandeln - denn die Zukunft liege "nur da" und nirgendwo sonst. Über die wichtigsten Aussagen hat manager-magazin.de bereits berichtet. Hier nun die komplette Brandrede von Diess im Wortlaut:

Rede von VW-Chef Herbert Diess auf dem Global Board Meeting am 16.1.20

Meine Damen und Herren,

Die Welt ist in Bewegung.

Politisch wie technologisch leben wir in einer unglaublich dynamischen Zeit. Eine Zeitenwende steht vor uns - von der Dimension der industriellen Revolution.

Und Volkswagen steht mitten im Sturm der beiden größten Transformationsprozesse:

  • Der Klimawandel und der damit verbundene Innovationsdruck zum emissionsfreien Fahren.
  • Und die Digitalisierung, die das Produkt Automobil grundlegend verändert.

Unser Konzern hat nicht immer die besten Voraussetzungen, um schnell und konsequent genug auf diese Entwicklungen zu reagieren.

Gemessen daran haben wir uns bisher nicht schlecht geschlagen. Das wird auch von Marktbeobachtern anerkannt. Gerade 2019 haben Analysten neues Vertrauen in unsere Strategie gewonnen.

Kepler Cheuvreux attestieren uns zu Beginn dieses Jahres: "We think VW is the best positioned player in the industry to master the CO2 challenge."

Und Goldman Sachs meint: "We expect VW Group to continue to prosper this year as a result of ongoing positive sales developments at VW brand, a pick-up in sales at Audi, and broadly flat margins."

Im Bereich Litigation machen wir die Risiken aus der Diesel-Krise Stück für Stück beherrschbarer. Bei der Unternehmenskultur erleben wir spürbare und messbare Fortschritte. Ich freue mich, dass wir beim Stimmungsbarometer in der Integrität um drei Punkte gestiegen sind.

Unsere moderne Modellpalette auf MQB-Basis im Volumen und die neuen Porsches, Audis, Lamborghinis und Bentleys überzeugen die Kunden.

Wir verbessern die Qualität unseres Geschäfts. Umsatz und Ertrag wachsen schneller als der Absatz.

In China haben wir in einem stark rückläufigen Markt unseren Marktanteil um 1,4 Prozent gesteigert. Eine großartige Leistung, die uns kaum einer zugetraut hätte.

Gratulation zur herausragenden Leistung an Stephan Wöllenstein und sein Team!

In Südamerika kommen wir erstmals wieder in die Gewinnzone, auch in Russland haben wir unser Geschäft gedreht. In Nordamerika haben wir unser Ergebnis signifikant verbessert und streben für dieses Jahr den Breakeven an.

Volkswagen Financial Services hat 2019 ein Rekordjahr hingelegt, und die Komponente hat in Batterieentwicklung und -fertigung entscheidende Schritte gemacht.

Bei Audi ist der e-tron erfolgreich gestartet, die Entwicklungskosten wurden gesenkt und ein umfassendes Kostensenkungsprogramm auf den Weg gebracht.

Porsche hat wieder glänzende Zahlen und Autos geliefert und mit dem Tycan ein Zeichen gesetzt.

Seat erobert mit Cupra neue und junge Kunden.

Skoda läuft auf Hochtouren und wird Anfang Februar die neuen Modelle im für uns im wichtigen Zukunftsmarkt Indien vorstellen.

VW Nutzfahrzeuge hat die extrem wichtige Ford-Kooperation aufs Gleis gesetzt und Traton hat den Börsengang vollzogen.

Bei Bentley, Ducati, Bugatti und Lamborghini sehen wir positive Trends, insbesondere Bentley ist zurück in der Gewinnzone.

Die Kernmarke Volkswagen hat hart an der weiteren Renditesteigerung gearbeitet.

Alles in allem: Gute Entwicklungen.

Aber zur Ehrlichkeit gehört auch: Der Sturm geht jetzt erst los.

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