Samstag, 25. Mai 2019

Neuer Volkswagen-Chef verharmlost Dieselgate Hat Matthias Müller den VW-Skandal noch nicht verstanden?

Wohin führt Matthias Müller Volkswagen? Zunächst versucht er, den Abgas-Skandal zu relativieren

Volkswagen, das ist zurzeit ein geprügelter Konzern: Behörden, Anwälte, Manager der Konkurrenz - alle dreschen angesichts des Abgasskandals auf Volkswagen ein. Kann es nicht langsam mal gut sein?

Verständlich, dass sich der neue Chef Matthias Müller derzeit nichts sehnlicher wünscht. Problematisch aber wird es, wenn er über diesen Wunsch Gefahr läuft, einen der größten Skandale in der Geschichte der Automobilindustrie zu verharmlosen.

"Uns ist ein schwerwiegender Fehler unterlaufen", sagte er nun der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) in seinem ersten Interview nach der Amtsübernahme. "Ein Fehler" - für eine Abgas-Manipulation, die nahezu alle Kommentatoren als Betrug einstufen, ist das schon einmal mindestens eine Untertreibung. Andererseits könnte das vielleicht noch als eine legitime Schutzbehauptung angesichts drohender Prozesse durchgehen.

Eine andere Aussage Müllers legt dagegen die Vermutung nahe, dass der neue selbst ernannte Chef-Aufklärer den Kern des Skandals, wie er im wichtigen Autoland USA gesehen wird, noch gar nicht begriffen hat.

"Aber bedenken Sie", sagte Müller auf die Frage der FAZ nach der Höhe möglicher Strafzahlungen, "bei uns hat es keine Toten gegeben, unsere Autos waren und sind sicher". Beim deutschen Publikum der FAZ mag das verfangen. Vor den US-Behörden, die an diesem Donnerstag den US-VW-Chef vernehmen, wäre eine solche Attitüde Müllers allerdings fatal. Um es Müller noch einmal deutlich zu machen: In dem Fall ermittelt die oberste US-Umweltbehörde, nicht die Highway-Sicherheitsbehörde des Verkehrsministeriums. Schließlich geht es darum, dass Millionen Volkswagen bis zu 40-mal mehr giftige Abgase in die Luft geblasen haben als erlaubt.

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Betroffen ist eben nicht die Sicherheit der Kunden in den Autos (die tatsächlich direkt nicht bedroht war), sondern die Gesundheit der gesamten Bevölkerung, vor allem der in den Ballungsräumen. Und weil diese Menschen unter einem hohen Gehalt von Stickoxiden in der Luft leiden, gibt es Grenzwerte und hohe Strafen, wenn sie nicht eingehalten werden.

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